Islamische Gräber, wie auf dem Hauptfriedhof in Stuttgart, wird es in Achern wohl vorerst nicht geben – obwohl auch Oberbürgermeister Klaus Muttach eine in der Zukunft steigende Nachfrage vermutet. | Foto: Jan-Philipp Strobel

Städtischer Friedhof Achern

Sparzwang trifft muslimisches Grabfeld

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Ganz leise hat der Acherner Gemeinderat das geplante muslimische Grabfeld am städtischen Friedhof vorerst auf Eis gelegt. „Im Rahmen der Haushaltsplanberatungen wurde unter dem Druck notwendiger Einsparungen dieses Projekt vom Gemeinderat nicht priorisiert und somit nicht in den Doppelhaushalt aufgenommen“, teilt Stadtpressesprecherin Helga Sauer auf Anfrage von bnn.de mit. Dies ist der Fall obwohl es in der Maßnahmenliste zum Haushaltsplanentwurf noch als Maßnahme, die „nach Möglichkeit noch in den Haushalt aufgenommen werden“ soll („Prio 1“) geführt wurde.

Islamischer Kulturverein wurde nicht informiert

Der Vorsitzende des Islamischen Kulturvereins Achern, Murat Yazici, zeigt sich erstaunt: Er habe überhaupt erst durch die Anfrage von bnn.de davon erfahren, dass das Vorhaben nicht den Weg in den Haushalt gefunden hat. „Wir haben keinerlei Informationen bekommen“, sagt er. Auch die Ditib-Gemeinde sei nicht informiert worden.

Stadt entwickelte Projekt mit muslimischen Gemeinden

Die Aussage überrascht zunächst, denn die Stadt hatte das Projekt gemeinsam mit den muslimischen Gemeinden in Achern entwickelt und für die Pläne auch deren Vorschläge berücksichtigt. Schon im Jahr 2016 sei man im Gespräch gewesen, erzählt Yazici. Auch Oberbürgermeister Klaus Muttach bestätigt im Gespräch mit bnn.de: „Die Planung haben wir mit den Gemeinden besprochen.“

Wir können nicht 500-mal die Betroffenen informieren.

Aber: Es habe für den Haushalt über 500 vorgeschlagene Vorhaben gegeben: „Wir können da nicht 500-mal die Betroffenen informieren“. Außerdem liege der Haushalt genau aus diesem Grund offen – damit sich jeder informieren kann.

Unterschiedliche Aussagen zu Nachfrage nach muslimischen Bestattungen

Und während Sauer betont, „dass die Nachfrage nach muslimischen Bestattungen außerordentlich gering ist und es in jüngster Vergangenheit überhaupt keine Nachfrage gab“, widerspricht Yazici auch dieser Aussage. „Das stimmt so nicht“, sagt er entschieden.

Die Muslime haben erkannt, dass sie hier zu Hause sind.

Denn: „Die Muslime haben erkannt, dass sie hier zu Hause sind.“ Und viele von ihnen wollten durchaus hier ihre letzte Ruhe finden. Dies sei aber nicht möglich, weil die Bestattung in einem abgegrenzten Bereich des Friedhofs erfolgen müsse.

Muslimische Gemeinden bemühen sich um Gespräch mit OB Muttach

Was nun als Möglichkeit bleibt, ist die Überführung der Toten ins Herkunftsland oder eine Beerdigung in Offenburg. Dort gibt es ein islamisches Grabfeld. Man bemühe sich nun gemeinsam mit Ditib um einen Termin bei Oberbürgermeister Klaus Muttach, ergänzt Yazici. Dort solle auch besprochen werden, wie es mit dem Grabfeld weitergehen soll und ob es in zwei Jahren den Weg in den Doppelhaushalt finden könnte. Dieses Gespräch dürfte kein Problem werden, schließlich betont der Oberbürgermeister, die Stadt sei in ständigem Kontakt mit den Religionsgemeinschaften: „Themen werden bei Treffen ganz unkompliziert besprochen.“

Option: Nächster Doppelhaushalt

Die Option, dass das Grabfeld im nächsten Doppelhaushalt unterkommt, will auch Muttach ganz und gar nicht ausschließen. Er vermutet eine Generationenfrage. Je länger jemand hier lebe, desto größer werde wohl der Wunsch, auch hier beerdigt zu werden. Dann steige auch die Nachfrage. Zudem gebe es Flüchtlinge, denen auch nach ihrem Tod die Rückkehr in ihr Herkunftsland schlicht verwehrt bleibe. Auch das könne die Lage in Zukunft verändern.