Das Bühler Bluegrass-Festival kann in diesem Jahr nicht ausgerichtet werden. | Foto: Maier

Künstlerischer Leiter erzählt

Stadt Bühl verschiebt das Bluegrass-Festival wegen des Coronavirus

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Die Musikfans müssen sich gedulden: Das für den 15. und 16. Mai 2020 geplante 18. Internationale Bühler Bluegrass-Festival wurde wegen der Corona-Pandemie auf das Frühjahr 2021 verschoben.

Unser Redaktionsmitglied Klaus-Peter Maier sprach mit dem künstlerischen Leiter des Festivals, Patrick Fuchs, über die Verlegung und die Situation der Kulturschaffenden.

Die Absage war zu erwarten, wie weh tut sie trotzdem?

Patrick Fuchs: Es schmerzt natürlich, weil man so viel Arbeit investiert hat. Aber das geht vielen anderen Veranstaltern und Selbstständigen auch so. Millionen Menschen brechen gerade die Aufträge weg, nicht nur Künstlern, sondern auch anderen, die frei arbeiten. Wir befinden uns in einer Ausnahmesituation, aber ich bin mir sicher, dass diese überwunden wird.

Ich rechne fest damit, dass wir irgendwann eine Grundimmunität in der Bevölkerung haben und auch einen Impfstoff. Deswegen bin ich optimistisch.

Die Künstlerinnen und Künstler haben auch damit zu tun, ihre eigene Gesundheit und die ihrer Familien zu schützen.

Patrick Fuchs, künstlerischer Leiter des Bluegrass-Festivals

Hatten Sie schon Kontakt mit den Bands, die für das Bluegrass-Festival verpflichtet wurden?

Ja, ich bin in Kontakt. Die amerikanischen Künstler haben ihre Tourneen teilweise von sich aus abgesagt, weil sie einfach nicht reisen können. Es gibt im Moment kaum Flugverbindungen über den Atlantik, einige Bundesstaaten in den USA haben schon Ausgangssperren verhängt, und die Künstlerinnen und Künstler haben auch damit zu tun, ihre eigene Gesundheit und die ihrer Familien zu schützen.

Wir hatten für das Festival überwiegend amerikanische Bands verpflichtet, die alle schon mal in Europa waren, und die wären unter normalen Umständen sicher gekommen und hätten auf keinen Fall kurzfristig abgesagt. Jetzt ist die Situation natürlich eine völlig andere, übrigens auch für die Agenturen, welche die Tourneen organisieren. Denen bricht derzeit auch alles weg.

Da kann man nur hoffen, dass viele das finanziell überstehen und im nächsten Jahr oder eventuell schon in diesem Herbst wieder zur Verfügung stehen und zum normalen Geschäft zurückkehren können.

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Patrick Fuchs ist der künstlerische Leiter des Festivals. | Foto: pr

Sie wollen die sieben Bands, die dieses Jahr nicht auftreten können, für das Festival 2021 wieder verpflichten. Wie groß ist die Chance, alle unter einen Hut zu bringen?

Wir arbeiten daran, das Line-up möglichst beizubehalten. Das gibt den Musikern, Bands und Tournee-Organisatoren eine Perspektive – und dem Publikum natürlich auch. Wir sprechen also nicht von einer Absage, sondern wir verschieben das Festival auf den 14. und 15. Mai 2021. Es ist das Beste, was man als Veranstalter derzeit anbieten kann.

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Sie sind als hauptberuflicher Kontrabassist der Essener Philharmoniker ganz persönlich von der jetzigen Situation im Kulturbetrieb betroffen. Wie gehen Sie damit um?

Ich bin ungewöhnlich viel zu Hause (lacht). Seit 13. März ist das Theater geschlossen, geübt und geprobt wird natürlich trotzdem, aber eben im Homeoffice. Am Theater wird sehr eng zusammengearbeitet, in Ballett, Chor und Orchester ist man dicht beieinander.

Zu Hause nutze ich mein Übezimmer verstärkt, es wird viel gekocht, abends läuft der Fernseher – berufsbedingt komme ich sonst kaum zum Fernsehen – und ich bin erstaunt, was das Fernsehen so anbietet, von dem ich bisher gar nichts wusste, positiv wie negativ.

Die vielen ungelesenen Bücher sind jetzt eine Freude und zur täglichen Rückengymnastik höre ich den Podcast des Virologen Christian Drosten aus Berlin, wobei man viel lernen kann. Man kann sowieso viel lernen in diesen Zeiten, wenn man den richtigen Leuten zuhört.

Für Freischaffende ist es eine Katastrophe. In der ersten Jahreshälfte ist alles weggebrochen, und über der zweiten Jahreshälfte steht ein großes Fragezeichen.

Patrick Fuchs, künstlerischer Leiter des Bluegrass-Festivals

Wie sehen Sie die Lage für den Kulturbetrieb und im Besonderen auch für die freischaffenden Künstler?

Für Freischaffende ist es eine Katastrophe. In der ersten Jahreshälfte ist alles weggebrochen, und über der zweiten Jahreshälfte steht ein großes Fragezeichen. Das betrifft Millionen von Selbstständigen. Es gibt unterschiedliche Initiativen zur Unterstützung, so befürwortet der Deutsche Kulturrat zusammen mit der Orchestermusiker-Gewerkschaft einen Nothilfefonds, der direkt bei der Künstlersozialkasse angesiedelt ist. Dies hätte auch praktische Vorteile, weil dort schon die Daten der Versicherten hinterlegt sind.

Das wäre ein wichtiger Schritt, zumal in der Kulturszene eh alles auf Kante genäht ist. Wir erleben jetzt gewissermaßen eine „bleierne Zeit“ (Friedrich Hölderlin). Aber ich bin zuversichtlich, dass diese überwunden wird. Dann hoffe ich auf die Treue des Publikums und rechne auch in Deutschland mit einer Explosion der Lebensfreude. Dann wird auch wieder getanzt und musiziert – und natürlich Bluegrass gespielt.

Wer sich bereits Karten für die jetzt abgesagten Konzerte gesichert hat, kann diese über das Bürgerhaus Neuer Markt zurückgeben, Telefon (0 72 23) 9 31 67 99, E-Mail bnm.stadt@buehl.de. Der Geldbetrag wird auf das Konto rückerstattet. Das Bürgerhaus nimmt Kontakt mit allen Käufern auf, sofern die entsprechenden Daten vorliegen, teilt die Stadtverwaltung mit.