Arno Haiss war der letzte Vorsitzende des im Jahr 2016 aufgelösten Acherner Museumsvereins. Im Sensenmuseum in Achern konnten die Besucher nachvollziehen, wie in 30 Arbeitsschritten aus einem kleinen Stahlstück eine elastisch schwingende Sense wird. | Foto: Patrick Seeger

Neues Museumskonzept in Achern

Stadt will Sensensammlung erhalten

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Es war ein Alleinstellungsmerkmal in der deutschen Museumslandschaft – das 1976 eröffnete Sensenmuseum in Achern. Dennoch kann seit dem Ende des Museumsvereins niemand mehr die in dem Gebäude in der Berliner Straße präsentierte einzigartige Sammlung von Exponaten aus der einstigen Acherner Sensenfabrik besichtigen. Doch nun will die Stadtverwaltung einen neuen Anlauf zur Wiederbelebung des ehemaligen Sensen- und Heimatmuseums nehmen.

Wie Oberbürgermeister Klaus Muttach auf Anfrage des ABB berichtet, hat die Leiterin des Fachgebiets Stadtarchiv, Andrea Rumpf, unter dem Titel „Vision Stadt– und Sensenmuseum Achern“ eine Konzeption für einen Neubeginn erarbeitet. Muttach will sie nach der Kommunalwahl dem Gemeinderat präsentieren. Dieser muss entscheiden, ob – und wenn ja, wo – das Millionenprojekt verwirklicht wird.

Vor vier Jahren ging Erbbaurecht an die Stadt

Rückblick: Vor vier Jahren ging das zugunsten des einstigen Museumsvereins bestehende Erbbaurecht an die Stadt Achern über. Mitte der 1970er Jahre hatte sie die Errichtung des damaligen Sensen- und Heimatmusems mit 250 000 Mark (knapp 128 000 Euro) bezuschusst. Am 9. September 1975 wurde ein Erbbaurechtsvertrag zwischen der Familie des einstigen Firmenchefs Franz John als Grundstückseigentümerin, dem Museumsverein Achern als Erbbauberechtigtem und der Stadt Achern geschlossen.

Familie John beansprucht Immobilie

Dabei vereinbarte man einen Erbbauzins von einer Mark (52 Cent) pro Jahr. Das Gebäude überließ die Familie John dem Museumsverein im Wege des Erbbaurechts auf die Dauer von 99 Jahren. Nach heutiger Ansicht der Familie müsste die Immobilie an sie zurückgegeben werden, wenn das Gebäude nicht mehr als Museum genutzt würde.

Bei einer Neukonzeption bleibt das Gebäude bei der Stadt

Museumskonzept soll Eigentum der Stadt sichern

So weit will es Oberbürgermeister Klaus Muttach freilich nicht kommen lassen: „Da das Museum auch bei einer Neukonzeption an anderer Stelle nach wie vor einem Museumszweck dient und somit erhalten bleibt, ist nach unserer und auch der Familie John mitgeteilten rechtlichen Prüfung die Eigentumssituation eindeutig so, dass das Gebäude bei der Stadt bleibt.“

Präsentation und Standort nicht optimal

Muttach räumt allerdings ein, „dass das ehemalige Museum aufgrund der Art der Präsentation und des Standorts nicht zukunftsfähig ist“. Auch sei der Bereich der Stadtgeschichte „völlig ausgeklammert“, obwohl es interessante Objekte gebe. In den bisherigen Räumen finden sich die einstigen Ausstellungen unverändert wieder, zusätzlich wurde im Rahmen einer Inventarisierung ein Depot im Keller angelegt. Laut Muttach sind bislang knapp 4 000 Objekte erfasst worden.

Ein neues Museum müsste Bildungseinrichtung und Erlebnisort sein

Gemeinderat wird zuerst informiert

Nähere Angaben zu dem von Andrea Rumpf erarbeiteten Konzept mochte Muttach zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht machen. Er wolle das „Erstinformationsrecht“ des Gemeinderats respektieren, ließ er mitteilen. Immerhin machte er deutlich, dass bei einer Neukonzeption eines Museums die Darstellung der Stadtgeschichte mit thematischen Exkursen, Sondersammlungen und einem Rahmenprogramm lebendig und unverwechselbar aufgenommen werden müsse.

Neues Museum soll innenstadtnah liegen

„Als Bestandteil einer abgestimmten Museumslandschaft in der Gesamtstadt müsste es Bildungseinrichtung und Erlebnisort sein und eine Vermittlerrolle zwischen Geschichte und Gegenwart einnehmen.“ Hierfür habe die Stadtverwaltung bereits „konzeptionelle Überlegungen“ entwickelt: „Ein neues Museum soll möglichst zentral liegen und fußläufig von der Innenstadt und den Acherner Kernstadtschulen erreichbar und barrierefrei ausgestaltet sein.“

Lernort für Schulklassen schaffen

Weitere Ideen sollen, so Muttach, zur Attraktivität eines solchen Museums beitragen. Dabei gehe es auch um die Frage, welche Zielgruppe man erreichen wolle, ob und wie das Museum als Lernort speziell für Schulklassen attraktiv gestaltet werden könne. Ferner gebe es bereits Überlegungen, etwa mit wechselnden Ausstellungen überörtliche Themen aufzugreifen.

Kooperation mit Familie John

Nach dem verwaltungsintern erarbeiteten Rahmenkonzept suche die Stadtverwaltung, wie es weiter heißt, den weiteren Gedankenaustausch mit der Familie John. Deren Vertreter Rüdiger John sei gebeten, sich zur Besprechung des Rahmenkonzepts mit Oberbürgermeister Klaus Muttach und Fachgebietsleiterin Andrea Rumpf zu verabreden.