ÜBER DIE MODELLBAHN-NOSTALGIE im Bühler Stadtmuseum freuen sich Eisenbahn-Experte Thomas Gries (links) und Initiator Michael Rumpf, Leiter des Stadtgeschichtlichen Instituts und Museumschef. | Foto: Jörg Seiler

Modellbahn-Nostalgie

Stadtmuseum lässt Bühler Modellbahn-Tradition wieder aufleben

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Das Stadtmuseum lässt eine Bühler Tradition auferstehen: Die Modellbahn im Schaufenster. Bis nach Weihnachten drehen zwei Züge ihre Runden in einer Winterlandschaft. Mittels eines Kontaktschalters am Fenster können eine Dampf- und eine Diesellok samt Wagen in Bewegung gesetzt werden.

Die Idee zu diesem nostalgischen Blickfang hatte Michael Rumpf. „Das ist einfach eine schöne Erinnerung“, so der Museumschef und Leiter des Stadtgeschichtlichen Instituts. Mindestens zwei Schauanlagen gab es früher in der Advents- und Weihnachtszeit in Bühl. Eine stand bei „Zucker“ in der Hauptstraße, die andere bei „Beuchert“ in der Schwanenstraße im Fenster. Beuchert war für Rumpf in den Jugendjahren während der Advents- und Weihnachtszeit fester Anlaufpunkt.

Mit den Zügen setzte sich auch eine Gondelbahn in Bewegung

Die dortige Modellbahn hatte etwas, was die Kinder besonders lockte. Sie konnte über einen Kontakt in einer großen gelben Hand auf der Schaufensterscheibe eingeschaltet werden. Dann drehten nicht nur die Züge ihre Runden. Auch die Gondeln einer Seilbahn beförderten ihre Fahrgäste ins Gebirge und wieder hinunter. Bei der Umsetzung seines Plans kam Rumpf sofort der Eisenbahn-Experte in Bühl schlechthin in den Sinn: Thomas Gries. Er forscht im Stadtgeschichtlichen Institut über die Bühler Bahngeschichte.

Mehr: Thomas Gries baute bereits die Rangierlok des Versorgungszentrums der französischen Streitkräfte im Modell nach.

Zeithorizont war knapp bemessen

Der Wunsch war schnell geäußert, der Zeithorizont vergleichsweise knapp bemessen. Der ursprüngliche angedachte Kreis mit einem Züglein aus dem Besitz einer Museumsmitarbeiterin war schnell verworfen. „Wir haben uns für ein Märklin-C-Gleis entschieden“, so Gries, der die Anlage binnen weniger Wochen mit dem Dioramen-Experten Rolf Baumann vom Modellclub 1:87 Lichtenau realisierte.

EINE SCHMUCKE WINTERLANDSCHAFT hat Dioramenbauer Rolf Baumann für die Anlage zusammengestellt. | Foto: Thomas Gries

Die Hauptplatte der Anlage misst 1,70 auf einen Meter und trägt zwei Häuser, ein Kirchlein, einen Felsen, eine Bäume, Bach, Straße, einen kleinen Bahnhof im Wintergewand. Auf dem Fenstervorbau in den Maßen von einem Meter auf 20 Zentimeter steht ein Lokschuppen.

Weihnachtsmann hält noch Einzug

Es lohnt sich, ein wenig vor dem Schaufenster zu verweilen und mit den Augen auf Entdeckungsreise zu gehen. Eine Gruppe mit vier Langläufern bahnt sich da den Weg durch den Schnee, vor einem schmucken Fachwerkhaus fahren die Kinder Schlitten, am Waldrand stehen Hirsche. Ein paar Elemente kommen in den nächsten Tagen noch dazu: Ein Unimog im Winterdienst und weitere Nadelbäume, erläutert Gries. Und der Weihnachtsmann wird ebenfalls noch eine Auftritt haben. „Der Schlitten ist schon da“, sagt Gries und schmunzelt.

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Züge auf zwei getrennten Gleisovalen

Die Züge rollen gegenläufig auf zwei getrennten Gleisovalen. Einmal eine Diesellok der Baureihe 80 mit einem gemischten Güter- und Personenzug und dann ein Dampfross der Baureihe 74, eine preußische Tenderlok also, mit Güterwagen.

Erinnerungen an große Anlage im einstigen Beuchert-Schaufenster

Zwei weitere Lokomotiven stehen in Reserve, um bei Ausfällen gleich Ersatz zu haben. Kaum war am Mittwoch der Vorhang im Fenster entfernt, fanden sich schon die ersten Großeltern mit Enkel ein, um die Züge in Bewegung zu setzen. Ein Passant erinnerte sich angesichts des neuen Blickfangs im Stadtmuseum sofort an die große Schauanlage bei Alex Beuchert, des einstigen „Fachgeschäfts für Eisenwaren, Hausrat und Spielwaren“ in der Schwanenstraße 3 in Bühl.

Modellbahn ist von 8 bis 20 Uhr in Betrieb

Der Schalter, der der Modellbahn den Startbefehl gibt, ist eine Bühler Besonderheit. Erfinder Gerd Reime (Firma Picosens) hat ihn dem Museum geschenkt. Es handelt sich um ein drahtloses System. Ein Fingerdruck auf die Kontakteinheit am Fenster aktiviert über ein Funksignal die Steckerleiste für die Trafos. Dann drehen die Züge für zwei Minuten ihre Runden und die Lichter leuchten. Die Modellbahn ist jeweils von 8 bis 20 Uhr in Betrieb. Dann herrscht „Nachtruhe“, erklärt Modellbau-Experte Gries.

Anlage soll mit den Jahren wachsen

Beim Schwelgen über die gute, alte Modellbahn-Zeit in Bühl entwicklet Museumschef Rumpf gleich weitere Ideen: Die Anlage aus der Koproduktion von Gries und Baumann habe durchaus Entwicklungspotenzial. „Ausbaufähig“ sagt Rumpf und bringt umgehend die Seilbahn von der Beuchertschen Anlage ins Spiel. Eisenbahn-Experte Gries schien am Dienstag diesen Plänen nicht abgeneigt zu sein.

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