Knapp zehn Meter lang ist die Papierrolle, auf der Rolf Federle den Stammbaum seiner Familie verzeichnet hat. Die von ihm erforschte Geschichte reicht 350 Jahre zurück. | Foto: Roland Spether

Gamshurster Familiengeschichte

Stammbaum der Federles reicht 350 Jahre zurück

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„Wer einmal mit dem Virus der Ahnenforschung infiziert ist, der kommt davon nicht mehr los“. Mit diesen Worten entrollt Rolf Federle fast zehn Metern Papier, auf dem der Gamshurster Federle-Stamm von 350 Jahren niedergeschrieben ist.

Von unserem Mitarbeiter Roland Spether

„Erfasst habe ich bis jetzt 3.469 Personen in zwölf Generationen – mit den Auswanderern nach Amerika. Ich selbst gehöre zur zehnten Generation der Gamshurster Linie“, so Rolf Federle, der aus Großweier stammt und in Bühl wohnt. Hier findet am 21. September der 30. Familientag des Familienverbandes Federle – Feederle – Federlin statt, zu dem 80 Personen aus Amerika, Schweden, Finnland, Italien, Deutschland und der Schweiz anreisen.

3.469 Personen bekannt

Die Stammeltern der Federles in Gamshurst sind Georg Federle und Katharina Bruder; sie heirateten 1669 in Durbach und kamen zwischen 1684 und 1687 nach Gamshurst. Aus diesen Ur-Federle entstammen in 350 Jahren die bis jetzt bekannten 3.469 Personen, doch die Spur geht noch einige Hundert Jahre weiter zurück. „In dem Stammbaum stecken 20 Jahre Familienforschung drin“, so Rolf Federle, der in dieser Zeit bienenfleißig eine wahre Sisyphos-Arbeit vollbrachte und alle Daten in einer Software mit Online-Zugriff auf internationale Datenbanken gespeichert hat.

Auf Knopfdruck hat er die Ahnenlinie bestimmter Federles bereit, wer wann und mit wie vielen Kindern nach Amerika auswanderte und wer es in der „Neuen Welt“ zu etwas gebracht hat. Schnell fand er einen Joseph Federle (1849 bis 1937), der nach dem Tod seiner Frau Karolina Braun (zwei Kinder) wieder heiratete und mit deren Schwester Theresia Braun weitere 18 Kinder hatte.

Anwalt bringt Forschung ins Rollen

„Infiziert“ wurde Rolf Federle nach dem Anruf eines Anwaltes aus Straßburg. Dieser suchte in Achern eventuelle Erben einer in Straßburg ledig verstorbenen Maria Federle, deren Vater aus Gamshurst stammte. „Ich wusste von meiner Mutter, dass Federles nach Frankreich auswanderten.“

Vielleicht lag es an seinem Beruf als Bilanzbuchhalter, dass er an das Thema systematisch und exakt heranging, denn wie bei einer Bilanz muss auch der Stammbaum mit seinen vielen Linien und Verzweigungen stimmen. Um noch mehr Sicherheit in der Abstammung zu haben, wurde vor einigen Jahren eine DNA-Analyse in der Schweiz und in Amerika gemacht, an der je drei Personen (auch Rolf Federle) der Gamshurster und Ulmer Linie teilnahmen.

Aus Ulm an der Donau

Das Ergebnis war eindeutig, denn es wurde genetisch zweifelsfrei festgestellt, dass es zwischen beiden Stämmen hohe bis sehr hohe Übereinstimmungen gibt. Daraus konnte geschlossen werden, dass die Gamshurster Federles ein Zweig der aus der Gegend von Ulm an der Donau stammenden Federles sind, deren Wurzeln von Siegfried Federle bis zu einem Hans Feterlin aus Rammingen im Jahre 1375 zurückverfolgt werden konnte.

Das älteste Dokument von Rolf Federle stammt von 1344. Damals verkauften der Ritter von Schauenburg und seine Ehefrau sowie seine Söhne Reinbold, Walter und Sigelin das „Vetterlinsgut zu Oberhäuser unter Hohenrode gelegen“ (Bauernhof in Sasbachwalden) an das Kloster Allerheiligen. Ein weiteres Dokument stammt von 1477, es ist ein Hinweis auf den Tod von Georg Federle, Probst des Klosters Allerheiligen (1474 bis 1477).

Von Gamshurst nach Indien, Amerika, Frankreich und in die Schweiz – die Federles waren über die Jahrhunderte hinweg international unterwegs und schrieben Familiengeschichte.
Traurige Berühmtheit erlangte Georg Federle. Denn der wurde 1628 als Hexer angeklagt, weil er angeblich Hexentänze abhielt, ein Mädchen verführte, Vieh zu Tode prügelte und Menschen so traktierte, dass sie starben.
Zwischen 1764 und 1912 sind 65 Federles ausgewandert – 56 Personen nach Nordamerika, andere nach Ungarn und Frankreich.
Weit in die Ferne trieb es Albert Fetterle, Nachkomme des 1740 geborenen Franz Balthasar Federle. Albert ging noch vor 1891 nach Indien, um den dortigen englischen Kolonialoffizieren Schweizer Uhren zu verkaufen. Als er 1891 in Basel die 1862 in Kasan in Russland geborene Marie Crescentia Nopper heiratete, wurde als Wohnort Bombay angegeben.
Albert Fetterle gründete später in der Schweiz mit seinem Bruder Jules die Firma LA Reliance Watch Co. A. Fetterle & Co. Die Firma scheint aber nicht erfolgreich gewesen zu sein, denn sie wurde kurz vor 1900 aufgelöst, Albert ging mit seiner Frau und drei Töchtern nach Indien zurück. Er starb im März 1917 im Alter von 54 Jahren. Die Witwe kehrte mit der Tochter Alice wieder in die Schweiz zurück und starb 1923. Tochter Nora blieb in Bombay bei ihrem Cousin Karl Nopper und wurde Gouvernante seiner drei Kinder.