Richtungsweisende Entscheidung: Hinter dem Gerätehaus der Feuerwehrabteilung Rheinbischofsheim könnte der Container für die Reinigungsanlage stehen, sollte der Ortschaftsrat diesem Standort in seiner nächsten Sitzung zustimmen. Foto: kec | Foto: kec

CKW in Rheinauer Grundwasser

Standortfrage für Filteranlage auf der Zielgeraden

Anzeige

Wo wird die Containeranlage zur Reinigung des mit Reinigungschemikalien (CKW) verseuchten Grundwassers in Rheinbischofsheim stehen? Nach einem langwierigen Verhandlungsmarathon erreichen das Landratsamt sowie die Ortsverwaltung Rheinbischofsheim die Zielgerade.

Ortschaftsrat entscheidet am 18. Juni

Der sechs mal 18 Meter große Containerklotz mit den Filteranlagen könnte in den nächsten acht bis 15 Jahren hinter dem Feuerwehrgerätehaus am Schloßplatz stehen. Dabei handelt es sich um ein städtisches Grundstück. Das letzte Wort hat jedoch der Rheinbischofsheimer Ortschaftsrat. In der nächsten öffentlichen Sitzung wird er diesem Standort zustimmen – oder den Vorschlag ablehnen. Der Termin ist am Montag, 18. Juni, um 19.30 Uhr im Rathaus Rheinbischofsheim.

Insgesamt 14 Standorte untersucht

Wie Rheinbischofsheims Ortsvorsteher Robert Reifschneider auf Anfrage des ABB und bnn.de bestätigt, hat sich der Standort am Feuerwehrgerätehaus nach intensiven Verhandlungen herauskristallisiert. Insgesamt 14 Standorte untersuchte die Ortsverwaltung mit dem Amt für Wasserwirtschaft und Bodenschutz des Ortenaukreises. Ein kompliziertes Unterfangen, wie Reifschneider bestätigt. Einerseits sollte die Filteranlage nicht weit vom eigentlichen Schadensherd stehen, um das Verlegen langer Wasserrohre zu ersparen. Dies würde zusätzliche Kosten verursachen. Zudem müssen die Leitungen frostgeschützt sein, stellte sich bei den Beratungen heraus. Andererseits sollte der „Containerklotz“ nicht in das Ortsbild eingreifen.

Landratsamt: Lärmemissionswerte werden eingehalten

So befanden sich die meisten ins Auge gefassten Grundstücke in privater Hand, ihre Besitzer lehnten ab. „Verständlich, auch wenn es eine Entschädigung gegeben hätte“, erklärt Reifschneider. „Doch wer will so einen Container schon jahrelang auf seinem Grundstück?“ Hinzu komme die Sorge vor möglichen Lärm der Filteranlagen. Das Landratsamt habe versichert, dass die Reinigungsanlagen nicht laut seien, Lärmemissionswerte eingehalten würden.

Giftige Altlasten: Von der alten Wäscherei in der Rheinbischofsheimer Hauptstraße sickerten chemische Reinigungsstoffe in das Grundwasser. | Foto: Archiv kec

Containeranlage folgt im Spätherbst

Von diesem Spätherbst an, voraussichtlich Oktober oder November, wird die Containeranlage errichtet. „Ein fester Baubeginn steht noch nicht fest“, erklärt Gabriele Schindler, Sprecherin des Landratsamts, auf Anfrage des ABB und bnn.de. Derzeit prüft das Landesumweltministerium die Entwurfs- und Genehmigungsplanung.

Sanierung kostet mindestens 500.000 Euro

Für die Sanierung werden mehr als 500.000 Euro fällig, der genaue Betrag steht nach Angaben des Landratsamts noch nicht fest. Für die Kosten werden der Eigentümer bis zum Verkehrswert des Grundstücks aufkommen sowie das Land. Wie berichtet, ist das Grundwasser in Rheinbischofsheim wegen einer seit Jahren stillgelegten Reinigung in der Hauptstraße durch chlorierte Kohlenwasserstoffe (CKW) verseucht.

Grundwasser zwischen 1969 und 1986 verseucht

Dieses Mittel wurde im vergangenen Jahrhundert als Lösungsmittel verwendet und gelangte zwischen 1969 und 1986 aus der Wäscherei in den Boden. Seitdem hat sich eine 250 Meter lange und 150 Meter breite verseuchte Grundwasserfahne gebildet, die in nordwestliche Richtung fließt.

Schaden seit 2007 bekannt

Bereits 2007 wurde auf dem Gelände der ehemaligen Reinigung eine massive CKW-Konzentration von 5.153 Mikrogramm pro Liter festgestellt. Der Grenzwert liegt bei zehn Mikrogramm pro Liter. Im August 2016 waren es noch 4.000 Mikrogramm pro Liter. 40 Meter weiter im Abstrom befindet sich die CKW-Konzentration bei 206 Mikrogramm pro Liter. Bis heute haben sich diese Werte nicht wesentlich geändert, heißt es aus dem Amt für Wasserwirtschaft und Bodenschutz. Der Behörde ist die Grundwasserbelastung bereits seit 2005 bekannt.

Obst und Gemüse bislang ohne CKW

Erst mehr als zehn Jahre später erfuhr die Öffentlichkeit von dem Schadensherd. Eine Gefahr für die Bevölkerung besteht nach Behördenangaben nicht, da die Brunnen der öffentlichen Trinkwasserversorgung nicht von der CKW-haltigen Fahne erfasst sind. Wer auf seinem Privatgelände einen Brunnen hat, habe keinen Anspruch auf eine bestimmte Wasserqualität, heißt es aus dem Landratsamt. Dennoch rät die Behörde von der Benutzung des kontaminierten Trinkwassers ab. In Obst und Gemüse entdeckten Experten bislang kein CKW.