Die Tigermücke gilt als Überträger von Krankheitserregern wie dem Zika-, Chikungunya- und Dengue-Virus. | Foto: Kabs/Pluskota

Monitoring am Oberrhein

Stechende Exoten auf dem Vormarsch

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Die Bewohner links und rechts des Rheins können leidlich ein Lied davon singen: von den Schnaken, diesen stechenden Plagegeistern, die den Menschen in den betroffenen Gemeinden das Leben schwer machen. Um den Stechmücken (Culicidae, so der wissenschaftliche Name) Einhalt zu gebieten, wurde vor 22 Jahren die „Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage“ (Kabs) aus der Taufe gehoben. Vermehrt haben es die Mitarbeiter des gemeinnützigen Vereins am Oberrhein indes nicht nur mit den einheimischen „Schnooge“ zu tun. Der globale Waren- und Reiseverkehr und der Klimawandel haben laut Experteneinschätzung dazu geführt, dass sich exotische Stechmückenarten inzwischen weit über ihre ursprünglichen Regionen hinaus verbreitet haben.

Kabs startet Monitoring

„Die exotischen Stechmücken sind massiv auf dem Vormarsch“, weiß erläutert Norbert Becker, Wissenschaftlicher Direktor der Kabs. In einem Monitoring will die Aktionsgemeinschaft nun die stechenden Exoten am Oberrhein systematisch erfassen. In dem Verbreitungsgebiet der 98 Mitglieder zählenden Kabs, das von Bingen bis nach Sasbach am Kaiserstuhl reicht, stellten die Mitarbeiter auf den Friedhöfen Fallen auf, die regelmäßig bis Ende August beprobt werden. Friedhöfe sind für solche Untersuchungen dankbare Objekte, erläutert Becker gegenüber dieser Zeitung. Denn sie böten den Mücken genügend Blumenwiesen, Gebüsche zum Verstecken sowie menschliche Besucher für die notwendige „Blutmahlzeit“.
Das Monitoring soll Aufschluss geben über die eingeschleppten Stechmückenarten, deren Bestand und Verbreitung, beispielsweise der Asiatischen Tigermücke sowie der Japanischen und Koreanischen Buschmücke.

Fallen auf Friedhöfen in der Region

Dazu wurden insgesamt 99 Fallen aufgestellt und mit Lockstoffen versehen (in der Regel ein Wasser-Heu–Aufguss), was die Mückenweibchen dazu veranlassen soll, ihre Eier an einem Holzstab in der Falle abzulegen. Diese werden dann im Laufe des Monitorings alle zwei Wochen aus der Falle entnommen und im Labor ausgewertet. In einem Raster von zehn auf zehn Kilometern, so ergänzt Projektleiter Daniel Hoffmann, wurden jeweils zwei Fallen eingerichtet, in der Region beispielsweise auf dem Bühler Friedhof in Kappelwindeck, aber auch in Sinzheim, Lichtenau und Rheinmünster. Im Zuge des Monitorings soll neben dem Bestand auch ein Konzept einer Bekämpfung ausgearbeitet werden. Die stechenden Exoten werden laut Hoffmann mit dem biologischen Wirkstoff BTI (Bacillus thuringiensis var. israelensis) bekämpft. Es produziert ein Gift, das die Därme der Stechmücken zerstört.
Sind die Nistplätze festgestellt, werden Kabs-Mitarbeiter in den betroffenen Gebieten „von Haus zu Haus“ gehen, den Wirkstoff ausbringen und auch die Bevölkerung informieren und Tabletten verteilten, damit sich Bürger bei der Bekämpfung der Stechmücken auch selbst aktiv beteiligten können, kündigt der Diplom-Biologe an.

Die Asiatische Tigermücke, auch „Tigermoskito“ genannt, ist eine ursprünglich in den süd- und südostasiatischen Tropen und Subtropen beheimatete Stechmückenart und wurde in den vergangenen Jahrzehnten durch Warentransporte und Reisetätigkeiten weltweit verschleppt. In Deutschland wurde sie das erste Mal im Jahr 2007 nachgewiesen.  Die Tigermücke, so erläutert Norbert Becker, Wissenschaftlicher Direktor der Kabs, wurde unter anderem in Karlsruhe, Heidelberg, Sinsheim und Freiburg entdeckt. Auch entlang der A 5 in Mittelbaden sind immer wieder Tigermücken-Populationen zu finden, die aus Italien eingeschleppt werden.
Die Tigermücke gilt als Überträger von Virenerkrankungen, beispielsweise dem Zika-Virus, dem Chikungunya-Virus und dem Dengue-Virus. „Die Gefahren bei uns sind jedoch noch sehr gering“, betont der promovierte Wissenschafter.
Dies gelte auch für die ebenfalls nach Deutschland eingeschleppte und 2008 erstmals in Baden-Württembergs gesichtete Japanische Buschmücke. Wie die Kabs auf ihrer Internetseite festhält, lassen die Populationsdichten bereits heute darauf schließen, dass diese zu einer der häufigsten Stechmückenarten in Deutschland werden könnte.  Laut Auskunft des Projektleiters Daniel Hoffmann ist sie in der Region fast schon flächendeckend verbreitet. 2019 will der Diplombiologe die Ergebnisse seine dreijährigen Forschungsprojektes zur Japanischen Buschmücke veröffentlichen. In Wiesbaden wurde laut Auskunft des Experten der Kabs auch eine aus Korea stammende Buschmückenart gesichtet.