Umdisponieren müssen derzeit Tankstellenbetreiber bei der Bestellung der Kraftstoffe auch in Achern. Da wegen niedriger Flusspegel Frachtschiffe geringere Mengen liefern, steigen auch an den Acherner Zapfsäulen die Preise. | Foto: Roland Spether

Tankstellen im Raum Achern

Steigende Spritpreise wegen Trockenheit

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Fallende Flusspegel, steigende Spritpreise: Das anhaltende Niedrigwasser des Rheins wirkt sich auf die Lieferkette für die Tankstellen aus – auch in der nördlichen Ortenau. Von einer „Versorgungsnot“ könne jedoch keine Rede sein, betont Herbert Rabl, Sprecher des Tankstellen-Interessenverbands (TIV) auf Anfrage des ABB und bnn.de. Eine stichprobenartige Umfrage bei Tankstellen im Raum Achern bestätigt das Szenario.

„Keine Versorgungsengpässe“, heißt es allenthalben bei zugleich steigenden Preisen. Der Grund: Aufgrund des Niedrigwassers liefern Frachtschiffe seit zweieinhalb Wochen erheblich weniger Öl von Rotterdam zur Raffinerie nach Karlsruhe und dann weiter an die Zwischenläger entlang des Rheins. „Normalerweise kostet eine Tonne Fracht, die über den Rhein geliefert wird, zwischen 13 und 15 Euro. Mittlerweile sind wir bei 96 Euro pro Tonne“, verdeutlicht Christian Baßler, Geschäftsführer von Arthur Baum Mineralölhandel in Achern, das Ausmaß der Trockenheit auf die Lieferkette. So setzen Tankstellenbetreiber auf andere Routen. Die Kraftstoffe werden mit dem Lastwagen unter anderem von Hamburg geliefert. Die längere Anfahrt und der Transport über die Straße wirken sich entsprechend auf den Preis aus. „Wir schauen, dass wir rechtzeitig liefern und bestellen“, so Baßler. Sein Unternehmen betreibt eine Tankstelle und versorgt Privatkunden mit Heizöl sowie Baufirmen mit Dieselkraftstoff. Baßler rät, nicht erst nach dem allerletzten Liter Heizöl zu bestellen. „Lieber dazwischen mal wieder tanken.“ Denn spontane Bestellungen seien derzeit „kritisch“.
Das bestätigt Rabel: Aufgrund des Niedrigwassers können große Tankschiffe mittlerweile nur noch 20 Prozent der eigentlichen Kraftstoffmenge an die Läger liefern. „Deshalb müssen die Zwischenläger besser bewirtschaftet werden“, erklärt der TIV-Sprecher. Normalerweise folgt die Belieferung nach einem gewissen Rhythmus.

Neue Lieferpläne verteuern Spritpreise

Nun müssen die Lieferanten auf Schiene und Straße umdisponieren. Wenn an den Zapfsäulen die Erdtanks leer sind, bestellt der Tankstellenbetreiber nach. In der nördlichen Ortenau sei dies dank der günstigen Lage an den Hauptverkehrsrouten kein Problem. Weiter im Landesinneren, zum Beispiel auf der Schwäbischen Alb, indes schon. „Die Autofahrer müssen sich dennoch keine Sorgen machen, dass sie keinen Sprit bekommen“, stellt Rabl klar. Die Mineralölwirtschaft reagiere darauf, indem sie neue Lieferpläne ausarbeitet und wälzen den Mehraufwand als Konsequenz auf den Benzinpreis. Zudem habe das Bundeswirtschaftsministerium bereits Reserveläger geöffnet. Solange der Rheinpegel nicht steigt, sei keine Entspannung in Sicht. In den kommenden Wochen sei bei den Benzinpreisen gar ein Überschreiten der Zwei-Euro-Marke möglich, prognostiziert der TIV-Sprecher.

Ausfälle an Zapfsäulen „stundenweise“ möglich

Angespannt ist die Situation im Total-Tanklager im Kehler Hafen. Da dieses Lager nur über Schiffe von der Karlsruher Raffinerie versorgt wird, kommt es nach Informationen von ABB und bnn.de zu erheblichen Wartezeiten. Total-Sprecherin Annika Schön erklärt auf Anfrage, dass es an Tankstellen in West- und Süddeutschland bereits „vereinzelt vorübergehende Lieferengpässe“ gegeben habe. „Stundenweise Ausfälle können an einzelnen Tankstellen vorkommen“, weiß Schön und ergänzt: „Über andere Verkehrswege folgt eine logistische Umorganisation.“ Dabei könne es je nach Region zu längeren Lieferzeiten kommen.
Das Niedrigwasser hat auch Auswirkungen auf das Tanklager Honau der Firma Oil Tanking. Dort werden Diesel, Heizöl und Flugzeugkerosin gelagert. Für letzteren Kraftstoff ist das Honauer Lager an ein zentraleuropäisches Pipelinenetz angebunden und dient für das Flugbenzin als 90-Tage-Notfallversorgung der Bundesregierung. Auch dort liefern die Schiffe aufgrund des niedrigen Rheinpegels derzeit weniger Fracht an als normalerweise. Genaue Daten will ein Mitarbeiter vor Ort auf Anfrage nicht nennen.