Schwierig und gefährlich wird die Aufarbeitung der Waldschäden. Oft stehen die Bäume unter Spannung. | Foto: Seeger

Schäden im Ortenaukreis

Das Sturmtief Sabine traf auf einen vorgeschädigten Wald

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Glück gehabt. Mit rund 25.000 Kubikmeter Sturmholz hat das Sturmtief Sabine in den Wäldern des Ortenaukreises weit weniger Schaden angerichtet als zunächst befürchtet. Doch die teilweise orkanartigen Böen trafen auf einen bereits heftig gebeutelten Wald.

Der Borkenkäfer, die zurückliegenden Trockenjahre und der Schneebruch des vergangenen Winters hat den Bäumen bereits heftig zugesetzt. Das hat finanzielle Folgen für die Waldbauern. Privatwaldbesitzer könnten durchaus mehrere hundert Festmeter Schadholz haben.

„Richtig schmerzhaft“

Probleme habe es vor allem in jenen Bereichen gegeben, in denen bereits Vorschäden beispielsweise durch Käfer vorhanden waren. Und so fällt die Bilanz des Amtes für Waldwirtschaft erst einmal durchwachsen aus. Zwar sei der direkte Schaden für die Bestände überschaubar, „doch für den einzelnen Waldbesitzer kann es richtig schmerzhaft sein“, sagt Amtsleiter Hans-Georg Pfüller.

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Domino-Effekt befürchtet

Zudem: Der Sturm hinterlässt weitere Lücken im Wald, ideale Angriffspunkte für künftige Schadereignisse. „Das kann einen Domino-Effekt über Jahre hinweg geben“, warnt Pfüller, denn üblicherweise werde der Wald auch dadurch stabil, dass die Bäume sich gegenseitig stützen.

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Wolfach stark betroffen

Vor allem im Forstbezirk Wolfach habe Sabine teilweise erhebliche Schäden angerichtet. Um dem Borkenkäfer nicht noch mehr Angriffsfläche zu bieten, müsse das Schadholz jetzt aus dem Wald, sagt Pfüller. Das ist keine leichte Aufgabe. „Die Bäume liegen wie Mikadostäbe“. Nur das geschulte Auge erkenne die Spannung, die sich in den Stämmen aufgebaut hat: „Wer nicht weiß, wie er die Säge einsetzen muss, dem kann ganz schnell der Stamm samt Säge um die Ohren fliegen“, mahnt Pfüller, die heiklen Arbeiten jetzt den Profis zu überlassen. „Man kann nur warnen, mit wenig Erfahrung und halb professioneller Ausrüstung da ranzugehen“, sagt er.

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Borkenkäfer findet Nahrung

Und doch ist Eile geboten: „Wenn wir das Holz nicht zügig aus dem Wald herausbekommen, findet der Borkenkäfer in diesem Jahr einen gedeckten Tisch vor“. Dies um so mehr, als der Schädling im vergangenen Jahr praktisch ideale Bedingungen zur Vermehrung vorfand und in diesem Frühjahr in ungewöhnlicher großer Zahl in den Startlöchern sitzt.

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Markt ist angespannt

Ein Problem könnte die Vermarktung der Sturmhölzer sein – der Markt bei frischem und unbeschädigtem Holz habe sich zwar in letzter Zeit erholt, doch durch die erheblichen Mengen an so genanntem Käferholz seien die Preise für vorgeschädigte Ware weiter erheblich unter Druck.

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Kaum flächige Windwürfe

„Wir hatten zum Glück nur wenige flächige Windwürfe“, so die erste Einschätzung der Forstleute, die derzeit viele Stellen des Waldes noch nicht erreichen können, um eine abschließende Schadensbilanz vorzulegen. Der genaue Schadensumfang werde erst in den kommenden Tagen deutlich werden, sagt Pfüller.

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Gefahr im Wald

Unterdessen ist die Lage in den Wäldern noch immer prekär – so hat der Nationalpark am Dienstag dringend von einem Betreten abgeraten – die nötigen Aufräumarbeiten würden gerade erst beginnen.