Landgericht Baden-Baden Opfer Sasbacher Bluttat
Auf brutale Weise hat ein 50-Jähriger seine ehemalige Partnerin zu Tode gebracht - das sieht das Landgericht Baden-Baden als erwiesen an. | Foto: dpa

Prozess um Sasbacher Bluttat

Totschlag: Zwölf Jahre und drei Monate Haft für Angeklagten

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Von Dieter Klotz

Die Mordmerkmale sah das Baden-Badener Schwurgericht in der Sasbacher Bluttat als nicht erfüllt an: Wegen Totschlags und versuchter Nötigung soll der 50 Jahre alte Angeklagte für zwölf Jahre und drei Monate ins Gefängnis. Die Staatsanwaltschaft hatte eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes gefordert. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Gericht sieht keine Heimtücke in dem Fall

Die Kammer unter Vorsitz von Richter Wolfgang Fischer sah es als erwiesen an, dass der Mann im April vergangenen Jahres seine ehemalige Partnerin in Sasbach auf brutale Weise zu Tode brachte. Mit Klebeband und Kabelbindern ausgestattet war der Angeklagte in ihre Wohnung eingedrungen, um sie zu entführen und auf diesem Wege zu einer Versöhnung zu bewegen. In der Folge des Aufeinandertreffens kam es zu Handgreiflichkeiten, bei denen das Opfer zu Tode stranguliert wurde. Das Gericht sah in dem Fall weder Heimtücke noch eine Verdeckungsabsicht. Es bescheinigte dem Täter „narzisstische Züge“, er handele „emotional“, sei „empfindlich für Kränkungen“, „wütend“ und „instabil“. Sein Verhältnis zu der Ex-Freundin bezeichnete der Richter als „besitzergreifend“.

Oberstaatsanwalt fordert lebenslange Haft

Oberstaatsanwalt Michael Leber hatte in seinem Plädoyer eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes aus Heimtücke gefordert. Eine anschließende Sicherungsverwahrung aus Gründen einer besonderen Schwere der Schuld sei jedoch nicht zu rechtfertigen, nachdem ein Gutachter zuvor festgestellt hatte, dass nach Verbüßung einer Haftzeit kein Hang zur Begehung solcher Taten besteht.

Kampf mit Opfer dauerte mehrere Minuten

Aus Sicht der Staatsanwalts war es „widersinnig“, eine Person auf die vom Angeklagten gewählte Weise zur Rückkehr zu zwingen. Ein erster Versuch, der Frau mit Klebeband den Mund zu verschließen, sei misslungen. Mit Pfefferspray aus ihrer Tasche habe sie sich zunächst zu wehren versucht, ehe sich ein „sehr langer und heftiger, über Minuten hinweg andauernder“ Kampf entwickelte. Der Täter hätte die Folgen des Würgens erkennen müssen. Von „langer Hand“ sei alles geplant gewesen. Auch die Gewaltanwendung. Als die Frau im Treppenhaus auf dem Boden lag, habe er sich damit „abgefunden“ und fluchtartig das Haus verlassen.

Verteidiger betont Körperverletzung mit Todesfolge

In Plädoyer der Verteidigung hob Rechtsanwalt Martin Stirnweiss darauf ab, dass kein „klassisches Tötungdelikt“ vorliege. Für ihn stelle sich die Tat als eine Körperverletzung mit Todesfolge dar. Bei der Beurteilung der Persönlichkeit seines Mandanten sei der „Unterschied der Kulturen“ – auch durch die Erziehung des Vaters – mit einzubeziehen. Ein „Krimineller“ sei der Angeklagte nie gewesen. Mit Blick auf die Ausführungen des Staatsanwalts gelte es „zurecht zu rücken“, dass es keine lange Planung der Tat gegeben habe. Ein Tötungsvorsatz aus Heimtücke habe nicht bestanden.

Angeklagter: „Wollte Frau nicht töten“

Rasch habe sein Mandant erkannt, dass das Opfer die Aussprache „nicht wollte“. Durch das Gas in den Augen sei die Steuerungsfähigkeit seines Mandanten „beeinträchtigt und eingeschränkt“ gewesen. Er wollte ihr den Mund zudrücken, dass sie „ruhig“ ist und mit den Schreien aufhört. Keinesfalls habe er angenommen, dass sie dadurch sterben könne. Bei der Flucht aus dem Haus habe er aus der noch vorhandenen „Schnappatmung“ geschlossen, dass sie noch lebt. In seinem letzten Wort betonte der Angeklagte, er habe die ehemalige Partnerin nicht töten wollen.