Allein auf dem Wirtschaftsweg ist dieser Traktor unterwegs. Doch die Realität sieht oftmals anders aus, und landwirtschaftliche Maschinen halten beispielsweise auf der Landesstraße 87 zwischen Achern und Rheinau den übrigen Verkehr auf. | Foto: Frank Leonhardt

Stetes Ärgernis in Achern

Traktoren auf Straßen: Verkehrsbehinderung ist nicht immer vermeidbar

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Es ist nicht so ungewöhnlich im Sommer, und trotzdem sorgt es bei einigen Autofahrern für erhöhten Blutdruck und das ein oder andere Fluchen: Landmaschinen, die auf einer der großen Straßen fahren, statt auf parallel verlaufenden Wirtschaftswegen.

Lange Schlangen in der Rushhour

Thomas Huschle kennt solche Szenen. Er ist Kreisverbandsvorsitzender Rastatt, Bühl, Achern des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbands (BLHV) und selbst als Landwirt im Rheinauer Maiwald tätig. Auf der L87 von Achern nach Rheinau bildeten sich gerade bei der Körnermaisernte während der Rushhour schon extrem lange Schlangen, weiß er.

In der Ernte zählt jede Minute.

Es sei aber auch schwierig, den Stoßzeiten auszuweichen: „In der Ernte zählt jede Minute.“

Gleiche Regeln für landwirtschaftliche Maschinen

Klar ist aber, wie Harald Dieterle vom Führungs- und Einsatzstab, Sachbereich Verkehr, im Polizeipräsidium Offenburg erklärt: „Es gibt keine besonderen Regeln für Traktoren und landwirtschaftliche Maschinen.“ Dies bedeutet auch: „Sie sind nicht verpflichtet, auf parallel verlaufenden Feldwegen zu fahren“, wie Dieterle weiter erläutert. Die einzige Ausnahme seien Kraftfahrstraßen, die durch ein quadratisches blaues Schild mit der weißen Abbildung der Front eines Autos gekennzeichnet werden. Schließlich müssen Fahrzeuge hier mindestens 60 Kilometer pro Stunde fahren können.

Landwirt Huschle wirbt um Verständnis

Huschle wirbt um Verständnis für die Landwirte, die mit ihren Maschinen auf den Straßen unterwegs sind. Er sagt zu der Frage, auf welchem Weg die Traktoren fahren sollen, sofort: „Das ist ein großes Thema – egal, welchen Weg wir benutzen.“ Dabei setze allerdings oft schon die Größe des landwirtschaftlichen Zugs die Bedingungen. „Das geht in Richtung Lkw-Größe“, erklärt er. Schließlich bewege sich eine Maschine mit zwei Anhängern schnell in einer Gewichtsklasse von etwa 40 Tonnen. Da passten die Wege dann oftmals nicht zur Anforderung.

Zeit und Verschleiß sind entscheidend

Außerdem betont er: „Wenn Gespanne unterwegs sind, ist es meistens eine Überlandfahrt.“ Hier spielten dann die Faktoren Zeit und Verschleiß zusammen. So sei beispielsweise der Weg vom Maiwald nach Norden an der ehemaligen B36 „sehr alt, verfahren, kurvig“ und habe „problematische Kreuzungsbereiche“. Eine gut ausgebaute Straße sei schlicht weniger risikoreich, und die Landwirte müssten auch wirtschaftlich denken, was die benötigte Zeit angeht.

Radfahrer und Fußgänger nutzen Wirtschaftswege

Dazu kommt noch ein weiterer Faktor, den auch Dieterle hervorhebt, wenn er sagt: „Die parallel verlaufenden Begleitwege werden ja im Regelfall von Radfahrern und Fußgängern bevorzugt benutzt.“ „Einen verärgert man“, ist hier Huschles Schlussfolgerung – entweder den Radfahrer, für den es, wenn ein Traktor kommt, eng wird, oder den Autofahrer.

Landwirte müssen Straße reinigen

Auch in einer anderen Frage herrscht Einigkeit zwischen dem Polizist und dem Landwirt: In keinem Fall dürfen Traktoren größere Mengen Dreck auf die Straßen schleppen. Dieterle betont, Landwirte müssten, beispielsweise durch das Reinigen der Reifen vor dem Einfahren auf die Fahrbahn, verhindern, dass diese verdreckt wird. Zumindest aber muss die Straße sofort gereinigt werden. Ansonsten dürften zuständige Stellen auch „die verkehrswidrigen Zustände auf Kosten des Verantwortlichen beseitigen.“

Manchmal ist Schmutz nicht zu vermeiden

Allerdings gibt es, wie Huschle zugibt, manchmal Erntesituationen, in denen es schon vorkomme, dass die Straße verdreckt werde. Aber dann müsste die Stelle eben entsprechend gesichert werden – und zur Reinigung reichten notfalls auch Handbesen und Aluschaufel.