Auf Titelkurs sind nach wie vor die Offenburger Zweitliga-Volleyballerinnen, hier Hannah Haas, Richarda Zorn und Ahsley Owens (von rechts) gegen Ansbach. | Foto: Daniel Hengst

VC Offenburg

Traum und Trauma Aufstieg

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Traum und Trauma Aufstieg. Sportlich gesehen könnte es beim Volleyball-Zweitligisten VC Offenburg nicht besser laufen. Die Mädels um Trainer Florian Völker haben alle zwölf der bislang zwölf Saisonspiele gewonnen. „Wir wollen Meister werden“, sagt denn auch Clubpräsident Fritz Scheuer. Doch ins deutsche Volleyball-Oberhaus aufsteigen will beziehungsweise kann der VCO derzeit nicht.

Vom Erstliga-Etat weit entfernt!

Dem Verein fehlt das Geld für einen Erstliga-Etat. Der liege bei mindestens 600.000 Euro, „davon sind wir weit entfernt“, so Scheuer. Finanzielle Abenteuer scheiden für den VCO von vorneherein aus, „wir machen keinen Blödsinn.“

Reiner Volleyballclub

Die Strukturen eines Erstligaclubs sind ebenfalls (noch) nicht vorhanden, denn beim VCO läuft die Arbeit auf ehrenamtlicher Basis, und nicht zuletzt handle es sich um einen reinen Volleyballclub mit gerade mal 400 Mitgliedern.

Bisons haben Großverein im Rücken

Zum Vergleich: Die Bühler Bundesligavolleyballer (Bisons) können sich auf die Infrastruktur eines Großvereins mit mehr als 2 000 Mitgliedern stützen, haben einen Etat von 1,1 Millionen Euro und einen ganzen Stab hauptamtlicher Kräfte.

Schritt zurück nach vorn?

Und vielleicht macht die erste Frauenmannschaft der Offenburger sogar „einen Schritt zurück nach vorn“ (Scheuer) und spielt 2019/20 – trotz Titels – gar in der Dritten Liga Süd. Diese Entscheidung sei allerdings noch völlig offen, Mitte Januar wollen die Verantwortlichen die Marschrichtung festlegen. Eine zentrale Frage dabei: Wie positionieren sich die aktuellen Spielerinnen?

Wir haben eine sehr guten Trainer

Dass die Offenburger Mädels derzeit die Zweite Bundesliga so stark dominieren verschiedene Gründe. „Wir haben mit Florian Völker einen sehr guten Trainer“, so der Clubchef. Er charakterisiert den Übungsleiter als „akribischen Arbeiter“ und bescheinigt ihm ein ausgezeichnetes Gespür für Taktik. Dazu kommt ein stark besetztes Team, zum Beispiel mit exzellenten Angreiferinnen wie Pia Leweling und Nele Iwohn, mit den Liberas Viviane Hones und Franziska Fried – beide „eine Klasse für sich“, wie es Scheuer ausdrückt.

Erfolgstrainer Florian Völker mit Zuspielerin Katrin Hahn. | Foto: Daniel Hengst

Auch auf der Zuspiel-Position hat der VCO mit Richarda Zorn und der Bühlerin Katrin Hahn sehr fähige Kräfte, dazu kommen talentierte Nachwuchsspielerinnen wie Leonie Amann und Anna Schupritt, die „sehr gut integriert“ seien.

Gerüst des Teams spielt im zweiten Jahr zusammen

„Wir haben eine relativ stabile Annahme, wir schlagen gut auf, das eröffnet Möglichkeiten“, so Scheuer. Einen großen Vorteil sieht er darin, dass das „Gerüst“ der Mannschaft nunmehr im zweiten Jahr zusammenspielt. Angesichts dieser Qualitäten hatte der Aufsteiger Ansbach, wie berichtet, nicht einmal Außenseiterchancen.

Klarer Sieg gegen Aufsteiger Ansbach weckt Erinnerungen

3:0 entschied der VCO das Kräftemessen für sich, die Satzergebnisse von 25:14, 25:12 und 25:14 dokumentieren die Überlegenheit klar. Präsident Scheuer erinnert sich da an den Zweitliga-Start der Offenburger vor zehn Jahren: „Da haben auch gegen den Abstieg gespielt.“

Idealismus und Famlienanschluss

Bei allen derzeitigen Erfolgen des VCO, Geld verdienen können die Spielerinnen hier nicht. Der Verein kümmert sich um die Unterbringung seiner Volleyballerinnen, bezahlt anfallende Fahrtkosten und bietet zudem Familienanschluss für Spielerinnen aus Übersee, die an Weihnachten nicht nach Hause können.

VC Offenburg II ist Tabellenführer in der Regionalliga

Betrachtet man die sportlichen Erfolge der ersten Frauenmannschaft, so muss man den Blick auf den VCO II lenken. Die Reserve des Zweitligateams ist ebenfalls souveräner Ligaprimus und führt mit 23 Punkten (24:5 Sätze) die Regionalliga Südwest an – vor dem MTV Ludwigsburg (20/22:12) und dem VfB Ulm (19/23:14). Da kommt nun die Frage nach dem Gedankenspiel Dritte Liga.

Mehrere Optionen

Sollte diese Option gezogen werden, kann das Regionalligateam natürlich nicht aufsteigen. Aber da bei dieser Variante einige Spielerinnen der Ersten vermutlich zu anderen Clubs wechseln, so Scheuer, könnten Regionalliga-Akteurinnen nachrücken. Bleibt der VCO indes in Liga zwei, habe man mit einer Reserve in der dritten Liga einen sehr guten Unterbau.

Auch Lohhof zog den Kürzeren

Zwölf Spiele umfasst die Rückrunde für den VCO. Eines davon, das gegen den Fünften SV Lohhof, hat das Team von Coach Völker bereits absolviert und mit 3:1 (14:25, 25:22, 25:16, 25:16) gewonnen. Ab dem zweiten Satz kamen die Offenburgerinnen ins Spiel, und von da an hatten die Einheimischen erst wenig und dann nichts mehr zu bestellen. In Lohhof ist man dennoch stolz, dem überragenden Ligaprimus einen Satz abgenommen zu haben.

Heimspiel gegen Waldgirmes

Nun hat der VC Offenburg wieder ein Heimspiel auf dem Plan, an diesem Samstag (19.30 Uhr) macht der Tabellenzehnte Waldgirmes dem Topteam die Aufwartung. Damit ist die Favoritenrolle eigentlich klar. Die Bilanz der Völker-Equipe ist beeindruckend: Alle bislang 13 Spiele wurden gewonnen, 38 Punkte gesammelt und das Satzverhältnis beträgt 39:6. Der aktuelle Zweite VC Neuwied 77 hat von 14 Begegnungen zehn zu seinen Gunsten entschieden, 31 Zähler geholt und sein Satzverhältnis von 35:18.

Auch die Nord-Liga hat ihren Dominator

Interessanterweise lässt sich auch in der Zweiten Frauen-Bundesliga Nord so ein dominierender Ligaprimus ausmachen. Hier heißt er Skurios Volleys Borken. Bislang 14 Spiele haben die Borkener absolviert, natürlich alle gewonnen und 41 Punkte gesammelt (42:7). Die zweitplatzierten Kölner fuhren in bislang 13 Spielen elf Siege ein (30/34:18).

Primärziel ist die Meisterschaft

Vielleicht also dann doch irgendwann mal Erste Liga? Fritz Scheuer möchte vorschnell keine Türen zuschlagen, verweist aber – neben den Finanzen – auf den wichtigen Faktor Fans. Deren Gunst könne ein Team schnell verlieren, wenn der Erfolg ausbleibe. So laute das Primärziel der Runde erst einmal Meisterschaft – und da dürften die treuen Schlachtenbummler der Offenburger Volleyballerinnen wohl nicht Nein sagen.