Der Hochbehälter Rappenberg in Bühl- Kappelwindeck ist ein wichtiger Baustein in der Trinkwasserversorgung der Region. | Foto: Bernhard Margull

Derzeit keine Probleme

Trinkwasser fließt im Raum Bühl auch in Wüstensommern ausreichend aus dem Hahn

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Sechs Wochen Trockenheit in der Region, dann ein paar Tage Regen – und das nächste Hoch naht bereits. Erinnerungen an den Wüstenklima-Sommer 2019 werden wach. Tröpfelt es in Bühl und Umgebung bald nur noch aus dem Hahn, weil das Trinkwasser knapp wird?

Rüdiger Höche kann diese Sorgen zerstreuen. „Derzeit gibt es keine Probleme“, so der Geschäftsführer der Stadtwerke Bühl, die im vergangenen Jahr 1,7 Millionen Kubikmeter Trinkwasser an ihre Kunden lieferten. Die Regenfälle im Herbst und im Winter hätten dafür gesorgt, dass die Wasserspeicher gut gefüllt seien.

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Trinkwasser-Versorgung der Region Bühl ruht auf zwei Fundamenten

Lange Trockenperioden wirken sich laut Höche auf die Quellschüttung aus. Doch die Trinkwasser-Versorgung im Zweckverband Bühl und Umgebung hat zwei Fundamente. Ein Dutzend Quellen im Gebirge und die beiden Tiefbrunnen im der Rheinebene.

Reduziere sich die Quellschüttung, „kann das mit einer Einspeisung von Grundwasser aus den beiden Pumpwerken in Balzhofen und im Gewann Landmatt zwischen Schwimmbad und Ottersweierer Sportplatz ausgeglichen werden“.

Die vergangenen beiden Jahre waren schon extrem.

Das lang anhaltende Wüstenklima des vergangenen Jahres hatte deutliche Auswirkungen auf die Quellen: Sprudeln bei normaler Witterung um die 800.000 Kubikmeter vom kühlen Nass in die Wasserhäuschen, so lag die Menge im Jahr 2019 gerade einmal bei der Hälfte. Auch 2018 war es laut Höche nicht besser: „Die beiden vergangenen Jahre waren schon extrem“.

Mehrere Partner profitieren von den Grundwasser-Pumpwerken

Von den Grundwasser-Pumpwerken in der Ebene profitiert eine ganze Reihe an Partner im Zweckverband: Ottersweier, Bühlertal und Rheinmünster sowie die Stadt Lichtenau. Für Rheinmünster und Lichtenau kamen dabei rund 650.000 Kubikmeter aus den Tiefbrunnen.

Um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten investiert der Zweckverband viel Geld in seine Anlagen. Höche spricht von „Daseinsvorsorge“, da gehöre das Trinkwasser ebenso zum Aufgabenspektrum der Stadtwerke wie die Abwasserentsorgung oder der Strom.

Wetterfrösche vermelden dritt-trockendsten April seit 1881

Der Deutsche Wetterdienst vermeldet in seinem Bericht den dritt-trockendsten April seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881. Mit knapp 17 Liter pro Quadratmeter seien kaum ein Drittel des Solls von 58 Liter/Quadratmeter erreicht worden. Trockener war der April nur 1893 mit 3,7 und 2007 mit vier Litern pro Quadratmeter gewesen.

An zahlreichen Stationen vor allem im Süden und der Mitte Deutschlands sei vom 1. bis zum 27. kein messbarer Niederschlag zu verzeichnen gewesen, berichten die Wetterfrösche aus Offenbach.

Sprudelt ergiebig: Das Trinkwasser in der Region. | Foto: dpa

Baden-Württemberg habe zu den wärmeren Regionen gehört und mit aufgerundet 20 Litern pro Quadratmeter (normaler Schnitt 78) zu den vergleichsweise niederschlagsreichen. Gut 300 Stunden (151) strahlte die Sonne, ein Wert der ebenfalls über dem Schnitt liege.

Laut Umweltamt des Landratsamts Rastatt führt der trockene Sommer 2019 zu fallenden Grundwasserständen und Quellschüttungen. Die starken Niederschläge im Oktober hätten aber eine zu leichte Erholung gebracht. Der Bodenwasserspeicher wurde aufgefüllt, die Grundwasservorräte hätten sich stabilisiert.

Ergiebige Niederschläge im Februar frischten die Bestände kräftig auf

„Zu einer effektiven Grundwasserneubildung und damit einem Anstieg der Grundwasserstände und Quellschüttungen kam es erst nach den ergiebigen Niederschlägen im Februar 2020“, teilt die Kreisbehörde mit. So hätten sich die Grundwasserstände im Vergleich zum Vorjahr deutlich erhöht und bewegen sich Ende März 2020 trotz unterdurchschnittlicher Niederschläge auf insgesamt mittlerem, stabilem Niveau.

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Unter dem Oberrhein schlummert ein riesiger Grundwasserspeicher

Dabei darf die Region am Oberrhein in Sachen Grundwasser sich durchaus als begünstigt sehen: „Wir sitzen hier auf einem der größten Grundwasserspeicher Europas“, konstatiert Stadtwerke-Geschäftsführer Höche. Das unterstreicht Wolfgang Hennegriff.

„Außerdem arbeiten die Wasserversorger an Verbundlösungen vor Ort, um den Auswirkungen des Klimawandels entgegen zu wirken, sodass es auch im Schwarzwald voraussichtlich zu keiner Trinkwasserknappheit kommen wird“, erklärt der Leiter des Kreis-Umweltamts.

Positive Tendenzen auch in Baden-Württemberg

Auf das Land Baden-Württemberg bezogen zeigt sich die Entwicklung bei Grundwasserständen und Quellen aktuell überwiegend positive Tendenzen. Bedingt durch die Niederschläge im Februar sei ein Anstieg bei 80 Prozent der Grundwasserpegel und Quellschüttungen zu verzeichnen.

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Pegel bei Karlsruhe kletterte um rund einen Meter

Das baden-württembergische Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft listet alle wesentlichen Daten auf seinen Internetseiten. Im Vorjahresvergleich gibt es für 2020 ebenfalls ein Plus. Im Oberrheingraben bei Karlsruhe seien es beim Grundwasser sogar 1,06 Meter mehr.