Die Bergsteiger Ralf Dujmovits und Nancy Hansen haben nach fünf Wochen die Höhenluftkammer des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Köln wieder verlassen und wurden vom DLR-Team gefeiert. | Foto: DLR/Felix Oprean

Bergsteiger im DLR-Labor

Und plötzlich meldet sich „Astro-Alex“

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Endlich wieder frische Luft! Am Dienstag um 15 Uhr öffneten sich für Ralf Dujmovits und Nancy Hansen die Türen der Hypoxiekammer im Forschungslabor „envihab“ des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln. Fünf Wochen hatten der Bühler Bergsteiger und seine kanadische Partnerin dort in reduzierter Sauerstoff-Atmosphäre verbracht.
Wie berichtet, geht das DLR-Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin in Kooperation mit der Universität Texas in dieser Studie der Frage nach, ob sich die Herzfunktion des Menschen in einer sauerstoffreduzierten Umgebung langfristig verbessert. Die letzten zwei Wochen verbrachten die beiden Bergsteiger durchgängig tagsüber auf einer simulierten Höhe von 6 718 Metern, nachts schliefen sie auf 6 490 Metern.

Nach fünf Wochen wieder an der frischen Luft

Nun wurde innerhalb von zwei Tagen der Sauerstoffgehalt von nur acht Prozent langsam wieder auf 21 Prozent hochgefahren, sodass die Probanden ihr Habitat wieder verlassen konnten. „Es war hart zwischendurch, wir haben aber die ganze Zeit Spaß gehabt“, sagt Dujmovits. Der Auftenhalt zehrte an den Kräften der Profi-Bergsteiger. Herz und Kreislauf waren stark belastet, was Dujmovits auf der Heimreise zu spüren bekam, als im Kölner Hauptbahnhof für kurze Zeit sein Kreislauf absackte.
Vor allem Dujmovits hat im Labor unter Müdigkeit gelitten. Zwar tat er sich mit der Akklimatisation zunächst leichter als seine Partnerin, „mir hat aber der Langzeit-Effekt viel mehr zugesetzt“, berichtet er. Aber die meiste Zeit sei es ihnen gut gegangen: „Ich hätte nie gedacht, dass das alles so relativ entspannt geht auf 7000 Höhenmetern.“

Training unter extremen Bedingungen: Nur 8,5 Prozent betrug der Sauerstoffanteil der Luft in der Hypoxiekammer. | Foto: Dujmovits

Während der Körper unter diesen extremen Verhältnissen abbaut, brachten die täglichen Kognitionstest nicht erwartete Ergebnisse zutage: Die Hirnleistung der Probanden blieb während der ganzen Zeit gleich. „Das hat uns alle überrascht“, so Nancy Hansen.
Eines hat sich laut Dujmovits herausgestellt: „Unsere Herzen haben sich der schwierigen Situation angepasst.“ Ob tatsächlich ein Gewebezuwachs nachzuweisen ist, dass soll die jetzt beginnende Auswertung der medizinischen Messwerte aufzeigen. „Mit der Studie ist es gelungen, erstmals Daten von Menschen in dieser Extremsituation über einen solch langen Zeitraum zu sammeln“, so Projektleiter Professor Jens Tank.

Überraschender Anruf aus der Raumstation ISS

Dieser hatte übrigens für die Bergsteiger eine besondere Überraschung eingefädelt: „Hier Alex“, meldete sich eine Stimme am Telefon. Es war Alexander Gerst („Astro Alex“) von der Internationalen Raumstation ISS, der die beiden zu ihrer Studie und ihrem Befinden befragte und auch bereitwillig Auskunft zu seiner Mission gab. Spontaner Kommentar von Dujmovits, der gerade auf dem Laufband unterwegs war: „Holy Cow“.  Beeindruckt ist der Bühler Bergsteiger von Leistung des deutschen Geophysikers und Astronauten, der in der Raumstation täglich zwölf Stunden mit Experimenten beschäftigt ist – „Hut ab!“ Zum Vergleich: Dujmovits und Hansen mussten in der Kölner Hypoxiekammer für medizinische Untersuchungen bis sechs Stunden pro Tag einplanen.

Das Gipfelkreuz erreicht: Ralf Dujmovits und Nancy Hansen. | Foto: DLR/Felix Oprean

Wir sind zu einem tollen Team zusammengewachsen

Dujmovits hat drei Kilogramm abgenommen, Hansen zwei. Das ist weniger als erwartet. „Wir hatten auch ein Mega-Essen“, lobt der Bergsteiger die Betreuung durch das DRL. Überhaupt: „Wir sind zu einem tollen Team zusammengewachsen.“ Und der Kontakt wird nicht abreißen: Denn zum einen stehen Nachuntersuchungen an, zum anderen wollen die Bergsteiger das DLR-Team auf dessen Betriebsausflug zum Fünftausender Kaspek in Georgien begleiten.
Nach einer kleinen Feier am Dienstagabend im heimischen Garten, vorbereitet von Freunden, ging es am folgenden Morgen zur Outdoor-Messe nach Friedrichshafen. In den nächsten Wochen wollen beiden ihre „ziemlich eingebüßte Skelettmuskulatur“ wieder aufbauen und planen Klettertouren in den Alpen, so an der Südseite des Mount Blanc und Eiger – jedenfalls „in der Sonne“. Dann soll es Anfang August nach Kanada gehen. Von einer zunächst ins Auge gefassten Expedition in Pakistan haben sie schon vor ihrem Aufenthalt im Forschungslabor Abstand genommen. Dujmovits: „Wir wollen auch mal wieder unsere Freunde sehen.“