Wie geht es weiter mit den einstigen Wagner-Kliniken? Bis zu 15 Millionen Euro wollen Investoren in eine neue Anlage investieren, die ein Hotel mit 100 Betten und Ferienwohnungen umfasst. Doch bislang folgten den Plänen keine Taten. | Foto: sp

Großprojekt in Sasbachwalden

Unklarheit über ehemalige Wagner-Kliniken

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Eine Hängepartie mit ungewissem Ausgang: Auf dem Areal der ehemaligen Wagner-Kliniken soll eigentlich eine Hotel- und Wohnanlage entstehen. Doch seit mehr als zwei Jahren tut sich nichts. Wann der Umbau beginnt, bleibt weiterhin völlig offen. Wie Sasbachwaldens Bürgermeisterin Sonja Schuchter auf Anfrage des Acher- und Bühler Boten erklärt, seien die Investoren weiterhin dabei, Details und Kosten zu eruieren. Ob der Bäderbetreiber Monte Mare mit ins Boot genommen wird für eine Wellness- oder Badeanlage, sei nicht bekannt. Monte Mare sowie die Investoren hätten weiterhin „ein starkes Interesse an einem Engagement in den ehemaligen Wagner-Kliniken“, betont die Rathauschefin.

Die Bäderbetriebsgesellschaft aus dem rheinland-pfälzischen Rengsdorf besitzt bundesweit zwölf Badelandschaften. In Sasbachwalden könnte der erste Schwarzwald-Standort für Monte Mare entstehen. Doch für die Investoren wäre ein 20- bis 25-jähriger Pachtvertrag mit dem Bäderbetrieb womöglich nicht lukrativ genug, wie der ABB und bnn.de erfuhren. Monte Mare werde nur ins Boot geholt, wenn sich ein Bade- und Wellnessbetrieb tatsächlich rechnet. Rentabel sei aus Sicht von Harry Rittersberger, Investor der BF Real Estate aus Baden-Baden, ein Hotel mit 100 Betten und eine Anlage mit Ferienwohnungen. Der Investor rechnet für das Projekt mit Gesamtkosten zwischen zehn und 15 Millionen Euro, sagte er zu einem früheren Zeitpunkt auf Anfrage dieser Zeitung. Wie Bürgermeisterin Sonja Schuchter ergänzt, müsste die Verwaltung hierfür den Bebauungsplan ändern. Eine Formsache, da der Gemeinderat offen für einen Hotel- und Ferienwohnungsbereich sei.

Abriss und Neuaufbau der Wagner-Kliniken?

Rittersberger wollte sich bei seinem letzten Kontakt mit dem ABB auf keinen konkreten Zeitpunkt festlegen, wann die Neugestaltung der Wagner-Kliniken folgt. Nur so viel: „Die Pläne werden derzeit noch ausgearbeitet.“ Von einem Teilabriss und Neubau der Gebäude sei die Rede. Auch will Rittersberger das Bel Air zu einem Hotel mit einer sogenannten Rooftop-Bar umbauen. Ergebnis: Planungsstand und Baubeginn sind ungewiss. Seit einem halben Jahr herrscht Funkstille, Rittersberger ist für die Presse nicht mehr zu erreichen. Die Sasbachwaldener Verwaltung ist mit einem Co-Investor der BF Residenz I in Kontakt, der Schuchter weiterhin verspricht, dass es irgendwann vorangehe.

Insolvenz abgewendet

Im vergangenen Spätjahr wurde bekannt, dass vor dem Amtsgericht Baden-Baden ein Insolvenzverfahren gegen die BF Real Estate abgeschlossen wurde. Gläubigerin war die AOK Mittlerer Oberrhein. Das Insolvenzgericht am Amtsgericht Baden-Baden hob die angeordneten Sicherungsmaßnahmen zum 30. Oktober 2018 auf, nachdem eine dem Antrag zugrunde liegende Forderung beglichen war. Von dem Insolvenzverfahren nicht betroffen ist die für den Kauf und Umgestaltung der Wagner-Kliniken von Rittersberger gegründete Kommanditgesellschaft BF Residenz I.

Widerspruch gegen Vorkaufsrecht

Letztere kaufte die Wagner-Kliniken am 19. Dezember 2016. Im Februar 2017 hatte die Gemeinde auf ihr Vorkaufsrecht gepocht. Der Grund: Der Käufer wollte auf dem Wagner-Areal nur Einrichtungen zur Altenpflege und betreutes Wohnen umsetzten. Dies habe nicht ihrer Vorstellung entsprochen, erklärte Schuchter. Dagegen legte der Käufer Widerspruch ein und legte mit Monte Mare als möglicher Pächter ein neues Konzept vor, das sowohl einen Wellness-Tempel sowie Appartements vorsieht. „Aufgrund der vorgelegten Bürgschaft über fünf Millionen Euro sowie der unterschriebenen Absichtserklärung zwischen Monte Mare und der BF Residenz I über den Abschluss eines längerfristigen Pachtvertrags, waren die Mindestvoraussetzungen für die Rücknahme des Vorkaufsrechts erfüllt“, erklärt Schuchter.

Derzeit drei Flüchtlinge untergebracht

Auf dem ehemaligen Klinikareal ist tatsächlich etwas Leben eingekehrt, jedoch anders als erhofft: Im Haus Baden sind derzeit drei Flüchtlinge untergebracht. Der Mietvertrag sei flexibel gestaltet, sodass die Flüchtlinge in privaten Mietwohnungen unterkommen, sobald die Investoren mit dem Umbau beginnen sollten. Sonja Schuchter ist weiterhin zuversichtlich, dass die Wagner-Kliniken aus ihrem Dornröschenschlaf erwachen. „Doch eine Garantie gibt es nicht.“