Ehemalige sowie aktuelle Mitarbeiter des Jugendtreffs Achern feiern sein 20-jähriges Bestehen in Anwesenheit von Oberbürgermeister Klaus Muttach.
Engagiert für den Jugendtreff: Martina Zegerra Conzales, Daniela Busam, Marion Dörr, Klaus Muttach, Hubert Schuhmacher, Sven Weber-Sieb, Jasmin Schneider, Raphael Heisch, Anton Tausch (kniend), Timo Graf und Gerd Rudolf. | Foto: Scheu

20 Jahre Jugendtreff Achern

„Uns geht es um das Wohlergehen der Jugendlichen“

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Offen, spontan und bedarfsorientiert – mit diesen drei Begriffen umschreibt Raphael Heisch, Leiter des Jugendtreffs Achern, den besonderen Charakter der Einrichtung. Trotz anfänglicher Turbulenzen und einer vorübergehenden Schließung im Jahr 1987, kann der Jugendtreff mittlerweile auf ein 20-jähriges Bestehen zurückblicken, das jetzt in Anwesenheit von Oberbürgermeister Klaus Muttach, den Mitwirkenden und Jugendlichen gefeiert wurde.

Jeder einzelne Mitarbeiter prägend

„In diesen 20 Jahren hat jeder einzelne Mitarbeiter seinen persönlichen Eindruck hinterlassen“, betonte Sozialarbeiter Hubert Schuhmacher in seiner Rede. Auf ihn geht die Gründung des Jugendtreffs im Jahr 1982 zurück, seine erste Mitarbeiterin war damals Martina Zegarra Conzales. „Du hast schon früh die Notwendigkeit von Mädchenarbeit erkannt“, bedankte er sich bei ihr, die wie weitere ehemalige Mitarbeiter zum Jubiläum in den Jugendtreff kam.

Keine Massenabfertigung

Seit 20 Jahren können Jugendliche hier Billardspielen, Kochen, sich in der Breakdance-Gruppe austoben – oder mit dem Hauptamtlichen vor Ort an ihrem Bewerbungsschreiben feilen.
„Die Jugendlichen haben bei uns auch das Recht nichts zu tun.“ Der Fokus liege auf dem Wohlergehen der Jugendlichen. „Mir ist wichtig, keine Massenabfertigung zu betreiben“, erklärt der Leiter des Jugendtreffs. „Wir wollen auf die Wünsche der einzelnen eingehen.“

Zahlreiche Anekdoten der vergangenen Jahre tauschen Hubert Schuhmacher und Raphael Heisch aus.
Zahlreiche Anekdoten der vergangenen Jahre tauschen Hubert Schuhmacher und Raphael Heisch aus. Foto: Scheu | Foto: Scheu

Fußballturniere bis 3 Uhr in der Nacht

Es sei entscheidend, eine Beziehung zu den Jugendlichen aufzubauen und sie in ihren Anliegen und Belangen ernst zu nehmen. „Von den Jugendlichen erwarten wir gleichermaßen ein respektvolles Verhalten“, ergänzt sein Kollege Schuhmacher. Unter dieser Prämisse sind auch außergewöhnliche Aktionen möglich. „In früheren Jahren haben wir noch Fußballturniere in der Nacht angeboten“, erinnert sich der Initiator des Jugendtreffs, „das war ein Highlight.“ Da die nebenstehende Sporthalle tagsüber belegt war, sei er mit den Jugendlichen auf eine spätere Stunde ausgewichen.

Türken und Kurden gemeinsam auf dem Platz

Die Turniere begannen ab 23 Uhr und gingen häufig bis 3 Uhr nachts. „Da herrschte eine richtige Festivalstimmung“, lässt Schuhmacher die Turniere noch einmal Revue passieren. Empörte Eltern? Fehlanzeige. „Die kamen zu Unterstützung, haben Salate vorbeigebracht und für uns gekocht.“ Anfängliche Querelen unter den Jugendlichen seien mit der Zeit beigelegt worden. „Da standen später Kurden und Türken auf dem Platz – in einer Mannschaft“, betont Schuhmacher.

Verschiedene Kulturen und soziale Schichten

Das Publikum des Jugendtreffs sei bis heute ein bunt gemischtes – verschiedene Kulturen und soziale Schichten kommen hier zusammen. „Die wildesten Fohlen werden oft die besten Pferde“ sagt Schuhmacher und lacht – bisweilen als „schwierig“ geltende Jugendliche habe er in der Einrichtung bereits aufblühen und ihr volles Potenzial entfalten sehen. „Da gäbe es viele Geschichten zu erzählen“, sagt er voller Stolz.
In den Wintermonaten kommen bis zu 25 Jugendliche täglich in die die Räume der ehemaligen Vereinsgaststätte des VFR Achern.

Der Alltag als wiederkehrender Glanzpunkt

„Bei sommerlichen Temperaturen wie heute, herrscht hingegen kein großer Betrieb“, erklärt Heisch. Um Missverständnissen vorzubeugen, erwähne er immer wieder, dass der Jugendtreff nicht mit einem Hort zu verwechseln sei. „Wir sind keine feste Betreuungseinrichtung – die Jugendlichen können hier kommen und gehen, wann sie möchten.“ Auf die Frage nach seinem Glanzpunkt der vergangenen Jahre antwortet er ohne überlegen zu müssen: „Der Alltag – immer wieder.“