Rekorde die nicht nur Begeisterung hervorrufen: die anhaltend niedrigen Zinsen treiben die Sparkasse Offenburg/Ortenau ebenso um wie die Folgen der Corona-Krise. | Foto: Sparkasse Offenburg

Zinsen bleiben im Keller

Verhaltene Freude bei der Sparkasse Offenburg über Rekordzahlen aus 2019

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Die Sparkasse Offenburg/Ortenau legt eine in mehrfacher Hinsicht rekordverdächtige Bilanz vor. Doch die Freude darüber ist ein wenig getrübt, denn dahinter stehen noch immer die anhaltend niedrigen Zinsen. Die trüben des Geschäft.

„Die Welt steht nicht still“. Vor vergleichsweise schütteren Reihen der Medienvertreter stellte Helmut Becker am Freitag die Jahresbilanz der Sparkasse Offenburg/Ortenau vor. Neben einem Wachstum von Einlagen, Krediten und in der Folge der Bilanzsumme beschäftigt sich auch die Sparkasse mit ihren mehr als 600 Mitarbeitern mit der Corona-Krise.

Im Fokus: Die regionale Wirtschaft, der durch den Stillstand des öffentlichen Lebens in praktisch der gesamten Region erhebliche Einbußen drohen. „Für uns ist wichtig, dass die Grundversorgung der Menschen in der Region weiter gewährleistet ist“, sagt Becker, also die Bereitstellung von ausreichend Bargeld sowie der elektronischen Zahlungsmittel.

Sparkasse schützt Mitarbeiter vor Corona-Virus

Dazu muss die Sparkasse weiter funktionieren. Wie die Sparkasse Hanauerland auch teilen die Offenburger wichtige Abteilungen auf, einige Mitarbeiter wechseln, zusammen mit Vorstandsmitglied Jürgen Riexinger, in die Hauptstelle nach Lahr. „Wir werden Abteilungen aufsplittern, um so das Risiko zu teilen“, so Becker.

Alle Informationen gibt es auf bnn.de/coronavirus

Zum Schutz der eigenen Mitarbeiter wird man auch im täglichen Geschäft auf Abstand bedacht sein: Beratung gibt es nur noch mit Anmeldung, der Mindestabstand zwischen den Gesprächspartnern müsse einen Meter betragen, es werde auch keinen Händedruck geben.

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Hilfe für Wirtschaft

Damit ist es freilich nicht getan – die Sparkasse wird die regionale Wirtschaft stützen, die bereits jetzt leide. Die Situation im Flugverkehr und der Gastronomie zeige, wie rasant sich diese Dinge entwickeln könnten – Ausgang offen: „Die nächsten Wochen werden zeigen, wie stark die Betroffenheit sein wird“.

Doch bereits jetzt würden es viele Unternehmen, insbesondere im Fremdenverkehr, heftig spüren, mit hohen Stornoquoten zum Beispiel: „Da geht es um das Thema Liquidität“.

Deren Sicherung werde in den nächsten Wochen und Monaten das wichtigste Thema sein. Doch die Sparkasse könne nur helfen, so Jürgen Riexinger ergänzend, „wenn ein Teil unseres Risikos durch entsprechende Bürgschaften von Land oder Bund aufgefangen wird“.

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Prognosen sind schwierig

Derzeit, so Becker am Freitagvormittag sei völlig unklar wie es weitergeht – „seriöse Prognosen lassen sich derzeit nur noch tageweise machen“. Deshalb könne man auch keine Aussage darüber machen, wie das Jahr 2020 für die Sparkasse Offenburg/Ortenau läuft.

3, 5 und 8 nennt Becker als Eckdaten der Sparkasse Offenburg/Ortenau für das Jahr 2019. Drei Milliarden Euro Kundenkreditvolumen markieren ebenso einen Rekord wie die mehr als fünf Milliarden Euro Vermögensanlagen und das betreute Kundenvolumen, das erstmals auf mehr als acht Milliarden Euro kletterte.

Ambivalente Bewertung

Doch während Bankchefs gewöhnlich Rekordzahlen in den Bilanzpressekonferenzen mit breitem Lächeln bekannt geben, reagiert man in Offenburg auf diese Entwicklung durchaus ambivalent. Denn die extreme Niedrigzinsphase treibt dem Institut immer neues Geld zu – und es wird zunehmend schwierig, diese Summen sinnvoll unterzubringen.

Inzwischen verlangt die Sparkasse Offenburg/Ortenau bereits von Neukunden bei Anlagebeträgen über 135.000 Euro „Verwahrzinsen“, und es könnte bald wohl auch die treuen Bestandskunden treffen.

„Der Zuwachs ist Fluch und Segen zugleich“, sagt der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Karl Bähr. Die rund 200.000 Kunden haben inzwischen fast 3,5 Milliarden Euro zu Nullzinsen angelegt – 2,1 Milliarden allein auf den Girokonten und als Tagesgelder. Was der Sparkasse besondere Sorgen bereitet: Eine Wende der Geldpolitik ist offenbar nicht zu erwarten.

Sicheres Indiz dafür: Die Negativzinsen für langfristige Anlagen (bis zu 30 Jahre) sind höher als die für kurzfristige. Das lässt aus Sicht der Sparkasse und der Geldanleger nichts Gutes erwarten. Bähr ruft dennoch zu Gelassenheit auf: „Es muss keine Panik bei den Privatkunden geben, wir werden mit allen reden und ihnen Alternativen aufzeigen.“

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Wertpapiere alternativlos

Wie die aussehen werden, ist klar: Das Wertpapiersparen sei alternativlos. Derzeit zahlen Firmenkunden ab einem Sockelbetrag von 500.000 Euro ein halbes Prozent Negativzinsen im Jahr. „Wir können nicht versprechen, dass diese Grenze hält“, so Bähr.

Für die Statistik: Die Bilanzsumme der Sparkasse Offenburg/Ortenau mit ihrem Sitz in Offenburg und Lahr stieg im vergangenen Geschäftsjahr auf 4,72 Millionen Euro, getrieben vor allem von einer „massiven Zunahme“ der Kundeneinlagen, so Vorstandschef Helmut Becker.

Immer mehr Sichteinlagen

Der Zuwachs in diesem Segment – immerhin 247 Millionen Euro – komme ausschließlich aus dem Bereich der Sichteinlagen. Dies liege daran, dass es bei der Verzinsung keine Unterschiede mehr gebe, sodass sich die Kunden regelmäßig für die flexiblere Anlageform entscheiden.

Die gesamten Vermögensanlagen stiegen um mehr als 13 Prozent auf 5,01 Milliarden Euro. Auch das Kreditgeschäft ist kräftig gewachsen, nicht nur getragen von den Privatkunden mit Baufinanzierungen, sondern auch von einer starken Zunahme bei den Unternehmenskunden.