Der Marktführer in Süddeutschland wurde verkauft: Die 120 Mitarbeiter der Bürkle-Gruppe in Sasbach gehören seit Beginn des Jahres zu einem chinesischen Konzern. | Foto: Roland Spether

Bürkle in Sasbach

Verkauf an chinesischen Konzern

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„Ich habe die Firma Bürkle an den chinesischen Mischkonzern Yongfeng verkauft“. Diese Aussage von Geschäftsführer Johannes Bürkle kam für die Mitarbeiter des Sasbacher Unternehmens offenbar nicht völlig überraschend, denn in den vergangen Monaten gab es manche „Gerüchte“ über einen möglichen Verkauf. Bei der „Winterfeier“ wurden diese zur Wahrheit, und Johannes Bürkle bat um Verständnis, dass er erst jetzt vor die Belegschaft trete und diese persönlich über die Entscheidung informiere.

„Viel Herzblut“ investiert

Die Firma gehöre seit dem 1. Januar 2019 zu einem chinesischen Konzern. Er habe sich die Entscheidung nicht einfach gemacht, zumal er und seine Familie „viel Herzblut“ in die Firma investiert hätten. Aber es sei nur noch eine Frage der Zeit gewesen, wann die Firma verkauft werde.

Kein Nachfolger in der Familie

„Ich werde 58 Jahre alt, und es gibt in meiner Familie keinen Nachfolger, der die Firma fortführen könnte“, so Bürkle, der seit 30 Jahren im Unternehmen ist. Es sei für ihn und seine Berater klar gewesen, dass es auf keinen Fall ein amerikanischer Konzern oder ein großer deutscher Hersteller sein werde. Denn es sei zu befürchten gewesen, dass diese nach einer gewissen Zeit ihr Geld wieder haben möchten – und dann bestehe die große Gefahr, dass die Firma dicht gemacht und die Mitarbeiter entlassen werden.

Begleitende Rolle in China

Unter vier Bietern fiel die Wahl auf den langjährigen Partner der Kehler Stahlwerke, der in China 9.000 Mitarbeiter beschäftige, einen Umsatz von 4,8 Milliarden Euro erziele und in den Bereichen Stahlerzeugung, Projektentwicklung, Handel und Logistik dort zu den 500 größten Unternehmen gehöre. „Ein gewichtiger Kaufgrund für den neuen Gesellschafter war und ist es, dass wir eine beratende und begleitende Rolle beim Bau von neuen Werken in China spielen werden“, sagte Johannes Bürkle. Hierbei gehe es um den Aufbau von zehn Werken mit einer Investition von über 200 Millionen Euro, und Bürkle werde als „Badener Innovationsführer“ mit seinem Know-how eine wichtige Rolle in der Beratung, Begleitung und Mitarbeiterschulung für die hochmodernen Werke spielen.

Standort Sasbach wird fortgeführt

Der neue Gesellschafter habe größtes eigenes Interesse und dies vertraglich zugesichert, dass der Standort Sasbach so fortgeführt werde, als wäre er noch in Familienbesitz. „Innovationskraft, Serviceorientierung, Nachhaltigkeit und gelebte Verantwortung für die Mitarbeiter“ würden auch künftig das Fundament der Firmenkultur bleiben, so Johannes Bürkle, der bis 2023 alleiniger Geschäftsführer der Bürkle-Gruppe bleibt. Aus der vorhandenen Mannschaft würden Führungskräfte so aufgebaut, dass diese nach ihm das Unternehmen leiten und so Kontinuität und Verlässlichkeit fortführen können.

Keine Änderungen für Kunden und Mitarbeiter

Für die Kunden werde sich in Zukunft nichts ändern, betonte Bürkle. Für die Mitarbeiter bleibe ebenfalls alles beim Alten, mit der Ausnahme: Künftig sei es möglich, eine internationale Karriere zu machen und eine wichtige Rolle in der Planung und Realisierung der neuen Werke in China zu spielen. Lange sprach der Geschäftsführer über die Gründe seiner Entscheidung.

„Kein Notverkauf“

Sowohl Johannes Bürkle, als auch Prokurist Bruno Müller stellten fest, dass es sich um alles andere als um einen „Notverkauf“ handle und die Bürkle-Gruppe mit einem Umsatz von 31,5 Millionen Euro im Jahr 2018, Investitionen von 6,1 Millionen Euro und 120 Mitarbeitern bestens dastehe. Bruno Müller: „Der Verkauf war eine Investition in die Zukunft“.

Roland Spether

Bürkle-Gruppe
Die Bürkle-Gruppe mit der Betonwerk Bürkle GmbH & Co. KG und der Bürkle Kellerbau GmbH + Co. KG in Sasbach, sowie der Bürkle Kellerbau GmbH in der Schweiz, wurde 1957 von Gertrud und Walther Bürkle aus Achern für die Herstellung von Balkendecken und Silos gegründet. In den folgenden Jahrzehnten wuchs das Unternehmen an seinem Standort in Sasbach mit innovativen Ideen, moderner Technik und einer weitgehend automatisierten Produktion zum Marktführer in Süddeutschland. Aus 70.000 Tonnen Kies, Sand und Zement fertigen aktuell 120 Mitarbeiter jährlich rund 500.000 Quadratmeter Wände und Decken und bauen europaweit 500 Keller und Bodenplatten für die Fertighausindustrie.     sp