Mit speziellen orangenen Schläuchen sammelte die Feuerwehr das mit Chemikalien kontaminierte Löschwasser. Wie sich nun herausstellt, ist am Brandort der Boden durch im Löschschaum enthaltene Polyfluorierte Chemikalien belastet. | Foto: Archiv Spether

Fünf Jahre nach Großbrand

Verseuchter Boden muss in Achern saniert werden

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Fünf Jahre nach dem Großbrand einer Chemiehalle in der Acherner Franz-John-Straße steht auf dem betroffenen Gelände eine umfassende Boden- und Grundwassersanierung an. Der Grund: Das Erdreich des Schadenherds ist bis zur Grundwasseroberfläche mit den wohl im Feuerlöschschaum enthaltenen Polyfluorierten Chemikalien (PFC) belastet.

Die Chemikalien gelangen während der Brandbekämpfung über ein Löschwasser-Schaumgemisch in den Boden. Nach Erkenntnissen des Landratsamts war die Kanalisation nicht betroffen. Der bodenschutzrechtliche Grenzwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter ist um das zwanzigfache überschritten.
Uwe Gläser, Sachgebietsleiter Altlasten, Bodenschutz, Abfall, beim Amt für Wasserwirtschaft und Bodenschutz, erklärt, dass seine Behörde eine kleinräumige Grundwasserverunreinigung und Schadstofffahne feststellte.

Chemikalien überwiegend oberhalb des Grundwassers

„Die Schadstoffe befinden sich noch überwiegend im Boden des Schadensherdes oberhalb des Grundwassers. Durch den vorgesehenen Bodenaustausch kann die Ausbildung einer größeren Schadstofffahne im Grundwasser verhindert werden“, weiß Gläser. Dies stellten die Experten des Landratsamts anhand von fast 30 Bodensondierungen und fünf Messstellen im Grundwasser fest.

Boden muss bis zu fünf Meter abgetragen werden

Bei dieser Altlastensanierung soll der kontaminierte Boden bis in vier Meter Tiefe abgetragen werden, stellenweise auch bis fünf Meter. „Dabei wird auch die Grundwasseroberfläche tangiert“, so Gläser. Damit das Grundwasser geschützt bleibt, ist eine Wasserreinigungsanlage erforderlich. Sie funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie die neulich in Rheinbischofsheim in Betrieb genommene Anlage. Diese besteht unter anderem aus Aktivkohlefiltern, welche die Verunreinigungen absorbieren.

Laufzeit etwa acht Wochen

Während in dem Rheinauer Stadtteil eine Laufzeitdauer von zehn bis 15 Jahren prognostiziert ist, ist die Acherner Anlage voraussichtlich „nur“ acht Wochen in Betrieb. Auch sind keine 2.000 Meter Rohre und Leitungen notwendig, da sich die Acherner Reinigungsanlage direkt auf dem privaten Schadensgrundstück befinden soll. Das gereinigte Wasser wird über die Regenwasserkanalisation und weiter in die Acher abgeleitet. Auch hier werde der Grenzwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter eingehalten. Zwei Messstellen im Grundwasser überwachen den Sanierungserfolg.

Kostenübernahme strittig

Die Ausschreibung für die Sanierung liege bereits fertig in der Schublade. Jedoch ist noch nicht geklärt, wer für die Kosten von schätzungsweise 600.000 bis 700.000 Euro aufkommt. Erst danach kann das Landratsamt die Altlastensanierung kurzfristig öffentlich ausschreiben. Gläser geht davon aus, dass das Vergabeverfahren zwölf Wochen beansprucht und die Sanierungsarbeiten zehn Wochen dauern. Weitere vier Wochen seien als „Nachlauf“ zur Entsorgung des ausgetauschten verunreinigten Bodens auf einer gesicherten Abfalldeponie vorgesehen.

16 Kubikmeter Löschwasser aufgefangen

Rückblende: Der Großbrand einer Lagerhalle eines Kleinunternehmens zur Entsorgung und Aufbereitung von Laborchemikalien hielt die Feuerwehren von Achern bis Lahr im August 2014 mehrere Tage lang in Atem. Mehr als 120 Kräfte waren im Einsatz. Aus bis heute unbekannten Gründen entzündeten sich in der Halle gelagerte Chemikalien. Die Einsatzmannschaft Gefahrgut der Feuerwehr fing bei der Brandbekämpfung 16 Kubikmeter kontaminiertes Löschwasser in speziellen Schläuchen auf. In Behältern wurde es anschließend in die Acherner Kläranlage gebracht, analysiert und entsorgt. Auch wurde der Brandherd mit Folien abgedeckt, um eine Kontaminierung des Regenwassers zu vermeiden. Dennoch gelangte PFC-haltiger Löschschaum in den Untergrund.

Bei der Brandbekämpfung, beispielsweise von Flüssigkeiten und schmelzenden Feststoffen werden Löschschäume eingesetzt, die Polyfluorierte Chemikalien (PFC) enthalten, darunter insbesondere die 6:2 Fluortelomersulfonsäure als Ersatz für die seit 2006 verbotene Perfluoroctansulfonsäure.
PFC bestehen nach Angaben des Bundesumweltamts aus Kohlenstoffketten verschiedener Länge, bei denen die Wasserstoffatome vollständig oder teilweise durch Fluoratome ersetzt sind.
Weder Bakterien noch Wasser, Luft und Licht können PFC abbauen. Die Chemikalien werden über Flüsse und Meere sowie über die Luft weltweit verteilt.
Bei der Brandbekämpfung können diese Chemikalien in den Boden gelangen, über das Grundwasser und Pflanzen weiter in die Nahrungskette des Menschen. Tierversuche ergaben, dass PFC die Entstehung von Leberkrebs und andere Tumore fördern. Zudem können PFC laut Bundesumweltamt die Fruchtbarkeit beeinträchtigen.