Wohlauf: Den Katzen des Tierschutzvereins in Achern geht es gut. Aber die Auffangstation wurde für die Öffentlichkeit vorübergehend geschlossen.
Wohlauf: Den Katzen des Tierschutzvereins in Achern geht es gut. Aber die Auffangstation wurde für die Öffentlichkeit vorübergehend geschlossen. | Foto: Daniela Busam

Tier-Vermittlungen

Viele Familien schaffen sich in der Ortenau in Corona-Zeiten eine Katze an

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Aufgrund des verhängten Kontaktverbots sehnen sich viele Familien nach Gesellschaft. Der Tierschutzverein in Achern und das Tierheim in Ottersweier vermittelten bereits zahlreiche Katzen und Hunde. Die Zeit dazu ist besser denn je.

Ein Rollerfahrer gibt Gas und rollt davon. Kurz zuvor hat er seine Katze weggeworfen, gegenüber des Tierschutzvereins in Achern. Bevor der Mann erkannt werden kann, ist er schon auf und davon. Eine Mitarbeiterin des Tierheims hat die Szene neulich zufällig beobachtet und ihre Hinweise an die Polizei weitergeben. Der Vorfall wurde aufgenommen, die Ermittlungen laufen.

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Von der Katze fehlt seitdem jede Spur. „Die rannte schreckhaft davon“, sagt Corinna Decker, Vorsitzende des Vereins, der die Situation geschildert wurde. Das Tierheim in Achern nimmt vor allem Katzen und Kleintiere auf und kümmert sich um deren Vermittlung.

Unsere Telefone glühen.

Corinna Decker, Vorsitzende des Tierschutzvereins Achern

Es ist der einzige Fall in den vergangenen Wochen, der dem Tierheim bekannt ist. Warum der Mann seine Katze ausgesetzt hat, steht in den Sternen. Aber klar ist: Verunsichert waren in den vergangenen Wochen viele Tierbesitzer aufgrund des Coronavirus.

„Unsere Telefone glühen“, sagte Decker. „Die Anrufer fragten, ob sie ihre Tiere abgeben können, weil sie befürchten, sich von ihnen anstecken zu können.“ Inzwischen hätte sich die Lage aber wieder beruhigt. Nur noch vereinzelt gehen Anrufe ein.

Covid-19 ist nicht vom Tier auf Mensch übertragbar

Bislang hätten der Vereinsvorsitzenden aus Achern zufolge alle Leute beruhigt werden können, da Covid-19 nach derzeitigem Stand der Wissenschaft nicht vom Tier auf den Menschen übertragbar sei. Es seien keine Tiere abgegeben worden, berichtet Decker.

Dagegen ist die Lage beim Tierheim in Ottersweier relativ entspannt. Dort werden insbesondere Hunde betreut, um die sich überwiegend Ehrenamtliche kümmern. „Die gehen nach wie vor mit den Tieren Gassi“, sagt Leiter Leo Schmitt. Vor neuen Leuten, die das übernehmen, werde momentan aber abgesehen. Abgegeben wurde laut Schmitt noch kein Hund wegen des Coronavirus.

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Dafür hätten viele Familien großes Interesse an einem neuen Vierbeiner. Schließlich sehnen sie sich in Zeiten des Kontaktverbots nach Gesellschaft. „Sie müssen zunächst mehrfach mit den Hunden Gassi gehen“, sagt Schmitt. Denn: „Die Familien sollen das Tier nicht zu sich nach Hause holen, weil ihnen momentan langweilig ist. Sie müssen es schon ernst meinen.“

Diese Sehnsucht beobachtet auch Corinna Decker. So habe der Tierschutzverein in Achern schon viele Katzen vermittelt – hauptsächlich an Familien, die bereits eine Katze hatten oder deren Stubentiger verstorben ist. „Weil viele jetzt in Kurzarbeit oder im Homeoffice sind, ist die Zeit zur Eingewöhnung für Mensch und Tier da“, weiß Decker. Und die sei gerade für Katzen wichtig, die sich an ihre neue Umgebung gewöhnen müssen.

Tierschutzverein hat nur noch auf Anfrage geöffnet

Zwar berichten die Tierheime in Achern und Ottersweier, dass es den Tieren bestens gehe und sie nichts merken würden von der Krise. Aber für die Einrichtungen hat sich sehr wohl etwas verändert. So hat der Tierschutzverein in Achern nur noch auf Anfrage per Mail oder Anruf geöffnet, nicht mehr offiziell. Trotz der Lockerungen, die seit Montag gelten, sei dies weiterhin der Fall. Die Katzenauffangstation und die Hundewiese bleiben für die Öffentlichkeit geschlossen.

Schwierig gestalte sich Decker zufolge die Vermittlung der Tiere aufgrund des Kontaktverbots. Außerdem hat sich der Alltag des Vereins verändert. Nur noch zwei statt drei Mitarbeiter seien gleichzeitig da und wenn möglich auch immer in gleichen Teams. „So entzerren wir die Kontakte untereinander“, erläutert die Vorsitzende.

Die wirtschaftlichen Folgen sind für die Tierheime unterschiedlich

Für Decker persönlich ist es auch keine einfache Zeit. Schließlich steht sie erst seit dem 13. März an der Spitze des Vereins und hat sich ihren Start natürlich nicht so vorgestellt. Aber: „Wir sind ein gutes Team und der Zusammenhalt ist toll“, sagt Decker.

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Während für das Acherner Tierheim die wirtschaftlichen Folgen nicht so stark spürbar seien, sieht die Situation in Ottersweier anders aus. „Wir leiden sehr, sind aber noch nicht in Gefahr“, sagt Leo Schmitt, der seit 35 Jahren der dortige Leiter ist. Zu schaffen macht dem Tierheim, dass keine Pflegehunde, die sie als Einnahmequelle dringend brauchen, vor Ort seien.