Die Gestaltung der Freiräume Europaplatz und Platz Villfranche/Mediathek sowie der Campus als Viertel für alle Generationen standen im Fokus der Bürgerbeteiligung. | Foto: kpm

Campus Bühl

Viele Ideen und manch enttäuschte Erwartung

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Mit jeder Diskussionsrunde füllten sich die Schautafeln im Bürgerhaus Neuer Markt mehr und mehr mit Vorschlägen. Wie soll der Campus Bühl der Zukunft aussehen? Welche Gestaltungselemente können den Europaplatz und den Freiraum Villefranche/Mediathek beleben? Wie kann ein Viertel für alle Generationen entstehen? Zahlreiche Ideen und Anregungen dazu gab es am Montagabend bei der Bürgerbeteiligung zum Campus.

Kritik an später Bürgerbeteiligung

„Die Stadt kann da sehr viel daraus mitnehmen für die weitere Entwicklung des Campus“, meinte denn auch Thomas Thiele vom gleichnamigen Architekturbüro als Moderator der dreistündigen Veranstaltung. Und dennoch: So mancher Bürger ging an diesem Abend frustriert nach Hause. Denn der umstrittene Standort der Mensa, die im Garten des Kinder- und Familienzentrums geplant ist, stand nicht zur Diskussion. „Die Bürgerbeteiligung kam zu spät“, lautete eine mehrfach geäußerte Kritik.
Knapp 100 Teilnehmer – Vertreter der Verwaltung, Planer und interessierte Einwohner – waren zur Bürgerbeteiligung gekommen, bei der es ausschließlich um die Gestaltung der Freiflächen auf dem Campus-Areal ging. In neun Gruppen befassten sie sich mit den von der Verwaltung vorgegebenen drei Diskussionsthemen: der Gestaltung von Europaplatz und Platz Villefranche sowie deren Nutzung durch Jung und Alt. Drei mal drei von Verwaltungsmitarbeitern moderierte Thementische waren dazu vorbereitet, sodass die Bürger nach je 25 Minuten wechseln konnten und somit die Gelegenheit hatten, sich an allen Diskussionspunkten zu beteiligen. Zusätzliche Tische wurden im Foyer vorgehalten, die aber großteils nicht belegt waren.

Viele Wünsche und Anregungen der Einwohner wurden an den Stellwänden im Bürgerhaus Neuer Markt festgehalten. | Foto: kpm

Diskussion an den Thementischen

Den Europaplatz als Treffpunkt für Jung und Alt und für alle Kulturen – so lautete eine der vielen Anregungen, die von den Moderatoren gesammelt und zum Abschluss vorgetragen wurden. Gewünscht wurde ein größeres gastronomisches Angebot, auch was die Außenbewirtung betrifft, zudem wesentlich mehr Grün- und Wasserflächen. Eine Baumallee zwischen Modehaus Pfeiffer und Sparkasse, die Verbesserung der Sicherheit durch eine stärkere Ausleuchtung sowie die Anbringung von Sitzgelegenheiten waren weitere Vorschläge.
Sowohl Befürworter als auch Gegner des beim Kifaz geplanten Mensa-Standortes saßen an den Thementischen, an denen es um die Gestaltung des Bereichs Platz Villefranche/Mediathek ging. Dabei wurde als Gegenvorschläge der Octomedia-Parkplatz, der Platz Villefranche oder auch der Schulhofbereich östlich der Aloys-Schreiber-Schule ins Spiel gebracht und kontrovers diskutiert. Einigkeit gab es laut Auskunft der Moderatoren über die Notwendigkeit einer Verkehrsberuhigung, kontrovers diskutiert wurden indes die Hol- und Bringdienste zur Schule (Stichwort: Elterntaxi). Weg von der Versiegelung und attraktive Freizeitangebote für Kinder- und Jugendliche wurden ebenso gewünscht wie eine Aufwertung des Octomedia-Parkplatzes.

Ein Viertel für alle Generationen

Bei der Diskussion zum Thema „Ein Viertel für alle Generationen“ war die Aufwertung der Gastronomie ebenfalls ein großes Anliegen. So solle es auch abends mehr Begegnungsmöglichkeiten geben, etwa nach Veranstaltungen im Bürgerhaus. Angeregt wurde ferner, das Jugendcafé und die Mediathek auch in den Abendstunden und in den Schulferien zu öffnen, damit sie in das Quartier hineinwirken. Unterschiedliche Platzinseln und generationsübergreifende Angebote, etwa ein Mehrgenerationenspielplatz wie in Sinzheim, waren weitere Wünsche für eine attraktive Gestaltung des Campus.
Wie OB Schnurr abschließend ausführte, werden nun die Ideen zusammengefasst und dem Gemeinderat vorgestellt. Zur Platzgestaltung werde die Bürgerbeteiligung im nächsten Jahr in eine zweite Runde gehen. Zum „vordringlichen Projekt Mensa“ (Schnurr) hätten die Bürger im Zuge der Offenlage des Bebauungsplanentwurfs noch bis 16. November Gelegenheit, ihre Einwendungen und Anregungen vorzubringen. Aufgrund der umfangreichen Eingaben werde der Satzungsbeschluss nicht mehr in diesem Jahr fallen.

Impulsvorträge zum Auftakt

Sechs Impulsvorträge gab es zum Auftakt der Campus-Bürgerbeteiligung. OB Hubert Schnurr nahm die Besucher mit auf eine Zeitreise durch die Geschichte des Areals rund um das heutige Bürgerhaus und die Mediathek, „wo sich in den letzten 25 Jahren am meisten getan hat – zum Positiven“. Schnurr skizzierte die Entstehung des Bildungs- und Kulturzentrums und hob auch die ökologische Bedeutung des Stadtbereichs hervor, das heute viel mehr Grün als früher zeige.

Eine riesige Chance für ein komplett neues Viertel

Laut Bürgermeister Wolfgang Jokerst besteht „die riesige Chance, ein komplett neues Viertel zu kreieren – ein Viertel mit Kultur- und Schulstätten und mit neuer Aufenthaltsqualität“. Er wies darauf hin, dass dieser westliche Bereich der Stadt im Vergleich zum Osten mitunter als „etwas tot“ empfunden werde. „Es gibt neue Freiflächen, die wir gestalten können. Darüber können wir miteinander reden“, gab Jokerst die Richtung der Diskussion vor.
Thomas Thiele (Architekturbüro Thiele) verwies auf den zweistufigen Wettbewerb „Campus Bühl“ und rief die Entscheidung des Preisgerichts im Mai 2017 als Planungsgrundlage in Erinnerung. Der Campus für Bildung und Kultur soll mit einer allgemeinen Attraktivitätssteigerung einhergehen.

Mensa und neue Unterrichtsräume

Klaus Dürk, Leiter des städtischen Fachbereichs Bildung – Kultur – Generationen, informierte über die Schulsituation und das Zusammenwachsen der Bildungs- und Kultureinrichtungen. Da die Realschule ab dem Schuljahr 2021/22 als offene Ganztagsschule an den Start gehen wolle, würden – gemeinsam mit der Aloys-Schreiber-Schule (seit 2014/15 Ganztagsschule) – eine Mensa und weitere Unterrichtsräume benötigt. „Damit sind beide Schulen für die nächsten zehn Jahre aufgestellt.“ Das Jugendcafé, das in den Mensa-Bau integriert wird, sei ein lang gehegter Wunsch der Jugendlichen nach einen Treffpunkt in der Stadt. Ulrike Beckmann (Plan 7 Architekten, Stuttgart ) erläuterte die drei Bausteine der Planung: Mensa, Pavillon für die Realschule und neue Sporthalle für die Aloys-Schreiber-Schule. Die Mensa, das „zentrale Herzstück“, werde etwas in den Campus hineingeschoben. In zwei Obergeschossen gebe es sechs Räume zur flexiblen Nutzung, geplant sei ein Steg zum benachbarten Kifaz.

Verkehrsplaner regt Tiefgarage an

Thomas Herdt, Sachverständiger für Garten- und Landschaftsbau, ging auf die große Herausforderung beim Bauen im Bestand ein, die noch größer werde, wenn Bäume vorhanden seien. Verkehrsplaner Frank Weiser stellte die Ergebnisse der Verkehrszählungen vor. Sein Fazit: Es sei möglich, den Campus autofrei zu gestalten, aber sinnvoll, eine neue Tiefgarage zu bauen. „Die Gelegenheit dazu ist günstig beim Bau der neuen Sporthalle.“
Lena Schuster (Büro Hage + Hoppenstedt Partner) lenkte den Blick auf das Konzept der „doppelten Innenentwicklung“ mit dem Ziel, Flächenreserven nicht nur baulich, sondern auch mit Blick auf urbanes Grün zu entwickeln.