Die Offene Bühne des Kulturforums bietet den Teilnehmern – hier ein Archivbild – ein Podium für Kultur jeglicher Art – ob Musik, Tanz, Theater oder Literatur. | Foto: pr

Kulturforum Bühl rockt

„Vielfalt und Toleranz sind gefragt“

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Das „Kulturforum Bühl rockt“ feiert sein zehnjähriges Bestehen. Zum runden Geburtstag gibt es am Freitag, 23. November,  ab 20 Uhr im Jugendzentrum Komm auf der Offenen Bühne des Kulturvereins ein Best-of-Programm (Einlass: 19 Uhr). Unser Redaktionsmitglied Klaus-Peter Maier sprach mit dem Initiator und Vorsitzenden Harald Schydlo sowie Eckhard Goldau, der sich um Organisation und Technik kümmert, über die Entwicklung der Initiative.

Für was steht das „Kulturforum Bühl rockt“?

Goldau: Das „Kulturforum Bühl rockt“ wurde als Dachverein vor zehn Jahren gegründet. Unter diesem Dach werden verschiedenste Veranstaltungen organisiert, von Fahrradtouren und Wanderungen über die Begleitung von Flüchtlingskindern bis zu Fotosessions und Ausstellungen. Eines dieser Angebote ist die Offene Bühne, die Harald 2015 ins Leben gerufen hat. Rock ist ja ein Synonym für Bewegung, egal in welchem Bereich. Ziel ist es, Menschen heranzuführen an Musik und Literatur und ihnen ein Podium zu geben.

 

Eckhard Goldau (links) und Harald Schydlo versprechen zum Zehnjährigen ein buntes Programm | Foto: kpm

Welches war die erste Veranstaltung?

Schydlo: Die allererste große Veranstaltung war die Fotoausstellung „Bühl zeigt Gesicht“, bei der wir 400 Personen fotografiert und deren Porträts gezeigt haben. Wir haben in der Folge Konzerte ausgerichtet und auch andere Formate ausprobiert. So gab es Konzerte spätsonntagnachmittags, und sehr interessant waren die Adventsrockkonzerte mit Heavy-Metal-Bands, wobei jede Gruppe ein Weihnachtslied interpretieren sollte.

Wie kam es zur Gründung der Offenen Bühne?

Schydlo: Ich bin Klassik-Fans, höre aber auch gerne Heavy Metal. So habe ich mich gefragt: Warum gibt es nicht etwas, das alle Genres miteinander verbinden kann? Es gibt so viele Musiker und andere Amateurkünstler, die daheim sitzen, biete doch einfach eine Plattform an für Musik, Tanz, Poesie und Theater – je breiter, desto besser. Und das in einer Umgebung, wo man das nicht unbedingt erwartet.

Wo fanden Sie diese?

Goldau: Zunächst hat sich das „Kneiple“ angeboten. Dann waren wir im „Grünen Baum“ in Hatzenweier, auch das war eine schöne Zeit, und jetzt sind wir im Bühler Jugendzentrum Komm, wofür wir dem Bürgermeister und seinem Team sehr dankbar sind. Das ist für uns hervorragend, weil die komplette technische Infrastruktur vorhanden ist. Wir sind dort wirklich super gut ausgestattet, und das Personal hilft uns beim Aufbau – da fühlen wir uns richtig wohl. Interessant ist auch, dass sich die Atmosphäre von Location zu Location verändert hat. Im „Kneiple“ gab’s eine Rock-Atmosphäre, der „Grünen Baum“ war eher ein „gemütliches Wohnzimmer“, in beiden Fällen aber verbunden mit einer gewissen Geräuschkulisse, die bei leiser Musik störend ist. Jetzt im Komm haben wir eine konzertante Atmosphäre. Der Raum ist bestuhlt und die Leute hören wirklich zu. Das animiert die Akteure auf der Bühne, noch perfekter zu sein.

Wer kommt zur Offenen Bühne?

Goldau: Das Umfeld reicht von Rastatt bis Achern, und auch die Erwachsenen finden nun den Weg in ein „Jugendzentrum“ (lacht) …
Schydlo: … und zwei kommen aus Karlsruhe …
Goldau: … und die Performance ist unlimitiert. So haben auch schon zwei ältere Herrschaften, die weit über die 80 waren, das Alphorn geblasen. Das Spektrum der Beiträge reicht von Klassik, Blues, Singer/Songwriter bis zu Tanz und Zauberkunst. Und wir haben auch Leute, die Gedichte vorlesen. Also wenn sich jemand meldet und sagt, ich möchte dies und das der Öffentlichkeit vorstellen, dann kann er sich bei uns hinstellen. Das Schöne ist, das Publikum weiß um die Idee der Offenen Bühne. Das Bemühen, es gut zu machen, wird honoriert. Es wird nicht kritisiert, ob es gut oder schlecht ist. Und wenn man mal hängen bleibt, applaudiert das Publikum auch beim zweiten oder dritten Versuch. Das macht die Offene Bühne aus, und das ist total klasse.

Wie wird gefeiert am Freitag?

Schydlo: Auch dieses Programm wird – wie immer bei der Offenen Bühne – eine Überraschung. Es wird ja nie vorher angekündigt, was kommt, das macht das Ganze gerade interessant. Aber man kann schon verraten: Es gibt ein Best-of-Programm, und es gibt am Klavier einen Tango von Astor Piazzolla. Wir beide werden uns dem Thema Lebensfreude widmen, aber auch das Problem des Rechtsradikalismus aufgreifen. Denn unsere Überschrift ist ganz klar: Auf der Welt sind Vielfalt und Toleranz gefragt.
Goldau: Wertschätzen, was der andere tut, auch wenn das nicht mein Ding ist  – dies ist in der heutigen Zeit am dringendsten erforderlich.

Welche Pläne gibt es für die Zukunft?

Schydlo: Ich glaube, dass wir die Offene Bühne noch gesellschaftskritischer machen sollten. Wenn ich sehe, was in der Welt alles passiert, gibt es fast schon eine Verpflichtung, etwas zu machen. Wir haben dieses Jahr das Konzentrationslager Natzweiler-Struthof besucht, in Verbindung mit einer Motorradtour. Ähnliche Angebote wollen wir nächstes Jahr wieder machen. Außerdem erwägen wir, neben der Offenen Bühne im Jugendzentrum Komm auch einige Veranstaltungen in Lokalen oder Werkhallen auszurichten – also an Orten, die nicht unbedingt typisch sind für Konzerte. Interessenten können gerne bei uns anklopfen.

Weitere Informationen über das „Kulturforum Bühl rockt“ gibt es im Internet unter  www.haraldschydlo.de