Jeans statt Anzug und Kostüm: Die Volksbank Lahr sorgt mit ihrem „BlackVRst“-Team für Furore. Von links: Christina Maurer, Antonia Schmieder, Leon Saar, Sarah Kux, Juliana Semmler und Vanessa Hoppen. | Foto: Frei

Duzen und bunte Kuckucksuhren

Volksbank Lahr sorgt mit Finanzberatung für junge Leute für Furore

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Die klassische Kuckucksuhr? Ist braun und aus Lindenholz geschnitzt. Die klassischen Banker? Tragen Anzug, Kostüm und hohe Hacken. Die Kuckucksuhr des Clubs „BlackVRst“ der Volksbank Lahr? Ist knallig bunt. Das sechsköpfige Beraterteam? Trägt Jeans, kommt mit dem E-Smart zum Kundentermin ins Café oder in den Stadtpark und lässt sich duzen.

Kevin, Juliana und Antonia also, statt Herr Weber, Frau Semmler oder Frau Schmieder, wenn es um die Finanzberatung für 16- bis 35-Jährige rund um Schulabschluss, Auslandssemester, Weltreise, die erste eigene Wohnung oder die Familiengründung geht.

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Die Marke „BlackVRst“ spielt mit dem Black Forest (englisch für den Schwarzwald) und dem Kürzel VR für Volks- und Raiffeisenbanken. „Wir sind damit mit einer neuen Idee in den Markt gegangen, die niemand von uns als Bank erwartet hat“, sagt die Pressesprecherin des Kreditinstituts, Susanne Hauser. Seit der Gründung vor anderthalb Jahren sorgen die Lahrer damit bundesweit für Furore in der Branche – und haben bislang nach eigenen Angaben bereits 400 neue Kunden gewonnen. 2.300 Clubmitglieder gibt es mittlerweile.

Das Ziel heißt Neukundenakquise

Denn darum geht es natürlich vor allem, um Neukundenakquise und Kundenbindung. Dies zumal der deutsche Markt mit seinen immer noch relativ vielen Sparkassen und Banken umkämpft ist. Club-Comic-Hefte und Rabatte für Kino, Freizeitpark und Zoo bieten auch andere Geldhäuser.

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Zahlreiche Jugendliche wählen die Bank oder die Sparkasse, bei der auch die Eltern Kunden sind. Andere lassen sich durch Zins-Sonderkonditionen oder einmalige Neukundengutschriften überzeugen.

Prozentuale Zahlen zu den Beweggründen konnten der Sparkassenverband Baden-Württemberg und der Baden-Württembergische Genossenschaftsverband auf Anfrage dieser Zeitung nicht liefern. Es gebe keine entsprechenden Erhebungen.  Kostenlose Girokonten bieten faktisch alle Kreditinstitute jungen Menschen an, hieß es.

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Moderne Kuckucksuhr als Symbol

„Die Welt der jungen Leute ist digital, das Smartphone immer dabei, über Social-Media-Kanäle sind alle vernetzt“, sagt Lahrs Pressesprecherin Hauser. Doch wie könne man junge Menschen als Bank erreichen, die überwiegend online unterwegs seien und außer zum Bargeldabheben kaum noch vorbei kämen, fragt sie.

Auf der anderen Seite, schätzten junge Menschen Werte wie Familie, Freunde und Heimat – eine Erkenntnis, die so gut wie jeder Soziologe und Marketingprofessor bestätigen wird. Symbolisch steht bei der Volksbank Lahr die peppige Kuckucksuhr, das Logo des kostenlosen Clubs, für die beiden angesprochenen Welten.

Heimat und junges Banking: Dafür soll diese Kuckucksuhr der Volksbank Lahr stehen. | Foto: Frei

Gesamtwirtschaftliche Zusammenhänge oft wenig bekannt

Neben dem Lahrer Beraterteam ist die entsprechende App Dreh- und Angelpunkt von „BlackVRst“: mit YouTube-Videos zu Finanzfragen, Rabattangeboten für regionale Geschäfte, Kinos oder Fitnessstudios.
Im Europa-Park-Dome haben es die Lahrer mit 650 Gästen bei der Gründung von „BlackVRst“ bereits krachen lassen.

Die mittelgroße Volksbank (Bilanzsumme: 2,5 Milliarden Euro, 427 Mitarbeiter) möchte demnächst auch noch den amerikanischen Schulbus „Fritz“ zu Schulen und Events rollen lassen. Hauser: „Ganz wichtig ist das Thema finanzielle Bildung. Wir haben schon oft gemerkt, dass die jungen Menschen perfekt mehrere Sprachen sprechen, aber um die gesamtwirtschaftlichen Zusammenhänge und finanzielle Grundbegriffe ist es nicht so gut bestellt.“ Deshalb gehe man auch in die Schulen.

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Jüngere Kunden will die Volksbank mit ihren Clubs „VR-Primaxx“ (bis zehn Jahre) und „VR-Go“ (bis 15 Jahre) abholen. Auch hier wird das Thema Regionalität gespielt: Kinder können beispielsweise Bausätze für Nistkästen bestellen. Oder sie bekommen eine Anleitung für eine „Blühkiste“ inklusive Samen vom Naturpark Schwarzwald Mitte Nord. Also von dort, wo der Kuckuck aus dem Wald ruft.

Und sie leben noch: Didi und Dodo fetzen sich seit 1974 im Sparkassen-Comic (Auflage: rund 600.000 Exemplare) mit den Räubern Fetz und Zipfel auf der Insel Knax. Marc und Penny leben im Euro-Zeitalter im Volksbank-Jugendmagazin „VR-Primax“ fort. Nur reicht das zur Kundenbindung des Nachwuchses?  Redakteur Dirk Neubauer hat exemplarisch einige Geldhäuser der Region befragt.
Sparkasse Karlsruhe
Die 7.500 Mitglieder des Knax-Klubs bekommen Ermäßigungen bei Theatern oder auf der Eislaufbahn und zuletzt einen Gratisbesuch im Kindermusical im Konzerthaus. „Die Knax-Taschengeld-App hilft Eltern dabei, das Taschengeld ihrer Kinder zu organisieren, animiert zum Sparen“, sagt Simon Mößner von der Sparkasse. Für Zwölf- bis 17-Jährige gibt es den „S-Club“ (6.500 Mitglieder) mit VIP-Gewinnspielen und Vorteilsangeboten, etwa bei „Das Fest“.
Volksbank Karlsruhe
Der „Mike-Club“ bietet den 2.800 Mitgliedern etwa Erlebnistage im Europapark, im Freizeitpark Trippsdrill, ein Fußballcamp auf der Sportschule Schöneck. Wer ein „Mike-Konto“ eröffnet, erhält eine Jahreseintrittskarte für den Karlsruher Zoo. Beim Thema Weltspartag gehe man einen anderen Weg, so Pressesprecher Thomas Nusche. Man wolle an diesem Tag „keine billigen Streuartikel aus Fernost“ herausgeben, sondern unter dem Jahr wertige Geschenke. Kinder bis zwölf Jahren erhalten bei Einzahlungen das ganze Jahr über Sammelpunkte dafür.
Sparkasse Kraichgau
Sie bietet den Knax-Klub (bis elf Jahre), den S-Club (bis 16 Jahre). An 16- bis 30-Jährige richtet sich „red planet“ mit Städtereisen, Seminaren, Events, Rabatten, Gutscheinen für Wellness. „red planet“ befasse sich auch mit Schul- und Studienthemen und gebe Antworten zur Altersvorsorge. „Die Clubs tragen vor allem zur Kundenbindung bei. Als Sparkasse geht es uns ganz besonders um den Aufbau langfristiger Kundenbeziehungen“, betont Vorstandschef Norbert Grießhaber.
Den Knax-Klub-Mitgliedern wird einmal im Jahr ein Kinofilm zu vergünstigten Preisen gezeigt. Außerdem biete man ihnen und ihren Familien „sehr günstige Ausflüge“ samt Busfahrt in Freizeitparks an. Auch „S-Clubber“ könnten sich für Letztere anmelden.