Freie Fahrt: Seit Freitagmittag rollt der motorisierte Verkehr wieder über die sanierten Schleusenbrücken zwischen Gambsheim und Freistett. | Foto: Christian Schäfer

Rheinübergang bei Gambsheim

Vollsperrung nach drei Monaten aufgehoben

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Die Punktlandung ist geglückt: Seit diesem Freitag, 12.10 Uhr, ist die dreimonatige Vollsperrung des Rheinübergangs zwischen Gambsheim und Freistett Geschichte. Vertreter der französischen Départementsrats Bas-Rhin öffneten mit Rheinaus Bürgermeister Michael Welsche die deutsch-französische Verkehrsader. Danach rollte wieder der motorisierte Verkehr über die neu asphaltierte Strecke.

Wie ausführlich berichtet, war die Straße vom 4. Juni an gesperrt, weil die beiden Brücken über die Schleusen sowie über die Zufahrt zum Wasserkraftwerk erneuert werden mussten. Die Kosten für die Sanierung der Brücken in Höhe von etwa 3,5 Millionen Euro konnte die Départementsverwaltung einhalten, bestätigt deren Bauamtsleiter Erich Friedrich. Auch die Erneuerung der Ill-Brücke und der Fahrbahn der D2 bis zur A35 lief nach Plan. 35 Unternehmen mit bis zu 200 Arbeiter waren in das Projekt involviert. Die Schleusenbrücken sind nun breiter mit einem zusätzlichen Weg für Fußgänger- und Radfahrer, den eine Betonmauer vom Straßenverkehr trennt.

Vollsperrung ein Jahr später als geplant

Eigentlich war die Vollsperrung bereits im vergangenen Jahr vorgesehen. Doch zunächst gab es Probleme bei der Planung. „Dann hätte die Vollsperrung bis in den November gedauert“, gibt Friedrich zu bedenken. Ein Vorteil hatte die Verzögerung um ein Jahr auch für den Handel und die Industrie auf der deutschen Rheinseite: Vorlaufzeit, um sich auf die Vollsperrung vorzubereiten. Die Industrie- und Handelskammer Südlicher Oberrhein (IHK), Vertreter des Regierungspräsidiums Freiburg und des Depártementrates erarbeiteten in mehreren Sitzungen Lösungsansätze. So wurde zum Beispiel eine provisorische Fußgängerbrücke über die Schleusenkanäle gebaut. Das Landratsamt richtete einen Pendlerbus zwischen der Fischtreppe und Achern ein – nach einer Bedarfserhebung der IHK bei 150 Betrieben in der nördlichen Ortenau. Die Betriebszeiten der Rheinfähre Drusenheim wurde um eine Stunde ausgeweitet.

Schäden an Brücken 2011 festgestellt

Die Sanierung ist Teil der Neugestaltung des Rheinübergangs zwischen Freistett und Gambsheim. Seit zehn Jahren arbeitet der Verein Passage 309 der Gemeinden Gambsheim und Rheinau an der Idee eines grenzüberschreitenden Fußgänger- und Radwegs. Im Zuge der Planungen stellten die französischen Behörden 2011 Schäden an den 1974 erbauten Schleusenbrücken fest. Seitdem war der Übergang für Schwerlastverkehr ab 44 Tonnen verboten. „Hätten wir jetzt nicht saniert, wären die Schäden viel größer geworden. Dann hätte die Vollsperrung mindestens ein halbes Jahr gedauert“, betont Friedrich.
Nun ging die Sanierung des Übergangs innerhalb von drei Monaten über die Bühne.

Eine Meisterleistung

„Dass unsere französischen Partner bei einer so komplexen Baustelle den Zeitplan eingehalten haben, ist eine Meisterleistung“, lobt IHK-Hauptgeschäftsführer Andreas Kempff. Dennoch hatte die Vollsperrung, wie berichtet, Konsequenzen für die regionale Wirtschaft: Tobias Müller, Geschäftsführer von Duralog in Achern, berichtet von hohen Mehrkosten für den Werksverkehr, die wegen der Vollsperrung entstanden sind: „Wir müssen Mehrkosten von etwa 32 000 Euro für unseren Lkw-Verkehr vom Werk Bischwiller an unser Zentrallager in Achern schlucken.“ Auf der französischen Rheinseite verzeichneten Geschäfte Umsatzrückgänge von bis zu 20 Prozent, so zum Beispiel ein grenznaher Supermarkt, sagt Gambsheims Bürgermeister Hubert Hoffmann auf Anfrage von bnn.de.

Aluminiumbrücke schließt Lücke

Die Neugestaltung des Rheinübergangs ist noch nicht vollendet. Auf Höhe des Wasserkraftwerks wird eine 63 Meter lange Aluminiumbrücke die Lücke schließen. Die Auftragsvergabe folgt im November. Dann wird in einem Werk die Brückenteile zusammengesetzt und im kommenden Frühjahr vor Ort montiert. In ihrer Bauart ist sie die längste öffentliche Fußgänger- und Radwegbrücke in Frankreich, betont Friedrich. Sie hat keine Pfeiler in der Mitte, damit sie bei Bedarf leicht entfernt werden kann, sollten größere Umbauarbeiten am Wasserkraftwerk notwendig sein. Die Eröffnung des gesamten Rheinübergangs dann voraussichtlich Ende Juni 2019 vorgesehen.

Gesamtkosten bei 10,8 Millionen Euro

Auf der deutschen Seite werden bis zum Ende der zweiten Septemberwoche die Geländer der am Wehrkanal verlaufenden Fußgänger- und Radwegbrücke montiert und das Unterbaugerüst abmontiert. In der kommenden Woche kann es deshalb zwischen 9 und 14 Uhr nochmals zu kurzen halbseitigen Sperrungen kommen, die mit einer Ampel geregelt werden, erklärt Daniel Guldenschuh-Apelt, Bauprojektleiter im Regierungspräsidium Freiburg. Zur gleichen Zeit werden auch noch Geländer auf den französischen Schleusenbrücken angebracht. Dabei sind keine Sperrungen notwendig, weiß Polier Christian Winum. Die gesamte Neugestaltung des Rheinübergangs kostet bis zu 10,8 Millionen Euro. Davon bezuschusst die EU knapp 3 Millionen Euro.