In Anerkennung seines mehr als 50-jährigen Engagements vor allem für Menschen in Afrika erhielt Pfarrer Willy Schneider das Bundesverdienstkreuz. Von links Luke Shitekha, Bernhard Lukulu Imbomba, Willy Schneider, Bürgermeister Oliver Friebolin (Eimeldingen), Asuna Schneider, Bürgermeister Hans-Jürgen Decker (Ottenhöfen) und Staatssekretärin Theresa Schopper. | Foto: Roland Spether

Pfarrer Willy Schneider

Vom „Black Forest“ nach „Black Africa“

Von Roland Spether

Engel für Waisenkinder, Brückenbauer der Nächstenliebe, Pfarrer in Rufweite: Die Würdigungen und Komplimente für Willy Schneider und dessen soziales Engagement für die Menschen im „Black Forest“ und in „Black Africa“ waren von einer besonderen Qualität. Gestern wurde Schneider mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

„Papa Willy“ und „Mama Asuna“

Mit dem Ottenhöfener Pfarrer und „Ältesten vom Volk der Luhya“ freuten sich viele Menschen in Tansania, Uganda und Kenia mit „Papa Willy“ und „Mama Asuna“ Schneider. Den Dank für einen jahrzehntelangen Dienst für Kinder, Jugendliche und Erwachsene brachten Bernhard Lukulu Imbomba als politischer Repräsentant und Luke Shitekha vom Waisenhaus „Malaika Children’s Home“ über 10 000 Kilometer hinweg mit nach Ottenhöfen, um die Wertschätzung der Menschen gegenüber Willy Schneider persönlich auszudrücken. Dazu spielte, sang und tanzten die Mitglieder vom „Choeur de Karlsruhe“ die „Melodie Afrikas“ mit mitreißender Rhythmik.

Die Melodie Afrikas erklang mit dem „Choeur de Karlsruhe“. | Foto: Roland Spether

Das Herz schenkt

„Die Finger reichen dar, aber das Herz schenkt“. Mit dieser afrikanischen Weisheit brachte Staatssekretärin Theresa Schopper auf den Punkt, was Willy Schneider in mehr als 50 Jahren leistete. „Mit ganzem Herzen habe er in Afrika Entwicklungszusammenarbeit vollbracht und dabei vor allem vielen Kindern und Jugendlichen eine echte Chance auf eine bessere Zukunft geboten“. Deshalb sei Pfarrer Schneider ein „Vorbild für ein Engagement mit Herz und Hand, Toleranz und Nächstenliebe.“

Zweite Heimat in Afrika

Im Rahmen seines Missionsdienstes war er Ende der 60er-Jahre in Tansania, Uganda und Kenia tätig. Er verantwortete den Aufbau eines Jugendzentrums und einer Behindertenwerkstatt und setzte sich für eine Verbesserung der Lebensbedingungen in Nairobi ein. „Seither hat ihn der Kontinent nicht mehr los gelassen. Afrika wurde zu seiner zweiten Heimat“. Dabei sei ihm stets wichtig gewesen, Toleranz zu fördern und zu leben.

Waisenhaus gebaut

1975 wurde er Pfarrer in der Gemeinde Eimeldingen im Kreis Lörrach. Auch von hier aus hab er sich für Afrika eingesetzt und unter anderem 1981 damit begonnen, im Westen Kenias ein Waisenhaus und ein Gesundheitszentrum zu bauen. „Darüber hinaus ließ er Straßen und mehrere Schulgebäude errichten, ein Büro für den Bürgermeister, Gebäude für Tee-Anbauer und die Polizei. Er stattete die Gemeinschaft mit Fahrzeugen aus, kümmerte sich um Kinder mit Behinderung und stand einer Gruppe im Kampf gegen HIV bei“, so Schopper.

„Der Ärmsten der Armen angenommen“

Neben diesen vielen Projekten in Afrika war ihm vor allem der Aufbau eines Waisenhauses für den Verein African-German-Partnership wichtig. Dabei habe er auch seine Frau Asuna kennen gelernt, deren Mutter sich aus christlicher Nächstenliebe um Waisenkinder kümmerte. Nach deren Tod beschlossen ihre Kinder, das Vermächtnis der Mutter weiterzuführen und gründeten das Malaika Children’s Home. „Mit dem Bau des Waisenhauses 1996 haben sich Willy und Asuna Schneider der Ärmsten der Armen angenommen“, betonte Schopper. 2002 gründete das Ehepaar den Verein Afrikanische-Deutsche Partnerschaft Malaika.

Die starke Frau an seiner Seite: Willy Schneider mit Ehefrau Asuna. | Foto: Roland Spether

„Kultur des Miteinanders“

„Die Zivilgesellschaft existiert, sie hat mit Willy Schneider ein Gesicht“. Bürgermeister Hans-Jürgen Decker würdigte den Einsatz Schneiders für eine „Kultur des Miteinanders“ als Mensch, Pfarrer und Sprecher der Vereine. „Nicht mit der Bibel lehren, sondern aus der Bibel heraus helfen“, war stets Schneiders Anliegen, so Landtagsabgeordneter Willi Stächele. Bereits vor Jahrzehnten habe Willi Schneider erkannt, dass man „Hilfe zur Selbsthilfe“ leisten und vor Ort Hunger und Armut bekämpfen müsse.

Malaika ist die Nummer eins

Dies bestätigten die Gäste aus Kenia, Bernhard Lukulu Imbomba und Luke Shitekha, mit wahren Lobeshymnen auf das Ehepaar Schneider. „Die Regierung war nicht in der Lage das zu verwirklichen, was ihr beide geschaffen habt“, so Bernhard Lukulu Imbomba. Auch der Vorsitzend des Malaika Children’s Home, Luke Shitekha, erzählte, wie das Volk der Luhya Willy Schneider aufnahm und zu einem ihrer Ältesten machte. „Wir haben 1 200 Kinderheime in Kenia und Malaika ist die Nummer eins“, so Shitekha.

Spuren hinterlassen

Dass Willy Schneider in seiner früheren Kirchengemeinde Eimeldingen unvergessen ist, betonte Bürgermeister Oliver Friebolin. So habe er durchs eine Initiativen für Jugendliche, Familien und Senioren, durch das „Haus der Begegnung“ und anderes mehr viele Spuren hinterlassen Als einen unermüdlichen „Brückenbauer der christlichen Nächstenliebe“ bezeichnete Prälatin Dagmar Zobel von der evangelischen Landeskirche den Geehrten, während Pfarrer Andreas Moll ihn als einen Christen „mit einer durch und durch ökumenischen Existenz“ würdigte. Als Pfarrer „i. R.“ – „in Rufweite“ – sei Willy Schneider stets bereit, bei Gottesdiensten auszuhelfen und sich in das Gemeindeleben einzubringen, so Moll , der auch als stellvertretender Vorsitzender des Vereins Afrikanische – Deutsche Partnerschaft Malaika gratulierte und die „echte und gelebte Partnerschaft“ in den Vordergrund stellte. „Davon sind die deutsche Botschaft in Berlin und Stuttgart noch weit entfernt von Nairobi“, meinte er und nahm Bezug, dass eine junge Frau (22) aus dem Waisenhaus kein Visum für die Reise erhielt. Dazu hatte Asuna Schneider bemerkt, dass die Behörde offensichtlich vermutete, dass sie nicht mehr nach Kenia zurückkehren würde.

Asante sana

„Asante sana“ – „Danke“ sagte Willy Schneider, ließ seiner Begeisterung über Afrika aus dem reichen Schatz seiner Erfahrungen freien Lauf und griff wie ein junger Entwicklungshelfer zur Gitarre, um mit allen im Saal vielen Leuten und vor allem Gott zu danken.

Mit Gitarre und kräftiger Stimme stimmte Willy Schneider ein Danklied an | Foto: Roland Spether