Reichhaltige Auswahl: Eine Gottesanbeterin fällt über eine graue Wanze her, um sie anschließend zu verspeisen. | Foto: Franz Lechner

Ausbreitung im Ortenaukreis

Wanzen ziehen in Wohnzimmer

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Sie stinken, wenn sie sich bedroht fühlen und sehen eklig aus: Verschiedene Wanzenarten zieht es derzeit in Scharen in die Ortenauer Wohnzimmer. Sie sonnen sich gerne an Hauswänden und schlüpfen gegen Abend in Häuser und Wohnungen. Schließlich ist es dort viel gemütlicher als in den kühlen Nächten draußen. „Gefährlich sind sie nicht“, sagt Verena Kasper, Biologin und im Landratsamt des Ortenaukreises für Naturschutz zuständig. Der Grund für das gehäufte Auftreten: Der warme, trockene Sommer.

Nicht nur viele Menschen fanden den Sommer klasse, auch die kleinen Krabbler genossen die für ihre Fortpflanzung optimalen Bedingungen. Deshalb gibt es nicht nur eine Nachkommen-Generation, sondern gleich mehrere. Ein einzelnes Tier kann mehrere Hundert Eier legen. Werden die Nächte kühler, feuchter und nebliger, brauchen die Tierchen Überwinterungsplätze. Ritzen, Spalten und gekippte Fenster sind da offensichtlich die perfekte Einladung, um in Wohnzimmern, Schlafräumen oder Badezimmern ein lauschiges Plätzchen zu suchen. Licht und Wärme locken sie an. Doch wehe, sie werden zerdrückt oder zertreten – dann sondern sie über ihre Stinkdrüsen einen üblen Geruch ab. „Das vermehrte Auftreten lässt sich gerade in ganz Deutschland, vor allem an der Rheinschiene beobachten“, sagt Verena Kasper. Wanzenarten gibt es viele: Pflanzensauger, eine Reihe von räuberischen Arten, die sich von anderen Insekten ernähren, aber auch Parasiten wie die Bettwanze, erklärt Verena Kasper.

Stinkkäfer kommt immer häufiger vor

In der Region werden zurzeit vor allem die „Grüne Stinkwanze“ und die „Graue Gartenwanze“ beobachtet. Beide sind zehn bis 15 Millimeter groß. Auch die eingewanderte „Marmorierte Baumwanze“ – umgangssprachlich auch Stinkkäfer genannt – kommt immer häufiger in Deutschland vor. Sie kann für Obstanlagen sogar zur Bedrohung werden. Die „Grüne Stinkwanze“ hat von Frühjahr bis in den Herbst ihre grüne Grundfarbe und ist fein dunkel punktiert, im Herbst verändert sie temperaturgesteuert ihre Färbung zu einem Braun oder Rotbraun, um sich nach der Überwinterung wieder grün zu verfärben.
Die „Graue Gartenwanze“ ist schmutzig graugelb bis braun gefärbt mit ungleichmäßig verteilten Punktgruben auf der Körperoberseite. Sie lebt auf verschiedenen Laubgehölzen und saugt gelegentlich an toten Insekten. In Städten ist sie häufiger zu finden als auf dem Land, da es dort oft wärmer ist.

Wechselspiel: Die Grüne Stinkwanze verändert im Herbst wegen sinkender Temperaturen ihre Grundfarbe. | Foto: Jochen Lübke

„Marmorierte Baumwanze“ befällt Fruchtanlagen

Die ockerfarbene, mit dichtsitzenden schwarzen Punkten geschmückte „Marmorierte Baumwanze“ stammt ursprünglich aus Ostasien. Sie ist laut Verena Kasper ein Pflanzensauger und befällt gerne Früchte und Fruchtanlagen. Wählerisch ist sie nicht. Betroffen sein können Pfirsiche, Äpfel, Birnen, Haselnuss oder Weinrebe, aber auch Mais, Sojabohne, Tomate, Paprika und Aubergine. Dadurch werden die Früchte deformiert, verfärben sich und werden unansehnlich. Auch Schimmelpilze können zusätzlich übertragen werden. Wo sie in Massen auftritt kann sie an Obst- und Gemüsekulturen große Schäden anrichten – in den USA, der Schweiz und Italien war dies bereits der Fall. Auch im Raum Freiburg wird das Vordringen wachsam beobachtet. Die Obstanlagen in Mittelbaden blieben noch verschont: „Bisher konnten im Ortenaukreis keine Schäden in landwirtschaftlichen Anlagen festgestellt werden“, so Verena Kasper.
Wirkliche biologische Gegenmittel gibt es noch nicht. Um Schäden zu vermeiden rät etwa Olaf Zimmermann vom Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg Hobbygärtnern, die Tiere abzusammeln und durch Einfrieren zu töten.

Fliegengitter als Schutz

Damit die schädliche Marmorierte Baumwanze nicht mit der heimischen Grauen Gartenwanze verwechselt wird, hilft ein Blick auf die Unterseite: die Graue Gartenwanze hat an ihrer gepunkteten Unterseite einen nach vorne gerichteten Dornfortsatz zwischen den Hinterbeinen, die marmorierte Stinkwanze hat weder die Punkte noch den Dorn. „Fliegengitter können das Eindringen der Tiere in die Wohnung verhindern“, sagt Verena Kasper. Türen und Fenster sollten bei Licht geschlossen gehalten werden. Um die kleinen Plagegeister zu entfernen, kann man sie auf eine Zeitung krabbeln lassen oder mit einem Glas oder Becher entfernen.

Zur Unterscheidung der schädlichen marmorierten Baumwanze und der Grauen Gartenwanze gibt es hier weitere Informationen.

Christine Storck