Villa für betuchte Kundschaft: Im September stellt WeberHaus sie der Öffentlichkeit vor. Die Villa (im Hintergrund) hat nach Unternehmensangaben Leuchtturm-Funktion. Der badische Fertighauspionier will damit verstärkt in Deutschland auf vermögende Kundschaft zugehen. In Großbritannien sind WeberHaus-Villen bereits gefragt. | Foto: din

Unternehmen aus der Ortenau

WeberHaus investiert ins Stammwerk in Linx und in eine Villa auf dem Ausstellungsareal

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Derzeit boomt die deutsche Fertighaus-Branche nach Angaben deren Verbandes BDF: Bundesweit entfielen zuletzt von allen Baugenehmigungen 23 Prozent auf Fertighäuser. Im Südwesten beträgt der Anteil sogar 40 Prozent. WeberHaus aus Linx im Ortenaukreis hatte 2019 mit einem Auftragseingang von 343 Millionen Euro den höchsten Order-Wert seit der Gründung 1960.

Von der 400-Quadratmeter-Villa lässt es sich durch große Glasfronten in den gepflegten Park blicken. Für die Kinder gibt es ein eigenes Bad. Im riesigen Schlafzimmer der Erwachsenen fällt eine freistehende Badewanne ins Auge. Auf der gegenüberliegenden Seite des mondänen Flachbaus ist eine Sauna samt einer Wellnessdusche mit einem 1,40-Meter-Durchmesser-Brausekopf untergebracht. Noch laufen die Innenausbauarbeiten. Im September will WeberHaus seine neue Ausstellungs-Villa der Öffentlichkeit präsentieren.

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Federführend entworfen hat sie Nick Blunt. Nach den Plänen des englischen Architekten sind bereits etliche Villen entstanden, die der badische Fertighauspionier für Kunden in Großbritannien gebaut hat. Etwa zwölf Villen in der Dimension des neuen Musterhauses – Kostenpunkt zwei bis drei Millionen Euro – verkauft WeberHaus pro Jahr. Insgesamt stellte das Unternehmen im vergangenen Jahr im Stammwerk Linx und im Werk Wenden-Hünsborn über 700 Objekte her.

„Neue Villa soll zeigen, was WeberHaus kann“

Die neue Villa sei zum einen „ein Flaggschiff, um zu zeigen, was wir können“, sagt der kaufmännische Geschäftsführer Stephan Jager im Gespräch mit dieser Zeitung. Beispielsweise sei die Haustechnik in einem so großen Gebäude komplex. Zum anderen wolle man in Deutschland wieder verstärkt auch einen vermögenden Kundenkreis ansprechen. „Das sind diejenigen, die ein solches Haus auch in Krisenzeiten kaufen würden.“

Derzeit boomt die deutsche Fertighaus-Branche nach Angaben deren Verbandes BDF: Bundesweit entfielen zuletzt von allen Baugenehmigungen 23 Prozent auf Fertighäuser. Im Südwesten beträgt der Anteil sogar 40 Prozent. WeberHaus hatte 2019 mit einem Auftragseingang von 343 Millionen Euro den höchsten Order-Wert seit Hans Weber 1960 als Zwei-Mann-Firma anfing.

Investition in die Produktion: Zehn Millionen Euro nimmt WeberHaus in die Hand. Damit wird die Produktionshalle im Stammwerk erweitert. | Foto: Archiv: Fabry

Das und die Corona-Einschränkungen auf den Baustellen wirken sich aus: Aktuell dauere es 22 bis 23 Monate von der Vertragsunterschrift bis zum Einzug, sagt Prokurist Klaus-Dieter Schwendemann. Vor fünf Jahren seien es 16 bis 17 Monate gewesen. WeberHaus sucht daher weiteres Personal für seine zwei Werke, vor allem aber zur Verstärkung der Montageteams vor Ort. Gut 80 Mitarbeiter würde man in diesem Jahr – inklusive Verwaltung – gerne einstellen, sagt Jager. Zum Jahresultimo hatte WeberHaus 1.224 (2018: 1.176) Mitarbeiter. Kurzarbeit ist bei den Badenern kein Thema.

Auch beim Objektbau läuft es gut

Weber-Häuser wurden auch schon in Wien aufgebaut, in Paris, sogar im US-Staat Colorado. Doch wegen der hervorragenden Auslastung der Werke werden Auslandsmärkte von Marketing und Vertrieb nicht mehr oder weniger beackert als früher. Der Exportanteil ist auf zehn (2018: 14) Prozent gesunken.

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Zugleich floriert der Objektbau, also Hotels, Büros, Altenheime, etc., in Fertigbauweise. Die WeberHaus-Strategen hatten vor fünf Jahren diesen Geschäftsbereich aufgebaut. Sie gingen davon aus, dass weniger Ein- und Zweifamilienhäuser bestellt werden. Das war nicht der Fall.

Wegen der sehr guten Auslastung verfolge man auch keinen klassischen Modulbau. Dies sind ab Werk komplett fertiggestellten Räume, wie sie beispielsweise der Wettbewerber Schwörer-Haus aus dem schwäbischen Hohenstein-Oberstetten verstärkt anbietet.

Das Stammwerk von WeberHaus in Rheinau-Linx mit einem Teil der „World of Living“. | Foto: pr

2020/2021 nimmt WeberHaus nicht nur für die Muster-Villa kräftig Geld in die Hand. Allein zehn Millionen Euro investiert das Familienunternehmen in die Erweiterung der 26.970 Quadratmeter großen Produktion um weitere 2.500 Quadratmeter. Eingeschlossen ist der Maschinenpark für die sogenannte „liegende Wandfertigung“. Zur Erklärung: Eine Abbundmaschine bearbeitet das Holz – sägen, bohren, fräsen – für die Holzfachwerkkonstruktion. Danach kommen OSB-Holzplatten, Gipskartonplatten und Dämmung hinzu, wobei es nötig ist, die Wand auch maschinell zu wenden.

Drei Gründe nennt Jager für die Investition: erstens mehr Produktionspotenzial, zweitens sind die bestehenden Maschinen in die Jahre gekommen, und drittens sind die Außenwände mittlerweile dicker, sodass man die Mitarbeiter ergonomisch entlasten will. „Wir brauchen sie trotzdem.“ Stellenabbau sei in Zusammenhang mit der Investition kein Thema. Aktuell arbeiten 165 Mitarbeiter im Werk Linx. Sie produzieren derzeit zwischen 13 und 15 Häuser pro Woche. Im Werk Wenden (Sauerland) sind es fünf bis sieben Häuser pro Woche. Auch dort wurden die Maschinen schrittweise ersetzt.

„Früher hatte ja auch nur die S-Klasse einen Airbag“

Mittlerweile hat WeberHaus nur noch einen Wandtyp im Sortiment, das dient der Standardisierung. Jedes 2020 beauftragte WeberHaus hat zudem Fotovoltaikanlage, Stromspeicher, Wärmepumpe und Haussteuerung im Standard. „Der Kunde kommt in den Genuss der höchstmöglichen staatlichen Förderung“, sagt Schwendemann. Dieses Bündel sei eine Aktion im Jubiläumsjahr. Man setze aber darauf, damit erneut einen neuen Standard etablieren zu können. Schwendemann: „Früher hatte ja auch nur die S-Klasse einen Airbag.“

Wegen der Corona-Pandemie waren die Bauforen der Branche mit ihren Musterhäusern bundesweit geschlossen. Auch die Ausstellungshäuser der „World of Living“ genannte WeberHaus-Erlebniswelt waren zwei Monate lang dicht. Dadurch gab es vor Ort zwar keine Besucher.

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Das Interesse an Katalogen, Prospekten und am Internet-Auftritt hat nach Jagers und Schwendemanns Worten aber enorm zugenommen. Das Bewusstsein der Menschen für ein Eigenheim mit Garten sei deutlich gestiegen. Das große Auto oder teure Reisen seien auch wegen der Klimadebatte keine großen Statussymbole mehr, sagt Schwendemann. Corona habe den Bewusstseinswandel verstärkt, von dem WeberHaus profitieren möchte. Jager formuliert es so: „My Home is my Castle – mein Zuhause ist mein Schloss. Zuhause bin ich sicher.“