Musikunterricht im Freien ist nur bedingt eine mögliche Alternative, nachdem die Kommunen ihre Räume auch für die Musikschulen und Musiklehrer schlossen. Hier Manfred Huber mit seiner Schülerin Nathalie Schindle | Foto: Spether

Corona-Verordnung

Wegen Corona findet der Musikunterricht in Achern zwischen Bäumen und Reben statt

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Wegen der Corona-Krise dürfen Musiklehrer keine gemeindeeigenen Räume oder Proberäume von Musikvereinen nutzen. Musikunterricht per Videokonferenz ist eine Alternative, funktioniert aber nicht immer. Musiklehrer Manfred Huber aus Achern hat seinen Unterricht daher kurzerhand ins Freie verlegt.

Von unserem Mitarbeiter Roland Spether

Duftende Blumen, summende Bienen, zwitschernde Vögel! Das Musikzimmer von Manfred Huber und seinen Schülern befindet sich inmitten der Natur mit Obstwiesen und Feldern. Es ist zumindest so lange optimal, wie die Sonne scheint, es warm ist.

„Durch die Corona-Krise hatten die Musikschulen und Musiklehrer von heute auf morgen keine Unterrichtsräume mehr“, so Manfred Huber, Leiter der privaten Musikschule „Klangfabrik“. Es begann die Suche nach einer Alternative wie Skype und Zoom. Denn immerhin ging es um 25 Musiklehrer, die von jetzt auf nachher nicht mehr unterrichten konnten.

Für uns Musiker gibt es zwar auch Soforthilfe, aber die hilft nur bedingt.

Manfred Huber, Leiter der Musikschule „Klangfabrik“

„Für uns Musiker gibt es zwar auch Soforthilfe, aber die hilft nur bedingt, um Mieten für Proberäume oder sonstige geschäftliche Ausgaben zu bedienen. Lebenshaltungskosten gehören da nicht dazu. Für diese sollen wir, studierte und hochgradig qualifizierte Fachkräfte, die Grundsicherung beantragen“, so Manfred Huber.

Einzelunterricht ist während Corona nur „auf eigene Rechnung“ möglich

Nach der Schließung von gemeindeeigenen Räumen wie Schulen und Probenräume von Musikvereinen stand er vor einem weiteren Problem. Die Anordnung von Land, Kreis und Kommunen war klar: In öffentlichen Räumen darf kein musikalischer Einzelunterricht erteilt werden darf, auch nicht in Vereinsräumen. Wenn der Musiklehrer aber „auf eigene Rechnung“ arbeitet, ist Einzelunterricht möglich. Dies bestätigte Manfred Huber auch das Gesundheitsamt am Ende der Osterferien.

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Nun hoffen Manfred Huber und seine Musiklehrer, dass es nach den jüngsten angekündigten Lockerungen durch das Land Baden-Württemberg auch für die freischaffenden Musiker und Musikerinnen wieder etwas mehr Spielraum gibt.

Virtueller Unterricht ist nicht immer eine Alternative

Virtueller Unterricht über Skype sei durchaus eine Möglichkeit und wurde auch von vielen Musiklehrern praktiziert. Gleichwohl fehle bei diesem Unterrichten über Bildschirme einfach die räumliche und persönliche Nähe. Hinzu komme, dass nicht jeder über das geeignete technische Equipment verfüge. Von einer konstant guten WLAN-Verbindung ganz zu schweigen.

Auch Manfred Huber unterrichtete über Skype, doch es fehle das gemeinsame Spiel und die zwischenmenschliche Begegnung. Dazu kämen miserable Tonqualität und Latenzprobleme technischer Natur.

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Weder über Skype noch vor Ort in einem Raum sei musikalischer Gruppenunterricht möglich. Viele Bläserklassen und Projekte mit Musikvereinen könnten nicht stattfinden. Auch könne man derzeit keine neuen Projekte planen, was für die Zukunft wirtschaftliche Probleme bringt. Deshalb müssten seitens der Politik dringend Lösungen her, um den Musiklehrern zumindest ein Unterrichten mit gebührender Distanz zu ermöglichen und damit auch ein existenzielles Standbein. Alle freischaffenden Musiklehrer hätten das gleiche Problem, dass jede Menge Auftritte bei Konzerten, Festen und Veranstaltungen weggebrochen sind. Damit auch dringend benötigte Einnahmen. Nun erhoffen sich Manfred Huber und seine Kollegen, dass es nach der Öffnung von Geschäften auch offene kommunale Räume zum Unterrichten und Möglichkeiten für Auftritte gibt.