Weihbischof Michael Gerber weiht den neuen Altar der Jugendkirche in Fautenbach | Foto: Erzdiözese Freiburg

Altarweihe in Fautenbach

Weihbischof Michael Gerber: „Auf Bedürfnisse von Menschen reagiert“

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Der aus Oberkirch stammende Weihbischof Michael Gerber wird am Sonntag, 10. Februar, 10.30 Uhr, den neu geschaffenen Altar in der Jugendkirche der Seelsorgeeinheit Achern in Fautenbach weihen. Michael Gerber ist seit 2013 Weihbischof der Erzdiözese Freiburg und wird am 31. März in sein Amt als Bischof von Fulda eingeführt. Er wird in Fulda der jüngste Bischof einer deutschen Diözese sein. Mit Bischof Michael Gerber unterhielt sich ABB-Mitarbeiter Michael Karle.

Veränderte Rahmenbedingungen

Sehr geehrter Herr Weihbischof, so eine Altarweihe ist ein besonderer Anlass. Wie viele Altarweihen wird es denn in zehn Jahren noch geben?

Michael Gerber: Für mich ist es in diesem recht jungen Jahr 2019 immerhin schon die zweite Altarweihe. Bei der ersten Altarweihe am Dreikönigstag im Kloster St. Lioba in Freiburg war dies auch der Abschluss einer grundlegenden Renovierung. Beide Altarweihen zeigen mir auf, dass hier die Kirche auf veränderte Rahmenbedingungen und Bedürfnisse von Menschen reagiert. Zahlen für 2029 kann natürlich heute noch niemand nennen, aber es spricht nach derzeitigem Stand vieles dafür, dass anstehende Veränderungen unter anderem auch zu Altarweihen führen.

„Der Papst macht es uns vor“

Notwendige Veränderungen machen sich aber doch nicht nur an baulichen Fragen fest. Was halten Sie denn für wichtig, damit die Kirche auch in der jungen Generation wieder ein Lebensort wird, damit Jugendliche ihr Leben wieder mit dem Glauben verbinden?

Michael Gerber: Wichtig ist in meinen Augen ein personales Angebot, sowohl von Haupt- als auch von Ehrenamtlichen. Es braucht Menschen, die verbindlich dranbleiben an den Prozessen und an den Wegen junger Menschen. Das habe ich bei der „Jugendkirche Samuel“ in Mannheim – die gerade ein Jahr ohne Dekanatsjugendseelsorger auskommen muss – im Herbst sehr eindrucksvoll erlebt. Es ist gelungen, einen Stamm Jugendlicher bzw. junger Erwachsener aufzubauen, die diesen Ort beleben. Ähnlich habe ich es bei vielen Begegnungen bei der Ministranten-Romwallfahrt erlebt. Kirche wächst dort in der jungen Generation, wo Menschen eine Option treffen. Dies gilt für die Kirche als Ganzes. Der Papst macht es uns vor mit Jugendsynode und Weltjugendtag. Die jetzt anstehende 72-Stunden-Aktion des BDKJ im kommenden Mai ist auch eine sehr gute Gelegenheit. Auch mir selbst ist eine solche Schwerpunktsetzung wichtig. Ich bin dankbar, dass ich vergangenen Sommer insgesamt knapp drei Wochen mit jungen Menschen unterwegs sein konnte. Auch im Bistum Fulda will ich diesbezüglich einige Akzente setzen.

Es kann nicht einfach um „Werbung“ gehen

Was wird Kirche denn über Bord werfen müssen, um wieder oder weiter anzukommen bei der jungen Generation, was muss sie denn auch behalten?

Michael Gerber: Die Leitfrage darf nicht sein: „Wie kommen wir bei jungen Menschen an?“ Es kann nicht einfach um „Werbung“ gehen. Vielmehr muss es die Frage sein – und die gilt für alle Generationen: „Wie wird Kirche als ein Ort erfahren, wo Menschen das Herz aufgeht? Wo machen Menschen die Erfahrung, das, was in mir lebt an Sehnsucht und an Vitalität, das kommt in Berührung mit Jesus Christus und mit seinem Evangelium.“ Dafür braucht die Kirche ganz unterschiedliche Erfahrungsräume. Ich denke etwa an das Engagement im karitativen Bereich. Unter dem Stichwort „young caritas“ gibt es da sehr interessante Projekte für junge Menschen. Vor einiger Zeit war ich in einer Gemeinde eingeladen, da treffen sich alle vier Wochen gut 20 junge Leute mit ihrem Pfarrer zu einem intensiven Austausch über Glaubensfragen. Meine Begegnungen in Taizé haben mich vor einiger Zeit für die Frage nach jugendgemäßen Gottesdienstformen neu sensibilisiert. Gesungen werden einfache Lieder, es gibt lange Zeiten der Stille. Das ist ein Kontrasterlebnis zur Betriebsamkeit des Alltags. Gerade in solchen Momenten wird spürbar, da wird in der Seele von Menschen ganz tief etwas angerührt.

„Hohes Maß an Sensibilität nötig“

Die Jugendkirche wird weiterhin im Sinne einer „Tandemkirche“ auch als Kirche der Pfarrgemeinde genutzt. Wie stehen Sie dazu?

Michael Gerber: Das braucht natürlich von allen Beteiligten ein hohes Maß an Sensibilität. Aber darin liegt auch eine Chance. Gerade in einer Zeit, in der verschiedene Milieus und Lebenswelten auseinanderdriften, brauchen wir gewissermaßen „Übungsorte“, um füreinander sensibel zu werden, zu verstehen, was die Bedürfnisse anderer Menschen sind und weshalb diese ebenfalls legitim sein können. Es braucht sicherlich immer wieder Foren, wo die unterschiedlichen Erfahrungen und Erwartungen ins Gespräch gebracht werden. Die Kirche kann also mit solchen konkreten Projekten wie in Fautenbach eine wichtige kulturprägende Funktion haben.

Ein großer Festtag steht für die Seelsorgeeinheit Achern und die Gemeinde Fautenbach bevor. Am Sonntag, 10. Februar, 10.30 Uhr, wird der Altar der Jugendkirche geweiht und der ebenfalls neu gefertigte Ambo gesegnet. Der neue Altar wurde vor Ort in der Kirche fertiggestellt. Hubert Manz von der „fischer group“ brachte das in dem Fautenbacher Unternehmen aus Edelstahl gefertigte Unterteil des Altars. Zusammen mit der runden Altarplatte aus Birnbaumholz von der Oberacherner Massivholz-Manufaktur Christoph Burkhard ist  eine noch einzigartige Kombination entstanden. Sie steht, so der Pfarrer, auch für die gute Verbindung von „jung“ und „alt“. Bewährtes und Neues sollen hier zusammenkommen. Bischof Michael Gerber nimmt in der Eucharistiefeier den Weiheakt vor. Der künftige Bischof der Diözese Fulda, so Pfarrer Joachim Giesler, wird mit der Liturgie und dem eindrücklichen Weiheritus auch „manuelle Arbeit“ haben, wenn etwa die Reliquien „ins Grab“ des Altars gelegt werden. In musikalischer Hinsicht soll der Gottesdienst durch Kirchenchor und den Jungen Chor aus Fautenbach zum Glanzlicht werden. „Auch da haben wir ältere und junge Menschen zusammengeführt“, sagt Kantor Frank Hodapp. Pastoralassistentin Lisa Gerster, hauptamtliche Ansprechpartnerin der Jugendlichen, wird zusammen mit diesen dem „Übergangsaltar“, der jetzt seinen Platz verliert, einen speziellen Platz im Kirchenraum zuweisen. Die Altarweihe wird live im Internet (www.ebfr.de, unter www.kath-achern.de) sowie im YouTube-Kanal der Erzdiözese unter https://www.youtube.com/user/erzbistumfreiburg übertragen.

 

Michael Karle