Goldene Aussichten: Die Reben stehen Dank der zahlreichen Sonnenscheinstunden in diesem Sommer bestens da. So früh wie selten zuvor kann die Lese in den Weinbergen wie bei Obersasbach beginnen. | Foto: bfc

Üppige Reben im Raum Achern

Weinlese beginnt bereits Ende August

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Der „Goldene Oktober“ ist 2018 im Raum Achern bereits im September. Nach Monaten voller Sonnenschein beginnt in Kürze die Weinlese. Im „Goldenen Dreieck“ des Spätburgunders zwischen Kappelrodeck, Waldulm und Sasbachwalden wird es in diesem Herbst ein wahres Weinparadies geben. Denn nach einem optimalen Wetter von der Blüte über die Reife bis zur Lese gab es aus allen drei Weinorten Komplimente über den zu erwartenden edlen Rebensaft, der nach aktuellem Stand bei seiner qualitativen Bewertung im Vergleich der vergangenen Weinjahre ganz weit oben eingeordnet wird.

Wie selbst Laien sehen können, stehen die Weinberge glänzend da, das Blattwerk hat trotz der langen Trockenheit ein sattes Grün und an den Rebstöcken hängen so viele Trauben, dass zugunsten einer hohen Qualität teils eine Reduktion vorgenommen wurde. Wenn jetzt in den nächsten Wochen das Wetter seinen normalen Verlauf nimmt und Hagel und Unwetter den hiesigen Weinbergen fern bleiben, dann werden die Winzer einen Herbst einfahren, wie sie und die Weinfreunde sich ihn in den schönsten Träumen wünschen.
In den Rebbergen der „Hex vom Dasenstein“ beginnt die Lese an diesem Dienstag, 28. August, für den Rosé-Wein deshalb so früh, weil die Entwicklung der Mostgewichte sehr gut lief.

Mostgewichte könnten explodieren

„Wir haben einfach die Bedenken, dass es jetzt sehr schnell gehen kann, dass die Mostgewichte quasi explodieren und das darf bei Rosé nicht sein, der maximal zwischen 88 und 90 Grad Öchsle haben darf“, so Kellermeister Alexander Spinner bei einem Vororttermin mit Geschäftsführer Marco Köninger direkt unterhalb des Dasensteins. „Wir wollen einen frischen Rosé und keinen alkohollastigen Wein und deshalb müssen wir anfangen.“

Reben früher in der Entwicklung als 2003

Der Rotwein darf gerne 100 Grad Öchsle haben, denn der Rotwein lebt vom Alkohol, so Alexander Spinner, der auch deutlich machte, dass es aufgrund der fortgeschrittenen Reife einen „sehr schnellen Herbst“ geben wird. „Wir sind in den Reben sehr früh in der Entwicklung, früher noch als 2003, als es einen extrem langen und heißen Sommer gab.“ Damals war es so, dass innerhalb weniger Tage die Öchsle um 15 bis 20 Grad nach oben schnellten und es dann auch einen zu hohen Alkoholgehalt gab. Deshalb muss man jetzt anfangen, um die gewünschte Qualität zu erzielen und nicht vor dem Problem zu stehen, alles auf einmal herbsten zu müssen.

Dreistellige Mostgewichte erwartet

„Hohe Mostgewichte ergeben nicht automatisch einen guten Wein, es geht auch um die innere Reife und Wertigkeit der Trauben“, so Bernhard Ganter, Qualitätsberater der Alde Gott Winzer Schwarzwald eG. Auch er zog den Vergleich zu dem Supersommer 2003 und prognostizierte, dass sich der 2018er Wein nach einer „optimalen bis maximalen Blüte“ im Frühjahr und einer kerngesunden Entwicklung und Reife in der Reihe der „Topjahrgänge“ wiederfinde und der Spätburgunder dreistellige Mostgewichte erreicht.

Erster Lesetag für „Neuen Süßen“ am 30. August

Aufgrund der jetzt schon „sehr reifen Trauben“ muss eine differenzierte Lese erfolgen und genau geschaut und überlegt werden, welche Sorte wann geerntet wird. Beim „Alde Gott“ soll es am 3. September losgehen, so Bernhard Ganter, der wie seine Kollegen damit rechnet, dass der Herbst Ende September im Keller ist.
Das gilt auch für die Rotweingemeinde Waldulm, in der am 30. August nach Auskunft von Kellermeister Johannes Jäger ein erster Lesetag für Neuen Süßen stattfindet. Vom 3. September an soll es dann sukzessive mit der Hauptlese beginnen, wobei die hohen Mostgewichte einen „klassischen Rotwein“ erwarten lassen. Die ersten Öchsle-Proben lassen auch in Waldulm einen „sehr guten Jahrgang“ erwarten, der Kellermeister geht im „Goldenen September“ von etwa einer Million Liter edlen Weines aus.

Von Roland Spether

Dass der Klimawandel auch in den Rebbergen seinen Einzug gehalten hat, bestreitet niemand und ist nicht zuletzt an der sehr frühen Reife und an Rebsorten zu sehen, die früher in den hiesigen Weinbergen nicht zu finden waren.
„Wir müssen lernen umzudenken und uns den Gegebenheiten anpassen“, so Marco Köninger, der auch betonte, dass die Winzer aus den heißen und trockenen Sommern der Vorjahre lernten und daraus ihre Lehren zogen. Einem etwa 15 Jahre alten Rebstock machen Hitze und Trockenheit keine Probleme, wohl aber den jungen Stöcken, so dass die Winzer langfristig um eine Bewässerung ihrer Anliegen nicht umhin kommen. In Kappelrodeck wurden auch bereits Sorten wie Merlot, Tempranillo und Cabernet Sauvignon gepflanzt, die mit hohen Temperaturen und Trockenheit sehr gut zurechtkommen.
Vor Jahren sind diese südländischen Sorten im Achertal nicht gewachsen und Geschäftsführer und Kellermeister waren sich einig, dass solche Rebsorten bedingt durch den Klimawandel noch mehr angebaut werden. sp