Offene Fragen: Wie die nun leer stehende Pestalozzischule in Memprechtshofen genutzt wird, ist noch unklar. Das Gebäude kann nun offiziell von seiner ehemaligen Funktion als Förderschule entwidmet werden. | Foto: Christian Schäfer

Neuer Schulbezirk für Rheinau

Weitere Debatte nach Aus der Förderschule Memprechtshofen

Nach einer teils emotionalen Debatte hat der Rheinauer Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung mit sieben Gegenstimmen für eine Förderschulvereinbarung mit den Gemeinden Kehl und Willstätt votiert. Damit können nach der Schließung der Förderschule in Memprechtshofen im vergangenen Jahr Rheinauer Förderschüler die Kehler Albert-Schweitzer-Schule offiziell besuchen. Für Schüler aus dem nördlichen Rheinau besteht auch die Option, eine Bühler Bildungseinrichtung zu wählen. Die Inklusionsklasse in der Werkrealschule Freistett bleibt ebenfalls bestehen.

Mit der Vereinbarung ist der Weg für eine Entwidmung des Schulgebäudes in Memprechtshofen frei. Wie es künftig genutzt wird, ist derzeit offen. Das Gros der Rheinauer Förderschüler ist seit diesem Schuljahr in einer Inklusionsklasse der Werkrealschule Freistett. „Nach derzeitigem Stand gehen ein bis zwei Schüler nach Kehl“, erklärt Bürgermeister Michael Welsche und ergänzte: „Wir sind froh, dass wir die Inklusionsklasse in der Werkrealschule trotz Raumprobleme behalten können.“ Dennoch sei eine Vereinbarung für einen Förderschulbezirk notwendig. Das Vertragswerk hat zugleich eine Hintertür. Sollte tatsächlich wieder einmal in Rheinau eine Förderschule angesiedelt werden oder die Förderschule in Achern auch Kapazitäten für Rheinauer Schüler haben, könnte Rheinau aus der Vereinbarung mit Kehl und Willstätt aussteigen, erläuterte Hauptamtsleiter Thomas Bantel.

Harte Kritik an Regierungspräsidium

CDU/FWG-Fraktionsvorsitzender Christian Dusch ging mit dem Regierungspräsidium als Schulaufsichtsbehörde hart ins Gericht. Als untragbar empfindet er die Art und Weise, wie die Behörde mit der Stadt Rheinau umgegangen sei. „Zuerst werden wir bedrängt, die Schule zu schließen. Und jetzt müssen wir der Vereinbarung zustimmen“, verdeutlichte er seinen Unmut. Dusch befürchtet, dass die Schulverwaltung Rheinau „von oben herab weiterhin schlecht behandelt“. Seine Fraktion werde geschlossen gegen die Vereinbarung stimmen.

Schließung der Förderschule im September 2017

Hintergrund: Da aus Sicht des Oberschulamtes nur noch wenige Schüler in die Pestalozzischule gegangen sind, die Klassen immer kleiner wurden, verhandelte die Behörde im vergangenen Schuljahr mit Eltern und Schüler, andere Einrichtungen zu besuchen. Rheinauer Stadtverwaltung und Gemeinderat fühlten sich übergangen und warfen dem Oberschulamt vor, die Schule „bewusst ausbluten zu lassen“. Nur widerwillig beschloss der Gemeinderat im September 2017 die Schließung der Schule, nachdem zu Schuljahresbeginn weder Schüler noch Lehrer in Memprechtshofen erschienen (der ABB berichtete ausführlich).

Weitere Gebäudenutzung offen

Die ganze Vorgehensweise empfindet SPD-Fraktionsvorsitzender Manfred Kreß als „unseriös“. Dennoch müsse man den Vertrag mit Kehl und Willstätt abschließen, um eine weitere Nutzung des Gebäudes in Memprechtshofen zu ermöglichen. Auch Achim Willems von der IG Handel unterstrich, dass das Gebäude weiter brachliegen würde, wenn der Gemeinderat der Vereinbarung nicht zustimmen würde. „Über das Verhalten des Regierungspräsidiums sind wir dennoch weiter erzürnt“, betonte Willems.

Mehr als eine Stunde Schulweg

Horst Siehl (SPD) warf die Frage der Verkehrsanbindung von Rheinau zur Albert-Schweitzer Schule auf: Welsche erklärte, dass diese gewährleistet sei. Dennoch: „Dass gerade Schüler, die mehr Fürsorge brauchen, mehr als eine Stunde mit dem Bus unterwegs sein müssen, war ein Argument gegen eine Schulschließung“, betonte das Rheinauer Stadtoberhaupt.