Fusion geplant: Die Winzergenossenschaften Kappelrodeck und Oberkirch wollen zusammengehen. | Foto: red

Kappelrodeck und Oberkirch

Weitere Fusion bei Winzergenossenschaften zeichnet sich ab

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Die Winzergenossenschaften in Kappelrodeck und Oberkirch planen die Fusion. Es ist nicht die einzige Ehe unter den Weinerzeugern in der Region, aber eine von herausragender Bedeutung. Denn mit Kappelrodeck und Oberkirch werden sich, wenn die Mitglieder im September zustimmen, zwei Betriebe mit langer Tradition und überregionalem Ruf zusammenschließen. Die Generalversammlungen der beiden Betriebe sollen noch in diesem Jahr die entsprechenden Beschlüsse fassen, die Verschmelzung würde dann rückwirkend zum 1. Juli des Jahres wirksam.

„Auf Augenhöhe“

In einer Pressemitteilung am Montag war von einer Fusion „auf Augenhöhe“ die Rede, doch ein Blick auf die Zahlen macht deutlich, dass hier doch zwei ungleich große Partner zusammengehen wollen: Kappelrodeck würde 185 Hektar Rebfläche einbringen, Oberkirch 485. Das macht zusammen rund 670 Hektar und damit eine der leistungsfähigsten Genossenschaften Badens. Für Markus Ell, Geschäftsführender Vorstand, sagen diese Zahlen nicht die volle Wahrheit: „Beide Häuser haben ein gutes Image, und beim durchschnittlichen Erlös wie der Bewertung des Weinbestands liege man eng zusammen.

Die Hex gibt es weiterhin

Wichtig für die Kappelrodecker: Die Hex vom Dasenstein werde, so macht Ell deutlich, weiter eine zentrale Rolle spielen, Erfassung und Ausbau blieben in Kappelrodeck: „Der Ausbau in Kappelrodeck ist das Rückgrat der Hex vom Dasenstein“.

Markenkerne sollen bleiben

Die Markenkerne in Oberkirch und Kappelrodeck bleiben erhalten, signalisiert Ell weiter; dies gelte auch für die Villa Heynburg, mit der man im Achertal ein ganz eigenes Image aufgebaut hat. Laut Ell haben Vorstände und Aufsichtsräte beider Häuser der Verschmelzung bereits zugestimmt, das letzte Wort liege bei den Generalversammlungen. Zuvor allerdings stünden Sondierungsgespräche an, wie die Genossenschaften am Montag in einer Pressemitteilung bekannt gaben. Gleichzeitig wurden die Mitgliedsbetriebe und auch die Mitarbeiter über die Pläne informiert. Ell sieht keine Alternative zu dem geplanten Schritt: „Es geht um die Zukunftsfähigkeit und um die strategische Planung“.

Personalabbau absehbar

Unklar ist unter anderem, welche personellen Auswirkungen eine Verschmelzung haben würde. In Oberkirch, so Ell auf Nachfrage dieser Zeitung, habe man drei in jüngster Vergangenheit frei gewordene Stellen bereits nicht mehr besetzt, um so einen gewissen Spielraum zu haben. Insgesamt sei geplant, den absehbaren Personalabbau durch natürliche Fluktuation auszugleichen. Noch keine Details nennt Ell zur Frage, wie es in der Chefetage weitergeht. Schließlich hat auch Kappelrodeck mit Marco Köninger einen geschäftsführenden Vorstand.

Lange Zusammenarbeit

Die Frage werde sein, so Ell, „wie die Aufgaben verteilt werden“. Auch dies sei Gegenstand der Sondierungsgespräche. Köninger selbst verwies gestern auf die lange Zusammenarbeit der beiden Genossenschaften zunächst im Vertrieb und seit 2012 auch bei der Abfüllung, doch es sei vereinbart, dass Markus Ell in der Frage der Verschmelzung Ansprechpartner für die Medien sei.

Pläne nicht ganz überraschend

Tatsächlich kommt das Zusammengehen der beiden Genossenschaften nicht völlig aus blauem Himmel. Im August 2012, also vor genau sechs Jahren, hatten Kappelrodeck und Oberkirch eine weitreichende Zusammenarbeit bei der Vermarktung und Abfüllung angekündigt und eine gemeinsame Vertriebsgesellschaft aus der Taufe gehoben – man rückte so eng zusammen, wie es ohne formelle Fusion gerade noch möglich war. Zuvor war bekanntlich ein Zusammengehen mit der benachbarten Waldulmer Winzergenossenschaft gescheitert – Kappelrodeck litt in der Folge unter drückender Raumnot am Standort im Ortskern. Das allein ist es nicht. Die Winzergenossenschaften sind generell unter Preisdruck, allerorten wird nach Synergien gesucht. Gleichwohl heißt es aus Kappelrodeck und Oberkirch: Man agiere aus einer Position der Stärke heraus, es herrsche keine Not, die zu einem Zusammengehen zwinge.

Brisante Marktsituation

Kappelrodecks Bürgermeister Stefan Hattenbach verwies am Montag auf die „brisante Marktsituation“, mit der nahezu kein Weinbetrieb in Baden richtig zufrieden sein könne. Wichtig sei aber, dass die WG im Ort verwurzelt bleibe: „Die Hex ist Kappelrodeck und Kappelrodeck ist die Hex“.