Weltstars wie Ack van Rooyen konzertierten schon im Vaya Casa. | Foto: Berthold Gallinat

Die Vaya Casa in Kappelrode

Weltstars im Rittersaal

Von Berthold Gallinat

Ein mächtiges Tor und Zinnen wie auf der Brustwehr einer mittelalterlichen Burg empfangen den Besucher, wenn er in Kappelrodeck die Gruppenherberge Vaya Casa betritt. Auch im Inneren ist das Gebäude ganz im mittelalterlichen Stil gestaltet. Der Innenhof wirkt wie ein Burghof und der zentrale Raum des Gebäudes, das „Palacio“, strahlt das Ambiente eines Rittersaals aus. Sabine und Christian Schmiederer haben das Haus als Herberge für Gruppen errichtet und betreiben es seit vier Jahren. In diesen vier Jahren ist das Vaya Casa aber auch zu einer einzigartigen Konzertlokalität geworden: Weltstars wie der Flügelhornist Ack von Rooyen oder Jazzgitarrist Al Di Meola traten hier auf.

Gäste mit klangvollen Namen

Am 30. April und am 1. Mai 2014 erlebte das Vaya Casa mit der Formation Sextakkord sowie Chris Moschberger und Jazzity zur Eröffnung seine beiden ersten Konzerte. Inzwischen treten namhafte Musikerinnen und Musiker mit ihren Formationen gerne im Vaya Casa auf und finden Atmosphäre sowie Akustik einzigartig. Der grandiose Flügelhornist Ack von Rooyen spielte im Vaya Casa, Spitzentrompeter Rüdiger Baldauf begeisterte mit seiner Band in zwei mitreißenden „Trumpet Nights“, einer „Vocal Night“ und mit einem „Jackson Trip“. Chris Barber, das Pasadena Roof Orchestra und die Klazz Brothers feat. James Morrison sowie Cuba Percussion und Bruno Böhmer Camacho spielten, US-Musiker wie Brian Chartrand und sein Trio gaben im Vaya Casa ein Konzert. Selbst ein so außergewöhnlicher Gast wie der in den USA lebende Lautenspieler Jozef van Wissem machte auf seiner Tour einen Abstecher ins Vaya Casa und auch die Petersburger Knaben sangen im „Palacio“.

Zweimal volles Haus für Al Di Meola

Zuletzt gab Weltgitarrist Al Di Meola ein Konzert und sorgte auf zwei hintereinander folgenden Veranstaltungen zweimal für ein volles Haus. Kabarett und Comedy mit Uli Boettcher und mit Helge und das Udo rundeten das Programmangebot ab. Seit 2014 gab es hier rund 50 Konzerte und acht Kabarettabende.

„War immer mein Traum“

Wie kommt es, dass solche Künstler weitab von bekannten Konzertsälen in Großstädten wie München, Hamburg oder Berlin in einem kleinen Haus mit gerade einmal 150 bis 170 Plätzen auftreten? Mehrere Faktoren spielen dabei eine Rolle. In erster Linie die Musikbegeisterung Christian Schmiederers, der selbst als Saxofonist und Mitglied in der ehemaligen No Name Big Band und jetzt bei Sextakkord Musik machte und macht. „Dass in unserer Herberge  auch richtig tolle Musikveranstaltungen stattfinden, war immer mein Traum, sonst hätte es kein „Palacio“ gebraucht“, bekennt Christian Schmiederer. Seine Frau Sabine und die beiden Söhne Kevin und Tobias ziehen voll mit, bewirten die Gäste an den Konzertabenden, sitzen an der Kasse oder filmen und fotografieren auch. Für Letzteres ist Tobias inzwischen Experte. Des Weiteren helfen Freunde bei Konzertabenden, wofür Sabine und Christian Schmiederer sehr dankbar sind.

Atmosphäre wird geschätzt

Alles zusammen ergibt bei den Veranstaltungen eine familiäre Atmosphäre, die von den Musikerinnen und Musikern und ihren Bands sehr geschätzt wird. Die großen Konzertsäle sind das eine, aber in kleinen Clubs, aus denen heraus in der Musikgeschichte schon viele Karrieren entstanden, spielen die Künstler ebenfalls sehr gerne. Denn in diesem Ambiente sind hautnahe Begegnung und Atmosphäre möglich. Und Clubs mit Atmosphäre sind rar geworden.

Unterkunft in mittelalterlichen Gemächern

Nicht zuletzt finden die Künstler im Vaya Casa Unterkunft – und wem würde es nicht einmal Freude bereiten, in mittelalterlichen Gemächern mit so edlen Namen wie „Don Lorenzo“, „Don Orlando“ „Don Stefano“ und anderen mehr zu übernachten? Rüdiger Baldauf nutzt das Vaya Casa zudem als „Musikcamp“, seinen Konzerten gehen mehrtägige Musikseminare voraus, auf denen sich Amateurmusiker der Region fortbilden.

Künstler kommen auf Empfehlung

„Am Anfang ist das Engagement vor allem über das Internet gegangen. Ich habe bei den Agenturen angefragt und vor allem immer einen Link zu unserem Haus mitgesendet. Wer Interesse hatte, hat geantwortet – und so fanden wir zueinander,“ berichtet Christian Schmiederer. Inzwischen hat das Vaya Casa bei Musikern und ihren Formationen einen Namen und wird empfohlen. „Geld verdiene ich damit nicht, die Konzerte und Kabaretts sind reine Liebhaberei. Und ohne das finanzielle Polster aus dem Kerngeschäft unserer Vermietung wären die Veranstaltungen nicht möglich.“ Immerhin bewegte sich die eine und andere Gage im fünfstelligen Bereich. Und dann gab es auch schon Veranstaltungen, bei denen er vom Zuspruch enttäuscht war. Auf der anderen Seite freut er sich jedes Mal sehr, wenn sein Haus knallvoll ist und Besucher sogar lange Wege aus der Schweiz und auch aus München auf sich nahmen, um einen Künstler zu hören.