Die Kappler Fastnacht hat eine lange Tradition. Das Bild stammt aus dem Jahr 1903 und zeigt den närrischen Aufmarsch vor dem Gasthaus „Zum Löwen“.
Die Kappler Fastnacht hat eine lange Tradition. Das Bild stammt aus dem Jahr 1903 und zeigt den närrischen Aufmarsch vor dem Gasthaus „Zum Löwen“. | Foto: Archiv

Narrenzunft such nach Lösungen

Wirtshaussterben macht Kappler Fastnacht zu schaffen

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Die Kappelrodecker Fastnacht ist Kult. Schudis und Pröpperle feiern traditionell in den einheimischen Lokalen. Weil die aber immer weniger werden, ist guter Rat teuer. Um die jährlich große Nachfrage der Besucher von auswärts zu befriedigen, sucht die Narrenzunft nach Lösungen.

Von unserem Mitarbeiter Roland Spether

„Früher gab es in Kappel 17 Wirtschaften, und an Fastnacht sind wir als Schudi von einer zur anderen gezogen.“ Ehrenpräsident Martin Lamm schwärmt geradezu von den 1960er Jahren, als er – ein blutjunger Schudi – im Dorf unterwegs war.

Das Spektrum der Gaststätten reichte von „Blume“, über „Sonne“ und „Kranz“ weiter zum „Warteck“, „Löwen“ und „Ochsen“ und führte auch zum „Badischen Hof“, in den „Engel“ und den „Adler“. Daran erinnern sich auch die Urgesteine der „Kappler Fasnacht“, Präsident Josef „Sepp“ Müller und Schudivater Ludwig Kohler.

Wirtshäuser werden immer weniger

Auch wenn Kappelrodeck immer noch die ultimative Schudi-Hochburg ist, eine unschlagbar schöne Fastnacht nach dem Motto „Traditionell originell, aktuell – Kappel First“ pflegt und überhaupt keine Nachwuchssorgen hat, so hat sich im Laufe der Jahre doch eines geändert: Die Wirtshäuser wurden immer weniger.

Aktuell sind es in Kappelrodeck noch acht Lokale, doch Ende November schließt auch das traditionsreiche „Warteck“. Kein Wunder, dass da derzeit bei den Verantwortlichen der ältesten Narrenzunft weit und breit die Köpfe qualmen, denn das seit Urzeiten vererbte Lebenselixier der „Kappler Fasnacht“ ist das spontane, lebensfrohe Schuditreiben in den Gasthäusern mit uriger Gaudi und herzhaftem Mutterwitz.

Suche nach Lösungen: Ehrenpräsident Martin Lamm, Schudivater Ludwig Kohler und Präsident Josef „Sepp“ Müller.
Suche nach Lösungen: Ehrenpräsident Martin Lamm, Schudivater Ludwig Kohler und Präsident Josef „Sepp“ Müller. | Foto: esp

Deshalb brauchen die Narrenzunft und die über 30 Schudi-Gruppen pro Abend mit weit über 200 Duppe, Pröpperle und Stumme Bure die Gasthäuser. Um die jährlich sehr große Nachfrage der Besucher von „uswärts“ zu befriedigen, gibt es derzeit im Elferrat der Narrenzunft einige Überlegungen.

Schon seit vielen Jahren ist das Pfarrzentrum mit dabei, nun gehen Gedanken in die eine und andere Richtung, weitere Räumlichkeiten für die närrische Zeit vom Auftakt am 8. Februar 2020 bis zum Aschermittwoch am 26. Februar mit sechs Schudiabenden zu öffnen, so Josef Müller.

Narrenzunft sucht nach Lösungen

Klar sei, dass nach Lösungswegen gesucht werde und es auch konkrete Ansatzpunkte gebe, so der sehr zuversichtliche Präsident der Narrenzunft 1811, die womöglich viel älter als bisher angenommen ist. Keine Option ist es, die traditionelle Zeit der typisch „Kappler Fastnacht“ etwa zu verlängern und damit die Zahl der Schudiabende zu erhöhen, um noch mehr Gästen das Eintauchen in die Schudinacht zu ermöglichen.

Überhaupt nicht vorstellbar ist es für Präsident und Schudivater, dass die Schudis ihre bärenstarke Kunst quasi exportieren und diese außerhalb des Kapplertals in den Narrennestern oder in Hallen bei Brauchtumsabenden oder gar Prunksitzungen aufführen.

„Unsere Fastnacht ist Kappel, sie bleibt in Kappel und wer sie erleben möchte, muss halt zu uns kommen“, so Josef Müller. Dem stimmte der „Vater“ aller Schudi, Ludwig Kohler voll und ganz zu – er zeigte sich zum Thema Gasthäuser und Lokalitäten so sicher, wie die Hex zum Dasenstein gehört: „Wir schaffen das, denn das ganze Dorf steht hinter der Kappler Fastnacht.“