Markus Ell führt seit der Fusion die Winzergenossenschaften aus Oberkirch und Kappelrodeck. | Foto: Oberkircher Winzer

Kappelrodeck und Oberkirch

Wo stehen die beiden Winzergenossenschaften ein Jahr nach der Fusion?

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Die Hex blickt jetzt ins Renchtal: Ein Jahr nach der Fusion haben  die Winzergenossenschaften Kappelrodeck und Oberkirch weitgehend zusammengefunden. Ein Blick hinter die Kulissen der neuen Groß-WG in der Ortenau.

Es war ein Beben in der Weinbranche. Mit den Winzergenossenschaften Kappelrodeck und Oberkirch haben sich vor einem Jahr zwei Schwergewichte zusammengeschlossen.

Bei der ersten Bundesweinprämierung im Herbst dann ein Stoßseufzer im Achertal: Bei der Verleihung der Ehrenpreise wurde allen deutlich, dass man nun eben nicht mehr als die Winzergenossenschaft Hex vom Dasenstein auf dem Siegertreppchen steht, sondern als Oberkircher Winzer eG. Ein bitterer Moment.

„Die Stimmung ist gut“

Doch einer von ganz wenigen, wie Markus Ell deutlich macht. Als geschäftsführender Vorstand lenkt er jetzt die Geschicke beider Häuser – und lobt das Engagement der Mitarbeiter. Sie hätten den Umbruch mit enormem Aufwand bewältigt. Dabei sei viel Zusatzarbeit angefallen. Dennoch: „Die Stimmung ist gut.“

Behutsame Modernisierung

Von außen betrachtet, für den Kunden, hat sich nicht viel geändert in den beiden Genossenschaften. Doch, eines: Die Hex hat eine weitere Verjüngungskur hinter sich, und sie reitet jetzt auf dem Besen statt sich nur lässig daran festzuhalten. Eine Fußnote, aber eine die zeigt, Ell arbeitet behutsam an der Modernisierung des Traditionsbetriebs.

Ende der Bordeauxflaschen

„Die Hex fliegt jetzt über den Dasenstein“, sagt er im weitläufigen Kappelrodecker Chefbüro, in dem er mindestens zweimal in der Woche sitzt – unter anderem zum regelmäßigen „Kommunikationsfrühstück“. Da werden auch Neuerungen besprochen, wie die künftige Präsentation der Prädikatsweine. Die Hex verabschiedet sich von den Bordeauxflaschen, es kommt die Burgunderform für das gesamte gehobene Sortiment.

Über den Dasenstein reitet künftig die Hex auf ihrem Besen. | Foto: Löhnig

Neuerung ganz oben

Eine weitere Neuerung werde erst auf der Pro Wein im März in Düsseldorf vorgestellt: „Wir werden die Spitze unserer Qualitätspyramide völlig neu definieren.“ Apropos: Die Villa Heynburg, Experimentierfeld für den Kellermeister im gehobenen Bereich mit bemerkenswerten Weinen, wird es weiter geben, allerdings nicht mehr als rechtlich eigenständiger Betrieb.

Acht Stellen weniger

„Der Standort lebt“, sagt Ell zu Kappelrodeck, und das werde auch bei den Prämierungen so deutlich gemacht, wo immer es geht, mit der Marke Hex vom Dasenstein antrete.

Mehr zum Thema: Kellermeister verlässt die Hex vom Dasenstein

Ehrenpreise aber gingen bei der Bundesweinprämierung immer an eine Erzeugergemeinschaft, und die sei die Oberkircher Winzer eG.
Konsequenzen hat die Verschmelzung der Genossenschaften für die Mitarbeiterzahl, derzeit habe man acht Stellen weniger als vor der Fusion.

„Nicht eine Kündigung“

Der Abbau habe überwiegend, aber nicht nur, in Kappelrodeck stattgefunden, „aber wir haben nicht eine Kündigung ausgesprochen“. Noch sei der Umbau nicht abgeschlossen, da weiterhin zusätzliche Arbeiten durch die Umsetzung der Fusion anfallen. Wenn man wieder bei einem normalen Arbeitspensum angelangt sei, werde man überlegen, welche Optimierungen mit welchen Konsequenzen möglich seien. Derzeit gibt es in der Genossenschaft 63 Beschäftigte, zwei Drittel davon im kaufmännischen Bereich.

Sekt aus Kappelrodeck

Gestärkt werden, so Ell, solle im Achertal die Sektbereitung – „Kappelrodeck war schon immer ein sehr guter Sekterzeuger“. Die Kunden seien auch bereit, hier gutes Geld auszugeben.