Wolf Förderkulisse
Friedlich grasen diese Heidschnucken auf der Hornisgrinde. Einige Tierhalter in der Region wollen ihre Betriebe aufgeben, sollte es auch hier zu Vorfällen mit Wölfen kommen. In Baiersbronn soll ein Wolf Ende Juli Schafe gerissen haben, auch in Forbach wurde ein Tier gesichtet. | Foto: Berthold Gallinat

Förderkulisse in nördlicher Ortenau

Wolfsgebiet: Erste Förderanträge sind eingereicht

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Kommt der Wolf auch in die Region? In Baiersbronn hat Ende Juli ein Wolf Schafe gerissen, auch in Forbach wurde ein Tier gesichtet; die ersten Anträge zur Förderung von Präventionsmaßnahmen wurden bereits beim Landratsamt Ortenaukreis eingereicht. Zur „Förderkulisse Wolfsprävention“ zählen auch zahlreiche Gemeinden im Verbreitungsgebiet des Acher- und Bühler Boten. Die Stimmung dort reicht von Gelassenheit bis zu Kritik an einer „Nacht und Nebel“-Aktion.

Kritische Stimmen zur Förderkulisse Wolfsprävention

„Man hätte die Bewohner einbeziehen und nicht von oben herab bestimmen sollen – jetzt sind wir eben Wolfsgebiet“, sagt Seebachs Bürgermeister Reinhard Schmälzle. „Förderkulisse“ klinge zwar positiv, bringe für Gemeinden und Tierhalter aber auch Nachteile: „Wenn man die Bedingungen nicht mehr erfüllen kann, und es passiert einmal etwas, gibt es keine Förderung mehr“. Außerdem würden Zäune, die Weidetiere vor dem Wolf schützen sollen, verhindern, dass sich andere Wildtiere frei bewegen können. Schmälzle sieht das Vorrücken des Wolfs kritisch: Luchse beispielsweise würden nur Tiere reißen, die sie tatsächlich brauchten, Wölfe dagegen alle. „Viele Halter sagen bei uns: Wenn der Wolf da ist und hier einmal etwas passiert, dann wollen sie ihre Betriebe aufgeben“, so Schmälzle. Seebach habe wertvolle Naturlandschaften auf den Grinden mit Pflanzen, die dort erhalten werden sollen, weshalb man die Flächen nicht zuwachsen lassen will. Die Frage sei, wer diese dann pflege, wenn die Betroffenen die Tierhaltung aufgeben.

Politik muss die Landwirte unterstützen

Gemeinsam mit Seebach ist die Gemeinde Ottenhöfen kürzlich dem Landschaftserhaltungsverband LEV beigetreten. Bei einem Infoabend dazu wurde – wie berichtet – auch über Fördermöglichkeiten beim Thema Wolf informiert. Die Förderkulisse sei „quasi über Nacht“ vom Umweltministerium eingerichtet worden, sagt Ottenhöfens Bürgermeister Hans-Jürgen Decker. Die örtlichen Tierhalter hätten ihrem Unmut deutlich Luft gemacht, berichtet er. Die Offenhaltung der Landschaft sei nur in Verbindung mit Weidetierhaltung möglich. „Dabei sind unsere Landwirte wichtige Partner, die wir bestmöglich unterstützen, die sich aber aufgrund vieler weiterer Faktoren wie die ständige Zunahme an Bürokratie und Verwaltungsarbeit in ihrer eigentlichen Arbeit mit den Weidetieren mehr und mehr gegängelt fühlen.“ Die Politik müsse die Landwirte, die in den Talgemeinden vor allem im Nebenerwerb tätig seien, unterstützen – ob die Förderkulisse da der richtige Weg sei, bleibe abzuwarten.

Gelassene Stimmen aus den meisten Gemeinden

In den meisten anderen Kommunen ist der Wolf zwar ein Thema, über das gesprochen wird. „Man bringt ihn aber nicht mit der Gemeinde in Verbindung“, sagt zum Beispiel Sasbachwaldens Bürgermeisterin Sonja Schuchter. „Es gibt bei uns keinen konkreten Anlass, in vorauseilendem Gehorsam etwas Konkretes vorzubereiten, wir behalten die Situation aber im Auge.“  Genauso entspannt ist man auch in Kappelrodeck: „Wir sind doch relativ weit davon weg, selbst unser Wald hört kurz hinter der Gemeinde auf“, so Bürgermeister Stefan Hattenbach. „Wir werden das Thema aber mit Jagdpächtern, Förster und Badischem Landwirtschaftlichen Hauptverband besprechen.“ Konkrete Vorbereitungen auf einen möglichen „Wolfsbesuch“ gibt es auch nicht bei der Stadt Achern oder der Gemeinde Sasbach; Letztere hat auf ihrer Gemarkung Heidschnucken, nämlich auf der Hornisgrinde.

Wolf Förderkulisse
Fabelwesen oder reale Gefahr? Vor dem Wolf sollen spezielle Zäune die Herden schützen. | Foto: Julian Stratenschulte

Ungefähr 500 Schafe und Ziegen gibt es aktuell in Lauf, wo sich die Gemeinde mit der Schäferei zum Thema Förderung austauscht. „Wir sind da aber insgesamt gelassen“, erklärt Bürgermeister Oliver Rastetter, der den „Hype“ um den Wolf nicht verstehen kann, wie er sagt: „Das ist ja ein eher scheues Tier. Italien und Slowenien haben sich zum Beispiel auch damit arrangiert“. Wichtig sei, dass Geschädigte schnell einen Ausgleich bekommen. „Ob die vom Land veranschlagten Summen ausreichen, ist dann eine andere Frage.“

Den Fokus verändern

Nur ein Fabeltier sei der in Europa streng geschützte Wolf seit seiner Ausrottung in Deutschland vor 150 Jahren bisher gewesen, sagt Forstrevierleiter Clemens Rottler aus Renchen. „Deshalb müssen wir wieder lernen, mit dem Wolf zu leben.“ Wolfmanagement bedeute in erste Linie Herdenschutzmanagement – darauf müsse die Landespolitik den Fokus legen, nicht auf eine Scheindebatte über die Gefährlichkeit des Wolfs, so Rottler. „Für im Verhalten auffällige Wölfe reichen die bestehenden gesetzlichen Regelungen aus, um, wenn erforderlich, auch den gezielten Abschuss eines Wolfes anzuordnen.“