Umspannwerk in Freistett (Archivfoto) | Foto: Christian Schäfer

Probleme bei Stromversorgung

Zeitweise Überspannung im Rheinauer Stromnetz – böse Folgen für die Industrie

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Plötzlich ging am Montagvormittag nichts mehr: Wegen technischer Probleme im Umspannwerk Freistett ist es zu einer Überspannung im Rheinauer Stromnetz gekommen. Die Folge: Geräte mit Überspannungsschutz schalteten sich ab – so auch die Pumpe des Wasserwerks in Memprechtshofen. Wegen dieser Betriebsstörung war nach Angaben der Rheinauer Stadtverwaltung die Wasserversorgung für 20 Minuten unterbrochen. Die Überspannung richtete in Rheinauer Firmen Produktionsausfälle an.

Nach unseren Informationen zog die Überspannung im Rheinauer Stadtgebiet mehrere Trafos in Mitleidenschaft. So mussten Unternehmen wie RMA in Rheinbischofsheim, Zimmer in Freistett und Oil Tanking in Honau ihren Betrieb unterbrechen.

Bei der Firma WeberHaus in Linx war der Strom ebenfalls „zeitweise weg“, erklärt Firmensprecherin Lisa Hörth. Die Produktion stand von 10 bis 12 Uhr still. Lichter und Maschinen waren aus. „Unser Notstromaggregat ist in der Lage, PCs und die Telefonanlage aufrechtzuhalten“, so Hörth. Den Produktionsausfall von zwei Stunden werde WeberHaus ausgleichen können.

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Zahlreiche Rheinauer berichten in Sozialen Medien, dass Telefon und Internet zeitweise ausgefallen sind, ebenso die Strom- und Wasserversorgung. Das Polizeipräsidium Offenburg bestätigt auf Nachfrage mehrere Einsätze bei Rheinauer Firmen.

Überspannungsschutz schaltete Geräte ab

Der Grund: Wie eine Sprecherin des Netzbetreibers Syna bestätigte, gab es in der Umspannanlage Freistett einen technischen Defekt. Dadurch sei es im Netz zu einer erhöhten Spannung gekommen, wodurch der Überspannungsschutz Geräte abgeschaltet habe. Das Problem konnte der Syna-Sprecherin zufolge behoben werden. Die genaue Ursache ist noch nicht bekannt.

Zwei Stunden Komplettausfall bei Zimmer Group

Beide Rheinauer Werke der Firma Zimmer Group sind von den Auswirkungen der Überspannung stark betroffen. Der Komplettausfall habe zwei Stunden gedauert, erklärt ein Firmensprecher. Nach und nach würden die Maschinen wieder hochgefahren. Bis zu acht Maschinen seien jedoch nicht mehr startbereit, eine Fehleranalyse sei im Gange. Auch automatische Lagersysteme seien ebenfalls betroffen. Das genaue Ausmaß sowie die Schadenshöhe ist noch unklar.

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Brandmeldeanlage ausgelöst

Auch die Rheinauer Feuerwehr bestätigte auf Anfrage des ABB mehrere Einsätze im Stadtgebiet aufgrund des Problems im Stromnetz.  Die Überspannung löste um 10.14 Uhr die Brandmeldeanlage des Öllagers in Honau aus. Mit einer Wärmebildkamera kontrollierten Einsatzkräfte den Schaltschrank. Dabei stellten sie  jedoch keine Wärmequelle fest. Nach Polizeiangaben kam es in dem Schaltraum jedoch zu einer Rauchentwicklung aufgrund der Überspannung. Laut Einsatzprotokoll der Polizei sei Brandgeruch wahrnehmbar gewesen.

Mehrere Trafos brannten

Verschmorter Trafo in Rheinbischofsheim. | Foto: Freiwillige Feuerwehr Rheinau

Während die Feuerwehr in Honau bei der Erkundung und Rückstellung der Brandmeldeanlage war, wurde die Feuerwehr nach Rheinbischofsheim in die Forsthausstraße alarmiert. Anwohner meldeten eine brennende Trafostation zwischen der Turnhalle und der Firma RMA. Unter Atemschutz löschten die Einsatzkräfte Bauteile mit CO2-Schaum in der Trafostation.

Mitarbeiter reagieren vorbildlich

In einer Firma im Industriegebiet in Freistett kam es fast zeitgleich auch zur Rauchentwicklung in Verteilerschrank und an verschiedenen Transformatoren. Ein schnelles Eingreifen der Mitarbeiter verhinderte Schlimmeres. Sie bekämpften die brennenden Teile mit einem CO2-Löscher, sodass die Feuerwehr nicht mehr eingreifen musste.

Mehrere Abteilungen im Einsatz

Insgesamt registrierte die Feuerwehr in Rheinau mehrere Stromausfällen und Spannungsschwankungen in Stromnetz. Von den Feuerwehren waren die Abteilungen Freistett, Rheinbischofsheim, Honau, Diersheim und Hausgereut in den jeweiligen Orten im Einsatz. Gegen 11.30 Uhr konnten die jeweiligen Einsätze beendet werden.

Internet-Knotenpunkt betroffen

Die KFZ-Werkstatt von Juniorchef und Ingenieur Timo Hänssel im Freistetter Industriegebiet hatte von 9.41 Uhr bis 11 Uhr kein Internet. Seine Schwiegereltern, die in der „Au“ Nahe des Rheinwalds im Unterdorf wohnen, beklagten einen kompletten Wasserausfall im Haushalt. Laut Auskunft der Telekom war ein DSL-Knotenpunkt in Rheinbischofsheim gestört.

Firmeninhaber meldet Schaden

Frank Knobloch, Maurermeister und Geschäftsführer der Dehn Bau im Salmengrund, berichtete, dass in seinem Betrieb von 9.30 Uhr bis kurz vor 11 Uhr  das Internet ausgefallen sei, sowie die Wasserversorgung im sanitären Bereich. Er habe jedoch keinen kompletten Stromausfall im Betrieb gehabt. Gerd Keck, Inhaber der Keck Präzisionswerke im Viehgrund, sprach davon, dass er einen Stromausfall samt Internetausfall aufgrund einer 400-Volt-Überspannung in seinem Betrieb hatte.

Sofern eine solche Überspannung von 400 Volt über dem Regelbereich von 230 Volt vorliegt, würden die „Schutzschalter“ aus Sicherheitsgründen herunterfahren. So waren seine Schleifmaschinen und Schleifschutzscheiben außer Betrieb. Keck müsse nun einige diamantene Schleifscheiben neu ersetzen, was schon ein nicht unerheblicher Schaden sei.

Mitarbeit: Alexander Schütt