"Eine Spur wilder" lautet das Motto des Nationalparks Schwarzwald. Die Fläche des rund 10000 Hektar großen Gebiets ist aber zweigeteilt. | Foto: Bernd Kamleitne

Nationalpark Schwarzwald

Zusammenlegung bleibt ein Reizthema

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Für Gerhard Goll liegen die Vorteile auf der Hand: Wenn die beiden getrennten Gebiete des 10 000 Hektar großen Nationalparks Schwarzwald zwischen Freudenstadt und Baden-Baden miteinander verbunden werden, ist das ökonomisch und ökologisch sinnvoll. Für seinen Vorstoß in diese Richtung hat der ehemalige EnBW-Chef, der gerne Klartext redet, viel Zustimmung erhalten. Die Umsetzung des Vorschlags des Vorsitzenden des Nationalparkbeirats – das Gremium begleitet die Verwaltung des Schutzgebiets beratend – ist derzeit aber kein Thema.

Zweigeteiltes Gebiet war ein Kompromiss von Grün-Rot

Dass die Landesregierung vor fünf Jahren mit einem zweigeteilten Nationalpark an den Start ging, war der Tatsache geschuldet, dass die erforderliche Fläche für ein zusammenhängendes Gebiet aus Staatswald nicht verfügbar war. So kam es zum Kompromiss mit den zwei Teilflächen im Bereich Ruhestein bei Baiersbronn und am Hohen Ochsenkopf bei Forbach.

Staassekretär bekräftigt Position von Kretschmann

Dass ein zusammenhängendes Nationalparkgebiet sinnvoll ist, daran lässt Umweltstaatssekretär Andre Baumann bei einem Pressetermin in Forbach keinen Zweifel. Das müsse ein Ziel sein, erklärt der ehemalige Landesvorsitzene des Naturschutzbundes (Nabu). Eine Position, die auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) in einem BNN-Interview vertreten hatte.

Gerhard Goll (links), Vorsitzender des Nationalparkbeirats, und der Kommunikationswissenschaftler Frank Brettschneider bei einer Expertenrunde zum Schutzgebiet in Forbach
Gerhard Goll (links), Vorsitzender des Nationalparkbeirats, und der Kommunikationswissenschaftler Frank Brettschneider bei einer Expertenrunde zum Schutzgebiet in Forbach | Foto: Bernd Kamleitner

Kein Geheimnis ist die Tatsache, dass eine Zusammenlegung nicht so einfach machbar ist: Es muss über Wald der Waldgenossenschaft Murgschifferschaft verhandelt werden. Aus den Reihen der Privatwaldbesitzer war schon heftige Kritik an der Ausweisung des Nationalparks ertönt.

Jetzt ist nicht die Zeit, das Thema anzugehen

Aktuelle Debatten in Richtung Verbindung sind auch für den Freudenstädter Landrat Klaus Michael Rückert ein Reizthema. „Jetzt ist nicht die Zeit, das Thema anzugehen“, betont der Vorsitzende des Nationalparkrats vor Journalisten. Für diese Aussage habe er ein Mandat des Gremiums, dem unter anderem die Nationalpark-Anliegergemeinden angehören. Es wurde der Verwaltung des Schutzgebiets zur Seite gestellt.

Rückert: Stimmung zum Nationalpark ist labil

Der CDU-Politiker fürchtet, dass die weitgehend verstummten Nationalpark-Kritiker mit einer solchen Maßnahme wieder Oberwasser gewinnen könnten. Die Stimmung in der Bevölkerung zum Thema Nationalpark sei mit Blick auf dessen Erfolg zwar gut, aber eben labil, glaubt der Landrat. Er möchte die Aufmerksamkeit lieber auf den abgeschlossenen Nationalparkplan lenken.

In Forbach feierte der Nationalpark Schwarzwald den Abschluss des Nationalparkplans. Von links: die Natiionalparkchefs Thomas Waldenspuhl und Wolfgang Schlund, Moderatorin Ursula Cantieni, Kommunikationswissenschaftler Frank Brettschneider und Ex-Agrarminister Alexander Bonde.
In Forbach feierte der Nationalpark Schwarzwald den Abschluss des Nationalparkplans. Von links: die Natiionalparkchefs Thomas Waldenspuhl und Wolfgang Schlund, Moderatorin Ursula Cantieni, Kommunikationswissenschaftler Frank Brettschneider und Ex-Agrarminister Alexander Bonde. | Foto: Bernd Kamleitner

Mit der Ausarbeitung des Betriebshandbuchs für das Schutzgebiet mit vielen Beteiligten sei Vertrauen aufgebaut worden. Das umfassende Werk mit Themen wie Wege- und Verkehrskonzept oder Wildtiermanagement wurde jetzt Interessiertem bei einem „Meilenstein“-Fest in der Forbacher Murghalle vorgestellt.

Nächster Meilenstein: Besucherzentrum am Ruhestein

Rückert hat unterdessen bereits einen weiteren „Meilenstein“ im Blick: die Fertigstellung des Nationalpark-Besucherzentrums am Ruhestein im Herbst 2020. Dann soll auch das Verkehrskonzept mit zwei Regionalbuslinien auf den Strecken Achern-Ruhestein-Baiersbronn und Baden-Baden-Ruhestein-Freudenstadt sowie Zubringern aus den Tälern greifen und Besucherströme besser lenken.

Seit dem 1.Januar 2014 gibt es den Nationalpark Schwarzwald zwischen Freudenstadt und Baiersbronn.
Seit dem 1.Januar 2014 gibt es den Nationalpark Schwarzwald zwischen Freudenstadt und Baiersbronn. | Foto: Bernd Kamleitner

In der Kernzone des Nationalparks (Motto: „Eine Spur wilder“) gilt dagegen das Motto „Natur Natur sein lassen“. Dort greift der Mensch nicht mehr lenkend ein. Wie viele Naturfreunde den Nationalpark zuletzt besuchten, lässt sich nur schätzen: Zwischen 400000 und 600000 im Jahr, so die Parkschefs Wolfgang Schlund und Thomas Waldenspuhl. Die Nationalparkverwaltung ist eine Sonderbehörde des Landes Baden-Württemberg. Sie hat rund 120 Mitarbeiter, davon knapp 90 in Vollzeit.