Für die Zufahrt ins künftige Neubaugebiet „Langmatt-Rötz“ (Bild) benötigt die Stadt ein Grundstück. Die Suche nach den Eigentümern ist jedoch schwierig. | Foto: Roland Spether

Grundstück in Wagshurst

32 Quadratmeter und mehr als 40 Eigentümer

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Das kommt nicht alle Tage vor: Im Acherner Stadtteil Wagshurst könnte die erfolglose Suche nach den Erben eines Grundstücks die Erschließung des Neubaugebiets „Langmatt-Rötz II“ verzögern oder sogar erheblich verteuern. Jetzt hat die Stadtverwaltung beim Amtsgericht einen Antrag auf eine sogenannte „Ersitzung“ gestellt.

Schwierige Suche nach den Erben

Gerade mal 32 Quadratmeter groß ist das Areal, das nach Angaben der Acherner Stadtverwaltung für die Zufahrt zum Neubaugebiet unverzichtbar ist. Es steht im Besitz einer Erbengemeinschaft, die nach dem aktuellem Erkenntnisstand mehr als 40 Frauen und Männer zählt. Obwohl die Mitarbeiter im Rathaus zweieinhalb Jahre lang recherchiert hatten und dabei vier Generationen zurückgegangen sind, konnten noch nicht alle Erben ermittelt werden. Sie alle müssten der Einbeziehung des Grundstücks in die Baulandumlegung zustimmen.

Antrag auf „Ersitzung“ gestellt

Ob es dazu kommt, ist fraglich: Weil die Fortsetzung der Suche nach weiteren Erben mit einem „unverhältnismäßig hohen Aufwand“ verbunden sei, hat die Stadtverwaltung nach Auskunft von Bürgermeister Dietmar Stiefel beim Amtsgericht in Achern einen Antrag auf „Ersitzung“ gestellt. Dieser führt zu einem Aufgebotsverfahren und soll letztlich zum Ausschluss der unbekannten Eigentümer führen. Tatsächlich hat das Amtsgericht das bis zu neun Monate dauerndes Aufgebotserfahren eröffnet. Als Folge werden alle bekannten Erben angeschrieben. Zusätzlich musste für die unbekannten Erben ein Betreuer bestellt werden, der diese dann in dem Umlegungsverfahren vertritt.

Bei weiterem Zeitverlust droht teure Grundwasserabsenkung

Weil zur endgültigen Klärung der Eigentumsverhältnisse der Umlegungsausschuss keine Entscheidung über den Umlegungsplan treffen und somit auch keinen Eigentumswechsel zum Bau der Erschließungsstraße herbeiführen kann, prüft die Stadtverwaltung in Zusammenarbeit mit einem Fachanwalt für öffentliches Recht und einem vermessungstechnischen Sachverständigen , ob es eine rechtliche Möglichkeit gibt, dennoch mit dem Bau der Erschließungsanlagen beginnen zu können. Hintergrund ist die Befürchtung, dass die Verschiebung des Baubeginns zu höheren Baukosten führen könnte, weil im Spätjahr mit höheren Grundwasserständen und einer damit möglicherweise notwendigen Grundwasserabsenkung zu kalkulieren sei.

Vorzeitige Besitzeinweisung?

Wie Bürgermeister Stiefel im Bau- und Umweltausschuss des Gemeinderats erklärte, konzentrieren sich diese Überlegungen konzentrieren sich dabei einerseits auf technischen Möglichkeiten, das Grundstück mit einem provisorischen Straßenteilstück zu „umgehen“, andererseits auf die rechtlichen Möglichkeiten einer vorzeitigen Besitzeinweisung für die Stadt Achern in die nach dem Bebauungsplan vorgesehenen öffentlichen Flächen. Der Bauunternehmer jedenfalls könnte, so Bürgermeister Stiefel, noch im Juli mit dem Bau der Erschließungsstraße beginnen.