Brand
Traurige Gewissheit brachte die tagelange Untersuchung des Brandortes durch die Kriminalpolizei. Am Donnerstag fand sie in den Überresten der Offenburger Notunterkunft Leichenteile. | Foto: hsl

Leichenfund in Offenburg

61-Jähriger wohl in Flammen umgekommen

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Der Brand in der Offenburger Rheinstraße, bei dem eine städtische Notunterkunft völlig zerstört wurde, hat nun doch ein Todesopfer gefordert. Der seit Anfang Februar als vermisst gemeldete 61-Jährige Mann ist offenbar in den Flammen umgekommen. Die Überreste des Mannes, der sich zum Zeitpunkt des Feuers im lichterloh brennenden Dachgeschoss aufgehalten hatte, wurden am Donnerstag bei einer Suchaktion der Kripo Offenburg am Brandort gefunden.

Tagelange Leichensuche

Die Brandstelle war, wie berichtet, seit vergangenem Freitag nach menschlichen Überresten durchsucht worden. Am Donnerstag wurde eine Leiche aufgefunden, gaben Polizei und Staatsanwaltschaft am Freitag in einer gemeinsamen Erklärung bekannt. Ob es sich dabei um den 61-jährigen Vermissten handelt, wird nun mittels einer DNA-Analyse abgeklärt. „Staatsanwaltschaft und Polizei gehen davon aus, dass es sich bei dem Leichnam um den vermissten 61-Jährigen handelt“, heißt es in der Erklärung.

Opfer wohl ohnmächtig verbrannt

Der Leichnam wurde gestern zudem rechtsmedizinisch untersucht, um die genaue Todesursache festzustellen. Ergebnis war, dass eine Rauchgasvergiftung und das Feuer Ursache für den Tod des Mannes waren. Anhaltspunkte für eine sonstige äußere Gewalteinwirkung liegen nicht vor. Im Rahmen des eingeleiteten Todesermittlungsverfahrens wird nun geprüft, ob der Tod des Mannes hätte verhindert werden können. Schon Experten der Feuerwehr waren, wie berichtet, davon ausgegangen, dass der Mann bei dem Brand am Abend des 28. Januar durch Rauchgas ohnmächtig wurde und verbrannt ist, noch bevor die Wehr in der Rheinstraße löschen konnte. Wenige Tage nach dem Brand hatte Feuerwehrchef Peter Schwinn in einer Pressekonferenz der Stadt von einer rasanten Ausbreitung des Feuers gesprochen.

Feuer breitete sich rasend schnell aus

In der städtischen Notunterkunft, in der 37 Menschen untergebracht waren, gab es auf beiden Gebäudeseiten jeweils eine Holztreppe. Das Feuer war gegen 20.30 Uhr wohl durch eine brennende Kerze in einem Zimmer im Erdgeschoss ausgebrochen und hatte sich dann über die westliche Außenfassade, vor allem aber über die Holztreppe rasend schnell bis ins Dachgeschoss ausgebreitet. Eine Ursache dafür war das Bohnerwachs, mit dem die Treppe behandelt worden war. Es erhitzte sich laut Peter Schwinn auf 300 bis 400 Grad Celsius und entzündete sich schlagartig bis unters Dach.

Holztreppe als Brandbeschleuniger

„Diese Holztreppen sind eine Gefahr“, sagt Peter Schwinn, der 2008 Einsatzleiter in Ludwigshafen war, als bei einem der verheerendsten Wohnhausbrände in Deutschland neun Menschen ums Leben kamen. Auch damals breitete sich das Feuer über eine Holztreppe rasant aus. Als die Feuerwehr nun an der Offenburger Brandstelle eintraf, schlugen die Flammen bereits lichterloh aus dem Dachstuhl. Dort herrschten Temperaturen von 800 bis 1 000 Grad.

Weiterer Bewohner flüchtete auf das Dach

Eine Chance, den Mann zu retten, gab es laut Schwinn nicht. Einem weiteren Bewohner war es noch gelungen, durch ein Fenster aufs Dach der Unterkunft zu flüchten – er konnte per Drehleiter aus akuter Lebensgefahr gerettet werden und kam mit einer Rauchgasvergiftung davon. Weil die Tragkonstruktion des alten Gebäudes schnell instabil wurde, wurde am Morgen nach dem Brand entschieden, das Gebäude abzureißen.

Mann erst nach vier Tagen vermisst

Zu diesem Zeitpunkt waren die Vertreter von Feuerwehr, DRK, Rettungsdienst, Polizei und Stadtverwaltung noch davon ausgegangen, dass alle Bewohner in Sicherheit sind. Von den 37 in der Notunterkunft registrierten Männer waren nur 28 zum Zeitpunkt des Brandes zu Hause. Vier Tage danach wurde dennoch ein Vermisster gemeldet. Die Polizei hatte 36 der 37 Bewohner bei ihren Ermittlungen persönlich angetroffen – nicht aber den 61-Jährigen. Der Brandplatz wurde beschlagnahmt, der Zutritt für Unberechtigte verboten. Am Freitag vor einer Woche begann die Kripo mit der Suche nach Spuren des Vermissten im Brandschutt. Auch ein Leichenspürhund war zeitweise im Einsatz. Baggerschaufel für Baggerschaufel wurden die Überreste des Gebäudes abgetragen und durchsucht. Nun wurde traurige Gewissheit, dass der Mann bei dem Brand ums Leben gekommen ist.