Eine Erfolgsgeschichte ist der „Illenau-Rahmenplan“. Die anstehende Fortschreibung mit der Sanierung des Zentralgebäudes der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt (Bild) soll zum Abschluss der Gesamtmaßnahme führen. | Foto: Roland Spether

„Kultur- und Tagungszentrum“

Achern schreibt den Illenau-Rahmenplan fort

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„Wir wollen eine Diskussion anstoßen.“ Oberbürgermeister Klaus Muttach plant die Fortschreibung des „Rahmenplans Illenau“ mit einem Investitionsvolumen von insgesamt rund 60 Millionen Euro. Kernpunkte sind ein „Kultur- und Tagungszentrum Illenau“ im Zentralgebäude der einstigen Heil- und Pflegeanstalt sowie der Bau eines Hotels auf den Illenauwiesen, so Muttach auf Anfrage des „Acher- und Bühler Boten“. Schon am kommenden Montag wird sich der Gemeinderat mit dem Projekt befassen (18.30 Uhr, Rathaus Am Markt).

Eine Erfolgsgeschichte

Der erste „Illenau-Rahmenplan“ geht auf das Jahr 2008 zurück und wurde, wie selbst Kritiker einräumen müssen, zu einer Erfolgsgeschichte. „Seitdem haben die Stadt und private Investoren mit Hilfe von Zuschüssen aus den Kassen von Bund und Land rund 50 Millionen Euro investiert.“ Diese Erfolgsgeschichte will er nun fortschreiben.

„Kultur- und Tagungszentrum Illenau“

Das „Kultur- und Tagungszentrum Illenau“ (KTI) soll den bislang provisorisch hergerichteten Festsaal ebenso wie den darüber liegenden ehemaligen Kirchenraum der Illenau einschließlich der benachbarten Räumlichkeiten umfassen. Der Kirchenraum wird auf variabel „ausfahrbaren“ und damit bei Bedarf ansteigenden Ebenen rund 300 Sitzplätze bieten. Die in diesem Zusammenhang diskutierte Variante mit einer Zuschauer-Empore ist laut Muttach aus Gründen des Denkmalschutzes nicht realisierbar. Vorgesehen ist eine 65 Quadratmeter große Bühne. Die Kosten liegen bei rund acht Millionen Euro, dafür kann die Stadt einen Zuschuss von rund vier Millionen Euro einplanen.

Veranstaltungen analysiert

Genutzt werden kann das KTI für kulturelle Zwecke sowie als Tagungsstätte. Muttach verweist in diesem Zusammenhang auf eine Analyse der Stadtverwaltung: „Es gibt im Jahresverlauf nur sieben Veranstaltungen mit einem Platzbedarf von mehr als 300 Zuschauern– eine davon ist der Neujahrsempfang.“ Für Veranstaltungen dieser Größenordnung stehen die Schlossfeldhalle in Großweier und die Hornisgrindehalle zur Verfügung. Andererseits suchen laut Muttach verschiedene Vereine nach dem Wegfall der Jahnhalle als Veranstaltungsort nach Räumlichkeiten mittlerer Größe.

Potenzial für Tagungen und Seminare

Eine weitere Nutzungsmöglichkeit sieht Muttach in einer Stätte für Tagungen und Seminare. „Eine Studie sieht durchaus Potenzial für Tagungen in Achern“, so Muttach. Das habe auch eine Umfrage bei Betrieben in der Region ergeben. Im Fokus stehe dabei der bisherige Festsaal als Ausstellungs- und Konferenzraum.

Hotelprojekt als Ergänzung

Als Ergänzung zum „KTI“ steht der Bau eines Hotels im Raum. Oberbürgermeister Muttach will dafür die Planungen im Bereich der Illenauwiesen ändern: Hier könnte in direkter räumlicher Nähe zum Tagungszentrum in der Illenau mit Hilfe eines Investors ein Hotel entstehen. Dieses ließe sich laut Muttach in die auf der Grundlage eines Wettbewerbs geführten Planungen integrieren: „Die Zahl der 150 Wohnungen würde sich entsprechend verringern.“

Investor für Reithalle gesucht

Im Zusammenhang mit dem Rahmenplan steht auch die künftige Nutzung der denkmalgeschützten ehemaligen Reithalle: Diese soll an einen Investor veräußert werden und für Freizeit und Tourismus, gern auch mit gastronomischer Nutzung, zur Verfügung stehen.

PPP-Modell für Stadthalle?

Im Zusammenhang mit der Fortschreibung des Rahmenplans Illenau steht auch die Entscheidung über eine Stadthalle an. Wie berichtet, hat der Eigentümer der „Heckelfabrik“ ein öffentlich-privates Partnerschaftsmodell („PPP“) ins Gespräch gebracht: Er würde die Stadthalle in der „Heckel“ finanzieren und der Stadt mietweise überlassen. Oberbürgermeister Muttach äußerte sich gleichwohl skeptisch: „Es stellt sich die Frage, ob bei einem Bedarf von sieben Veranstaltungen pro Jahr der Mehraufwand den Mehrwert rechtfertigt.“ Bei einem Ortstermin mit verschiedenen Vereinen in der Illenau hätten deren Vertreter die im „Kultur- und Tagungszentrum Illenau“ für kulturelle Zwecke entstehenden Räumlichkeiten als ausreichend bewertet.

Hintergrund: Illenau-Rahmenplan
Der „Illenau-Rahmenplan“ löste bislang Investitionen von insgesamt rund 50 Millionen Euro aus. Im Mittelpunkt standen
– die Zusammenführung der an sechs Standorten untergebrachten Teile der Stadtverwaltung in der Illenau,
– die Schaffung eines Bürgerdienstleistungszentrums im Rathaus Am Markt,
– die Verlagerung der Stadtbibliothek aus den Kellerräumen der ehemaligen Achertalschule in das Rathaus Am Markt sowie
– die Vermietung der ehemals von der Verwaltung genutzten Räume des damaligen Rathaus II an das Land Baden-Württemberg zur Einrichtung der staatlichen Grundbuchbehörde.
Später ging es unter anderem um den
– Verkauf des südlichen Torgebäudes,
– die Nutzung des nördlichen Arkadengebäudes als „Trauzimmer“,
– die Nutzung des südlichen Arkadengebäudes durch das Arkaden-Bistro und das Illenau-Museum,
– um den Verkauf des ehemaligen Küchengebäudes zur Nutzung für Einrichtungen des Landkreises sowie
– die Nutzung des Südostflügels für weitere Dienstleistungen.
Weitere Bestandteile waren Um- und Neugestaltungsmaßnahmen im Außenbereich: Dazu gehören
– der Arkadenhof,
– der Serenadenhof,
– die Bürgerwiese,
– die Hauptzufahrt,
– die Patientengärten sowie
– die Neugestaltung der Karl-Hergt-Straße und des Hofs am „Maison de France“.
Bei der nun von Oberbürgermeister Muttach angestoßenen Fortschreibung der Illenau-Rahmenplans geht es um die künftige Nutzung der bislang noch nicht sanierten Teile des zentralen Hauptgebäudes, um die Bebauung der Illenauwiesen einschließlich des Hotelprojekts sowie um die künftige Nutzung der Reithalle. Die dafür nötigen Investitionen von Stadt und privaten Investoren schätzt Muttach auf insgesamt rund 60 Millionen Euro. mm