Kein Schmuckstück ist bisher der Acherner Stadteingang an der Lammbrücke. | Foto: Spether

Viel Lob für Siegerentwurf

Achern will den Stadteingang neu gestalten

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Die Diskussion ist nicht zu Ende, sie beginnt gerade erst. Dies war am Montag die zentrale Botschaft bei der Vorstellung der Architektenentwürfe für die Neugestaltung des Areals zwischen Lammbrücke und Stadtzentrum. Und doch wurden schon einmal wichtige Weichen gestellt – hatte doch der Siegerentwurf im städtebaulichen Wettbewerb für das Gebiet entlang der ehemaligen Bundesstraße 3 zwischen Straße an der Acher, Spitalstraße und der Straße zum Klauskirchl bereits im Preisgericht breiteste Zustimmung gefunden.
Auch der Bauausschuss des Gemeinderats winkte den Vorschlag am Montagabend einhellig durch. Das heißt zwar nicht, dass die Dinge letztlich so umgesetzt werden wie es die Idee des Düsseldorfer Architektenbüros Thomas Schüler vorsieht – doch man hat eine solide Grundlage für die weiteren Planungen.

„Zurückgenommene Geschichte“

Darauf verwies auch der Vorsitzende des Preisgerichts, der Offenburger Architekt Fred Gresens, der die verschiedenen Vorschläge, drei Preisträger und eine Anerkennung, intelligent und unterhaltsam vorstellte. Den Siegerentwurf präsentierte er als „absolut zurückgenommene Geschichte“, die gerade deswegen einen „angemessenen stadträumlichen Eingang“ erzeuge. Freilich seien noch viele Fragen zu lösen – zum Beispiel die, in welcher Form man die beteiligten privaten Grundeigentümer einbinde.

Eine durchgehende Pflasterfläche ist ein zentrales Merkmal des Siegerentwurfs.

Derlei Gesichtspunkte aber stehen erst später auf der Tagesordnung: Man befinde sich gerade, so Gresens, „in der Phase der Euphorie“, die jedes Bauvorhaben anfangs begleite. Dies werde sich noch ändern, wenn es erst einmal um die Details gehe.

Verwaltung tritt auf die Bremse

Bis die auf der Tagesordnung stehen, dürfte es aber noch geraume Zeit dauern. „Wir wollten ein kleines bisschen auf die Bremse treten“, warnte Stadtplaner Rolf Bertram. Eine Lösung für die Lammbrücke könne es nicht ohne eine Verkehrsplanung für die Innenstadt geben.
Wie Bürgermeister Dietmar Stiefel gestern auf Anfrage dieser Zeitung erklärte, soll noch vor der Sommerpause über den so genannten Masterplan diskutiert werden, bis zum Ende des Jahres, so das Ziel der Verwaltung, werde dann ein Zeitplan für das weitere Vorgehen auf dem Tisch liegen.

Acht Architekten eingeladen

Acht Architekten hatte die Stadt Achern angeschrieben und um Vorschläge für das 1,3 Hektar große Gelände gebeten, das vor allem in seinem nördlichen Bereich auch mehrere größere private Grundstücke umfasst. Sieben haben geantwortet. Einig waren sich (fast) alle einreichenden Büros dabei in zwei Fragen: Das sogenannte Weinbrennerhaus soll erhalten bleiben, und bei der Schaffung von Parkraum geht man in diesem städtebaulich sensiblen Bereich unter die Erde. Abgesehen davon unterscheiden sich die Entwürfe teilweise grundlegend, wenn auch alle natürlich versuchen, das Acherufer klug in die Planung mit einzubinden.

Diskussionen um Pflasterung

Das tut auch der Preisträgerentwurf der Düsseldorfer Architekten und Stadtplaner aus dem Büro Thomas Schüler, der gemeinsam mit dem Freiburger Büro Faktorgrün ausgearbeitet worden war. Zentrales Element hier ist die durchgehende Gestaltung des Eingangsbereichs als Pflasterfläche: Straße und Platz gehen ineinander über. Das, so prophezeite der kommunalpolitisch erfahrene Gresens, „wird noch zu Diskussionen im Gemeinderat führen“ – und tatsächlich sah sich OB Klaus Muttach gleich zu dem Hinweis veranlasst, dass man damit, wenn die Pläne sie umgesetzt würden, keinesfalls eine Festlegung auf eine Pflasterung der gesamten Hauptstraße treffen wolle. Das Verkehrsgutachten sei noch in Arbeit.

Kubische Architektur

Eine „relativ unspektakuläre Wohnbebauung“ attestierte Gresens dem dritten Preisträgerentwurf, als „nicht ganz angemessen“ habe man die kubische Architektur empfunden. Der zweite Preis zeichnete sich vor allem durch eine mutige Lösung für den Verkehr aus: Durch einen 32 Meter großen Kreisel an der Lammbrücke. Das dürfte, so wurde am Montag deutlich, auch wegen der zu geringen Verkehrsleistung kaum Chancen auf Realisierung haben. Gelobt wurde hier die „sehr schöne Platzsituation im Eingangsbereich“.

Die Entwürfe der Preisträger sind bis einschließlich 9. Juni im Acherner Rathaus am Markt zu den üblichen Öffnungszeiten zu sehen.