„Wir sind eine Garagenband“: Catfish im Probenraum inmitten von Originalplakaten. Von links Frank „Thunderfoot“ Baumbach, „Johnny Favorit“ Michael Kratschmayr, Catgirl Katrin Sauer und „Ted Fever“ Werner Bohnert. | Foto: Roland Spether

All You Need Is Beat

Acherner Band „Catfish“ schwimmt seit 35 Jahren auf der Erfolgswelle

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„Wenn die Leute Catfish eine Kultband nennen, ist das so in Ordnung. Doch wir sind eine Garagenband“. Frontmann Werner Bohnert kann sich bei dieser Aussage das verschmitzte Lachen hinter seiner runden Nickelbrille wie aus den legendären 70er Jahren nicht verkneifen, als sich bei ihm mit der Band „Grammophon“ und heißem Kraut- und Klassik-Rock erste rockige Spuren entwickelten. Doch es sollten noch einige Jahre ins Land gehen, bis sich 1984 das Dream-Team mit „Johnny Favorit“ Michael Kratschmayr (Gitarre) Frank „Thunderfoot“ Baumbach (Schlagzeug) und „Ted Fever“ Werner Bohnert (Bass) formierten. Seit 35 Jahren schreibt Catfish nun Bandgeschichte in der Region.

Von Roland Spether

Denn es gibt weit und breit keine Band, die so lange in der gleichen Besetzung spielt, wie die Stammformation von „Catfish“, die von den Fans als „Kultband“ bezeichnet wird.

„Geh mal zu Onkel Werner“

„Kult“ ist in der Bandhistorie ist auch die Aufforderung von Ursula Bohnert, die mit Sabine Burgert von 1991 bis 1994 Background-Sängerin war und zu ihrer Tochter sagte: „Geh mal zu Onkel Werner auf die Bühne und sing mit“. Das ließ sich die kleine Katrin nicht zweimal sagen, zumal sie immer gerne sang und Sängerin in Schulbands war. „Ich hab schon als kleiner Stöpsel mit fünf Jahren gesungen, meine Barbies haben gesungen und ich habe gespürt, dass mir das richtig viel Spaß macht“ so Katrin Sauer, die im Jahr 2000 das „Catgirl“ wurde, nach einem Auslandsaufenthalt 2009 wieder voll einstieg und heute mit zum Markenzeichen der Band gehört. Alle Fasern ihres Körpers sind elektrisiert, wenn sie auf den Bühne steht, das Mikrophon aus den 50er Jahren in Händen hält und getreu dem Band-Motto „All You Need Is Beat“ wie ein Vulkan ausbricht. Gesang, Tanz, Bewegung und vor allem auch Grimassen schneiden formen sich zu einem unverwechselbaren Special-Act, der zum „Catgirl“ dazu gehört wie die roten High-Heels und das schicke Pünktchenkleid im 50er Retro-Look.

Erster Auftritt in Schutterwald

Der erste Catfish-Auftritt mit fetzigem Südstaaten-Rock war im Jugendzentrum in Schutterwald, es folgten Gigs bei Motorrad-Treffen, ab 1986 schwang Frank „Thunderfoot“ Baumbach die Sticks, die Band probte zweimal in der Woche und wurde richtig gut. Ob Rockabilly, Deutschrock oder Pop und Beat, alles wurde gespielt, und die Reichweiter der Auftritt wurde immer größer. Die Plakate im Probenraum sind Zeugen dieser Erfolgsgeschichte und sie erzählten von Konzerten mit legendären Formationen wie Smokies, Manfred Mann’s Earthband, Lords, Rattles, Sweet oder Suzi Quatro – passend zum Band-Slogan „All you need ist Beat“.

Ein Bild aus vergangenen Tagen:: Die Stammformation der Acherner Band „Catfish“.

Beat im Blut

Der Sprung in die professionelle Szene hätte mit der Elvis-Show „J D & The Wanderers“ gelingen können, als die Band vier Jahre Begleitband eines aufstrebenden Elvis-Doubles war und es bis ins Fernsehen schafften. Doch die Wege trennte sich – und da war es geradezu „mega“, dass das „Catgirl“ wieder mit „Onkel Werner“ im Rampenlicht auf der Bühne stand und „Catfish“ mit viel Beat im Blut nach vorne puschte. Extrem schade war in diesen Jahren, dass es in Achern kein Forum für die Band gab und sie mehr in Schramberg die Szene-Clubs rockte.

Der Durchbruch in Achern kam 2005

Das sollte sich mit den Heimat- und Theatertagen und dem Stadtfest in Achern ändern, und im Blick zurück fällt immer wieder der Name von Alfred Holler, der als Fest-Organisator die Bühne für Nachwuchsbands bereitete. Der Durchbruch kam 2005, als die Tour de France durch Achern fuhr und im Rahmen des Stadtfests ein Rock-Festival im Stadtgarten stattfand, das ein Super-Erfolg wurde. „Catfish“ war in der Heimat angekommen und die Kultband machte ihrem Namen alle Ehre, denn auf keinem größeren Fest durfte sie fehlen. Ab 2007 wurde im „Ratskeller“ auch für soziale Zwecke gespielt, das Konzert auf dem Weihnachtsmarkt „All You Need Is Christmas-Rock“ steht ebenso fest im Tourneekalender wie die Musiknacht „Acherner Nightlive“. n Video auf bnn.de

Termin

„Catfish – and the Beat goes on“ lautet das Motto des Catfish-Konzertes zum 35. Bühnenjubiläum am Samstag, 30. März, in der „Grässelmühle“ in Obersasbach. Einlass ist ab 19.30 Uhr, Beginn ist um 20.30 Uhr. Karten gibt es im Vorverkauf unter den Telefonnummern (0 78 41) 41 46 und (0 78 41) 2 26 30.

Catfish
Wie es von der Südstaaten-Band The Byrds und deren Song „Lover Of The Bayou“ zum Bandnamen „Catfish“ kam, ist eine sehr lange Geschichte. Sie hat etwas damit zu tun, dass Werner Bohnert wahnsinnig gerne in die rockigen Saiten greifen und Musik machen wollte. Doch die ersten Versuche waren eher dissonant – richtig gut voran ging es erst, als er in der Zeitung eine Anzeige schaltete: „Gitarrist für Anfängerband“ gesucht. Es meldete sich Michael Kratschmayr, es passte von Anfang an und bei der Suche nach einem Namen kamen die Byrds mit ihrem eher schrulligen Lover-Song über einen Fluss und einen Wels („Catfish“) ins Spiel, dessen erste Zeile lautet: „Catfish pie in a gris-gris bag“. Ich welche Tasche in den fernen Südstaaten auch immer der Catfish landete, in Achern „schwamm“ er zielsicher zu einer famosen Karriere. sp