Mit einem Sprung zurück in die Normalität? Keineswegs, gerade die Öffnung des Acherner Freibads wird zu eine schwierigen Drahtseilakt.
Mit einem Sprung zurück in die Normalität? Keineswegs, gerade die Öffnung des Acherner Freibads wird zu eine schwierigen Drahtseilakt. | Foto: Thissen

Kniffliger Job für Kommunen

Acherner Freibad soll im Juni unter strengen Abstandsregeln öffnen

Anzeige

Die Stadt Achern tastet sich den Weg zurück in die Normalität: Schulen, Freibäder, Kitas – Öffnungen werden nur in kleinen Schritten erfolgen. Eine besondere Herausforderung ist dabei die Einhaltung der Abstandsregeln im Freibad, besonders im Eingangsbereich.

Der Neuanfang im Acherner Freibad wird, wie wäre es in Corona-Zeiten auch anders zu erwarten, zum Eiertanz. 42 Personen dürften sich gleichzeitig im Schwimmerbecken aufhalten, 83 im Nichtschwimmerbecken und 26 im Sprungbecken. Auf der Liegewiese muss jedem Badegast ein 15 Quadratmeter großer Platz angeboten werden.

Wir haben die Strategie erst einmal im Blindflug festgelegt.

Klaus Muttach, Oberbürgermeister 

Diese Zahlen nannte Oberbürgermeister Klaus Muttach in der Gemeinderatsitzung am Montagabend, in der er ein Update zur „Corona-Lage“ gab. Wie belastbar sie sind und wie dies alles durchgesetzt und überwacht werden soll, das steht erst einmal in den Sternen. „Wir haben“, so der Oberbürgermeister, die Strategie mangels klarer Vorgaben „erst einmal im Blindflug festgelegt“.

Auch interessant: Ettlinger Stadtwerkechef: „Für die Bäderöffnung gilt das Prinzip Hoffnung“

Vorbereitung der Freibadöffnung dauert mehrere Tage

Doch die Verwaltung muss etwas tun – denn für die Vorbereitung der Freibadöffnung braucht sie mindestens neun Tage – um zum Beispiel das Becken mit Wasser zu füllen und die notwendigen Abstände in den Sanitäranlagen festzulegen. Am 5. Juni sollen sich die Tore des Bads öffnen, so der OB – unter den genannten verschärften Bedingungen und wenn die Rechtslage es zulässt.

Alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus im Überblick

Muttach rechnet damit, dass auch die Badestelle am Achernsee nach Pfingsten starten kann, auch hier gelten entsprechende Abstandsregelungen, die Stadtpolizei werde kontrollieren. Möglich wäre unter Umständen auch eine frühere Öffnung, abhängig von den Vorbereitungen am Achernsee.

Größte Herausforderung beim Bad ist der Eingang

Bei den Freibädern stecken die Kommunen in einer Zwickmühle: Sie müssen, wenn sie öffnen, auch für die nötigen Sicherheitsabstände sorgen. Das könnte schwierig werden. „Die Herausforderung ist der Eingangsbereich“, sagt der Oberbürgermeister.

Denn einerseits dürfen, abgeleitet von den oben genannten Zahlen, nicht mehr als 600 Menschen ins Freibad. Auf der anderen Seite muss die Stadt sicherstellen, dass sich an der Kasse keine Warteschlangen bilden. Man werde, so kündigte Muttach an, möglicherweise ein System etablieren, das auch die Menschen zählt, die das Bad verlassen. Nicht anbieten wird man in diesem Jahr Dauerkarten.

Auch interessant: Spitzensportler können in Karlsruhe wieder ins Schwimmbad

2020 gibt es im Acherner Freibad keine Jahreskarten

Eine Entscheidung, der ein simples Rechenexempel zugrunde liegt: Im vergangenen Jahr wurden für das Freibad 1.700 Jahreskarten ausgegeben, was bei maximal 600 Besuchern an sonnigen Tagen schnell zu Problemen führen könnte. Denn Besucher mit Dauerkarte könne man aus rechtlichen Gründen nicht einfach abwiesen.

Auch die Schulen und Kindergärten planen den Neuanfang im Blick auf das Abstandsgebot. In den Schulen seien derzeit 93 Kinder für eine Notbetreuung angemeldet, eine Ausweitung sei „nur bei sehr begrenzten Ausnahmen“ möglich, so der OB.

Damit wolle man die Möglichkeit schaffen, möglichst viele Kinder in den beschränkten Regelbetrieb zu übernehmen, der am Montag begonnen habe. Er soll nach den Pfingstferien ausgeweitet werden, Konzepte dafür würden von den Schulleitungen in Abstimmung mit den zuständigen Behörden erarbeitet.

Abstand ist das Gebot: Nur vorsichtig weitet die Stadt Achern den Betrieb in den Kitas aus. | Foto: Charisius

Ähnliches gelte für die Kitas, wo das Land allerdings noch keine entsprechenden Verordnungen erlassen habe. Dies sei, so der OB, „mangelhaft“. Vor Ort habe man daher vereinbart, die Notbetreuung fortzuführen – für Kinder, deren Eltern berufstätig sind, und für Kinder mit einem schwierigen häuslichen Umfeld. Derzeit seien 199 Kinder in der Notbetreuung.

Am kommenden Montag werde ergänzend eine beschränkte Regelbetreuung eingeführt, auch hier darf maximal die Hälfte der verfügbaren Plätze besetzt werden. Diese sollen zunächst den Schulanfängern für das kommende Schuljahr und dann für das folgende Schuljahr zugutekommen. Geplant ist ein „Platzsharing“ im wöchentlichen Wechsel.

Gewaltige Herausforderung für die Gesellschaft

Klaus Muttach, Oberbürgermeister 

Die Corona-Krise bleibe eine „gewaltige Herausforderung für die Gesundheit, den wirtschaftlichen Wohlstand und die Gesellschaft“, so Muttach. Der OB kritisierte die Landesregierung, die ihre Verordnungen immer sehr kurzfristig, oft spätabends, veröffentliche und dann die umgehende Umsetzung vor Ort erwarte. Er fordere „mehr Respekt vor der kommunalen Arbeit“.