Gastronomie
Mit Mundschutz ist das Personal in den Gastronomiebetrieben unterwegs – hier der „Ratskeller“ in Achern. | Foto: Benedikt Spether

Corona-bedingte Pause

Acherner Gastronomen sind nach erstem Öffnungstag vorsichtig optimistisch

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„In Ordnung, aber ausbaufähig“ lautet das Fazit von Acherner Gastronomen nach dem ersten wieder erlaubten Öffnungstag am Montag. Zumindest seien die Gäste positiv gestimmt gewesen und hätten sich gefreut, die Restaurants wieder besuchen zu dürfen.

Mit Kaffee, Buch und Sonnenbrille sitzt eine Frau am Tisch am einen Straßenrand, auf der anderen Seite wartet eine Familie auf ihr Mittagsgericht, und eine Straße weiter vor einer Eisdiele sind fast alle Tische unter den Sonnenschirmen besetzt, wenn auch mit mehr Abstand dazwischen: Schaut man sich an diesem Montag, dem ersten Tag, an dem die Gastronomie in Baden-Württemberg wieder öffnen darf, in Acherns Innenstadt um, wirkt das gar nicht so anders als in der Vor-Corona-Zeit.

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Tatsächlich läuft der erste Öffnungstag zum Beispiel im Acherner Café Glatt aber eher schleppend, wie eine Mitarbeiterin berichtet. „Bisher hatten wir ja gar keinen Service und müssen jetzt abwarten, was passiert“. Auch das Personal müsse sich erst auf die ungewohnte Situation einstellen: Mit Schutzmaske zu bedienen, sei schließlich neu.

„Hochfahren“ ähnlich schwierig wie Schließung

„Alle sind froh, dass wir wieder öffnen dürfen“, sagt Edmund Baier von „Bauhöfers Braustüb’l“ in Ulm am Telefon – und da hört man im Hintergrund schon reges Treiben. „Die Stimmung ist gut, die Leute sitzen im Biergarten, und das Wetter spielt diese Woche auch mit“. Das Mittagsgeschäft hätte wohl noch besser laufen können, sei aber für den allerersten Tag in Ordnung gewesen, sagt er. „Wir haben zum Beispiel Ein- und Ausgang getrennt und Abstände markiert, bieten eine etwas kleinere Karte an und starten eben langsam“, so Baier. Nacht acht Wochen im „Tiefschlaf“, wie er sagt, sei das „Hochfahren“ des Betriebs beinahe so schwierig wie zuvor die Schließung.

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Erster Tag lief zuweilen zögerlich

Verhalten, aber im Großen und Ganzen in Ordnung, so fällt Helmut Jülgs Fazit der ersten Mittagszeit im Berggasthof „Zur Einkehr“ in Kappelrodeck aus. „Wir müssen jetzt eben mit vielen neuen Vorschriften umgehen.“ Die Gäste hätten diese am ersten Tag jedenfalls gut angenommen, auch die Vorgabe, persönliche Kontaktdaten in der Gaststätte anzugeben, um eventuelle Infektionen nachvollziehen zu können. „Die Leute sind froh, dass sie überhaupt wieder kommen dürfen“, sagt Jülg, der hofft, dass sich die hier neu eingerichtete Gartenwirtschaft nun als Pluspunkt erweisen wird.

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Dass es die Menschen eher in Betriebe mit Biergarten zieht, vermutet auch Annette Steim vom Acherner Hotel Restaurant „Sonne Eintracht“. Erste Reservierungen für die kommenden Tage sind aber auch hier eingegangen.

Wenn man trotz Maske miteinander lacht, merkt man doch, dass alle im selben Boot sitzen.

Annette Steim

Sehr zufrieden und insgesamt entspannt seien die Gäste im Mösbacher Landgasthof „Grüner Baum“ an diesem ersten „echten“ Betriebstag gewesen, berichtet Sigrid Sutterer. Trotzdem müsse man sich erst noch an die neue Situation gewöhnen: „Man möchte gern mit den Gästen ,schwätzen’ muss das aber eigentlich auf ein Mindestmaß reduzieren, das ist schon ein bisschen beklemmend“, sagt sie, „aber wenn man trotz Maske miteinander lacht, merkt man doch, dass alle im selben Boot sitzen“. Auch die Hygienemaßnahmen seien für das Personal noch gewöhnungsbedürftig: „Nach jedem Gast wird der Platz desinfiziert – da muss man aufpassen, dass wir uns nicht ständig in einer Desinfektionswolke befinden.“

Aushilfen wechseln in andere Gewerbe

Positive Stimmung, aber verhaltene Resonanz sind auch im Acherner „Ratskeller“ die Stichworte des ersten Tages. „Die Menschen sind noch zögerlich“, sagt Jochen Weber, der seinen Betrieb vor großen Herausforderungen sieht: Mehrere Aushilfen hätten aufgrund der Zwangspause der Gastronomie das Gewerbe gewechselt. „Wir müssen sehen, ob wir es schaffen, das auszugleichen.