Die Pumpengruppe im Acherner Wasserwerk „Rotherst“ läuft auf Hochtouren. | Foto: Stadt Achern

Verbrauch verdoppelt

Acherner Wasserwerk läuft auf Hochtouren

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Sommer, Sonne, Trockenheit – das Wasserwerk „Rotherst“ in Achern läuft auf Hochtouren. Liegt der „normale“ Wert bei ungefähr 3.600 bis 4.000 Kubikmeter am Tag, hat der tägliche Verbrauch als Folge der Hitzewelle schon längst die Normalgrenze überschritten. Einer der Gründe: Es muss derzeit deutlich mehr Trinkwasser ins Achertal oder nach Sasbachwalden geliefert werden, denn die Quellschüttung in den Schwarzwaldgemeinden ist stark zurückgegangen. „Sobald die Quellen in ihrer Schüttung nachlassen, steigt der tägliche Bedarf auf mehr als 8.000 Kubikmeter am Tag an“, erklärt Pressesprecherin Helga Sauer. Einschränkungen für die Verbraucher werden nicht ausgeschlossen.

Am Limit

Das Wasserreservoir des Oberrheingrabens verfügt über enorme Kapazitäten. Das bedeutet aber nicht, dass man endlos viel Wasser abpumpen kann, denn die Wasserwerke, die Quellfassungen, die Speicherbauwerke, die Pumpstationen und vor allem die Enthärtungsanlage sind so ausgelegt, dass nur der doppelte „normale“ tägliche Bedarf zur Verfügung steht, erklärt die Acherner Stadtverwaltung. „Derzeit bewegt sich die Enthärtungsanlage am obersten Limit der Leistungsfähigkeit“, berichtet die Sprecherin.

Sparmaßnahmen nicht ausgeschlossen

Sollte die Hitzewelle weiter anhalten, werde sich das Problem mit den zu geringen Quellschüttungen im Achertal und in Sasbachwalden verstärken. Dann müssten Präventionsmaßnahmen ergriffen werden: Dabei geht es unter anderem um Einschränkungen bei der Bewässerung von Grünanlagen, landwirtschaftlichen Flächen und Sportplätzen sowie ein Aufruf zum Wassersparen. Sofern diese Präventionsmaßnahmen nicht greifen und der Wasserverbrauch den kritischen Wert der Enthärtungsanlage mehrere Tage hintereinander übersteigt, müssten die Reservepumpwerke in Wagshurst, Gamshurst und Önsbach aktiviert werden. Dies bedeutet für diese Ortsteile, dass dann kein enthärtetes Wasser mehr zur Verfügung steht. Eine weitere Möglichkeit ist die „Umgehung“ der Enthärtungsanlage im Wasserwerk „Rotherst“ Mit der Folge, dass Achern und alle angeschlossenen Ortsteile und Gemeinden kein enthärtetes Wasser zur Verfügung gestellt bekommen.

Rasen-Bewässerung wird kritisch gesehen

Vor diesem Hintergrund sieht die Stadtverwaltung die Bewässerung von reinen Rasenflächen und kleinen Grünanlagen kritisch. Die Stadtverwaltung rät Regenwasser zu sammeln, ebenso den Einsatz von Tröpfchenbewässerungen. Die Verwendung von Wasser aus privaten Brunnen zum Gießen wird hingegen als unkritisch angesehen.

Verbrauch gestiegen

Die Sasbachwaldener Bürgermeisterin Sonja Schuchter traf sich mit Wassermeister Markus Käshammer. Seinen Angaben zufolge werden derzeit täglich 800 Kubikmeter Wasser, davon kommen 200 bis 300 Kubikmeter aus Achern. In diesem Zusammenhang weist der Wassermeister darauf hin, dass der Wasserverbrauch im Vergleich zu den Vorjahren um 20 Prozent gestiegen ist. Für den Fall, dass der Regen weiter ausbleibt, gibt es einen Notfallplan. Als erste Einsparmaßnahme wird es den Sportplatz treffen. Sollte sich die Situation in den nächsten Wochen verschärfen, muss, wie es heißt, über eine Beschränkung des täglichen Wasserverbrauchs nachgedacht werden. „Das Trinkwasser geht aber vor“, betont die Bürgermeisterin.

Kritische Grenze in zwei Wochen erreicht

Die Gemeinde Lauf ist ebenfalls betroffen. „Im Augenblick ist die Lage bei uns sehr angespannt“, berichtet Bürgermeister Oliver Rastetter. „So einen Sommer hatten wir schon Jahrzehnte nicht mehr.“ Laut Kämmerer Ralph Essig-Christeleit müssen im Moment müssen 80 bis 100 Kubikmeter Wasser pro Tag aus Ottersweier bezogen werden, um den täglichen Bedarf von 735 Kubikmeter zu decken. Oliver Rastetter rechnet damit, dass der Zukauf an Trinkwasser weiter ansteigt. Im Vergleich zum Vorjahresverbrauch mit 635 Kubikmeter Wasser wird nun deutlich mehr Trinkwasser benötigt. Einen Grund dafür sieht der Kämmerer zum einen in der vermehrten Bewässerung und in der gestiegenen Anzahl privater Pools. Die Gemeinde ruft zu einem sparsamen Umgang mit dem kostbaren Gut auf und hat erste Maßnahmen getroffen. Der Bauhof gießt nur noch Kübel- und Blühpflanzen täglich, Bäume und Sträucher werden nur noch alle zwei bis drei Tage mit Wasser versorgt, der Sportplatz wird nur noch jeden zweiten Tag bewässert. Noch zwei Wochen ohne Regen, dann ist in Lauf die kritische Grenze erreicht, so der Bürgermeister. Er hält dann ein Verbot der Autowäsche für denkbar.

Auf Fremdwasser angewiesen

Auch die Gemeinde Ottenhöfen ist auf Fremdwasser angewiesen. 100 bis 150 Kubikmeter stammen aus Kappelrodeck, so Klaus Kordick Leiter des Hauptamts.

Gemeinde setzt Prioritäten

„Die Körperhygiene wird auch in Hitzeperioden nicht eingeschränkt“, versichert Bürgermeister Stefan Hattenbach. In Kappelrodeck funktioniert die öffentliche Wasserversorgung nach wie vor reibungslos. Aufgrund der aktuell hohen Abnahmemenge kommen täglich 1.000 Kubikmeter Wasser aus dem Oberacherner Pumpwerk, das gemeinsam mit der Stadt Achern betriebenen wird. Der Grund: „Die eigenen Quellen haben aktuell eine reduzierte Schüttung und der Quellüberlauf aus Ottenhöfen ist versiegt“, berichtet der Bürgermeister. Um Wasser zu sparen, setzt die Gemeinde Kappelrodeck bei öffentlichen Grünflächen Prioritäten, indem nicht jeder Baum und jede Grünanlage gegossen wird.

„Notquelle“ am Ruhestein

„Die Trockenheit hat auch in Seebach zum Rückgang der Quellschüttung geführt“, erklärt Bürgermeister Reinhard Schmälzle. Allerdings verfüge man über robuste Quellen aus Tiefenwasser. Die Wasserversorgung sei in jedem Fall gewährleistet, denn es kann auf eine „Notquelle“ am Ruhestein zurückgegriffen werden. Schmälzle bittet in diesem Zusammenhang darum, kein Wasser aus den Flüssen zu entnehmen.

Alessandra Hamsch