Radweg Achertal
Symbolische Eröffnung: Baudirektor Bernd Murgul, Bürgermeister Hans-Jürgen Decker, Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer und Bürgermeister Reinhard Schmälzle schneiden das Band durch, begleitet von Gemeinderäten und Anwohnern. | Foto: Stefanie Prinz

Bärbel Schäfer bei Einweihung

Achertalradweg: Der erste Abschnitt ist eröffnet

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„Brückenschlag“, „Lückenschluss“ und auch „Völkerverständigung“ waren die Stichworte des Tages bei der Einweihung des ersten Teilstücks auf dem künftigen Achertalradweg: Der erste Bauabschnitt des Geh- und Fahrradwegs ist nach Jahren der Vorbereitung fertig und führt von der Straße „Am Schroffen“ in Seebach bis zum Bereich Hagenbruck in Ottenhöfen. Der gesamte Weg soll bis 2021 fertiggestellt sein.

Dass es sich gut fahren lässt, zeigten symbolisch einige Vereins-Radler aus Seebach, die die neu errichtete Brücke über die Acher überquerten, bevor es ans Bändchen-Durchschneiden ging und die Pfarrer Georg Schmitt und Andreas Moll den neuen Weg segneten. Viel Lob für die Zusammenarbeit der Gemeinden gab es von Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer, die die weitere Unterstützung des Landes Baden-Württemberg bei dem Projekt zusicherte.

Land übernimmt die Baukosten

Eine Kooperationsvereinbarung regelt, dass das Land die Kosten für den Bau übernimmt – 720 000 Euro sind es für den ersten Bauabschnitt – und die Gemeinden die Planung, erklärte Baudirektor Bernd Murgul vom Regierungspräsidium Freiburg. Dies wurde möglich durch die Änderung einer Regelung, nach der das Land nun auch Radwegprojekte fördern kann, die, wie in diesem Fall, nicht direkt an der Landesstraße entlangführen – einen „Quantensprung“ nannte Bärbel Schäfer dies, das Achertal sei allerdings nicht der Auslöser für die Neuerung gewesen.

Spatenstich vor einem Jahr

Die Bürgermeister seien erfreut von ihren Stühlen aufgesprungen, als die Nachricht von der Kostenübernahme durch das Land kam, erinnerte Franz Doll vom Büro RS-Ingenieure an eine Sitzung im Jahr 2016. Dieser war eine aufwendige Machbarkeitsstudie vorangegangen, die 2010 in Auftrag gegeben worden war. Der symbolische erste Spatenstich folgte im Juni 2018.

Symbol für Zusammenarbeit

„Die Behörden wissen jetzt, dass wir sorgsam mit ihrem Geld und mit dem Flächenverbrauch umgehen“, fasste Ottenhöfens Bürgermeister Hans-Jürgen Decker zusammen, der ebenfalls die enge Zusammenarbeit der beteiligten Gemeinden betonte und den Weg ein Symbol eben dafür nannte. Wichtigster Punkt, warum das Projekt überhaupt realisiert werden konnte, sei neben der Finanzierung auch die Bereitschaft der Grundstückseigentümer gewesen, die Flächen für den Weg zur Verfügung stellten.

Diskussionen über Einmündung

Viele Details galt es zu beachten, so sei etwa die Überquerung in der „Sternen“-Kurve, wo nun eine Bedarfsampel eingerichtet wurde, insgesamt achtmal umgeplant worden. Auch die Einmündung Richtung Edelfrauengrab wurde umgestaltet – darüber habe es viele Diskussionen, vor allem mit Lastwagenfahrern, gegeben, „aber wir müssen die schwächsten Verkehrsteilnehmer schützen“, so Decker. Zu guter Letzt sei „Carbonbetonfaserbrückenbelag“ zu einem beinahe alptraumartigen Wort für ihn geworden, gab Decker schmunzelnd zu – der Einsatz von neuartigem Material noch ohne Normen sei nicht leicht, dafür sei die Brücke über die Acher nun eines der ersten Bauwerke in Baden-Württemberg, für die dieser Belag genutzt wurde, wie Doll ergänzte. Im Notfall können auch leichtere Lkw über die Brücke fahren, erklärte er weiter.

Der Zusammenhalt im ländlichen Raum ist Ihre Stärke

Überlegungen zum Bau eines solchen Radwegs habe es bereits Ende der 1980er Jahre gegeben, berichtete Seebachs Bürgermeister Reinhard Schmälzle. Hintergrund war, wie berichtet, das hohe Verkehrsaufkommen auf der Landesstraße 87, wo streckenweise 100 Stundenkilometer schnell gefahren werden darf. Lange sei das Ansinnen nicht realisierbar gewesen, begraben habe man die Idee aber nie. Die Zusammenarbeit der Gemeinden wurde auch von der Regierungspräsidentin gelobt, die Ottenhöfen und Seebach vor der Eröffnung besucht hatte: „Dieser Zusammenhalt im ländlichen Raum ist Ihre große Stärke“. Das Radwegprojekt sei ein Beispiel für großes Engagement und trage darüber hinaus zur „Vision Zero“ (null Unfalltote als Ziel) des Landes bei, indem es Radfahrern und Fußgängern Sicherheit biete.

Katharina-und-Wilhelm-Huber-Weg

Die Verbindung zwischen den Gemeinden spiegelt sich auch im Namen wieder: Der Katharina-und-Wilhelm-Huber-Weg soll an die Eheleute erinnern, die in beiden Gemeinden die Vereine unterstützt und auch in ihrem Nachlass bedacht hatten. Der Spatenstich für den untersten Wegabschnitt ist Mitte Mai bereits gefallen: Dieser führt über 540 Meter von Kappelrodeck nach Furschenbach.