Ehrgeiziges Projekt: Die Acherner Künstlerin Alina Atlantis hat mit ihrem Monumentalgemälde ihre Vorstellung vom „Leitbild“ Europas realisiert. Maskottchen „Sterni“ soll bei der Verbreitung ihrer Idee helfen. | Foto: Michael Moos

Alina Atlantis aus Achern

Ein Bild mit einer ganz speziellen Botschaft

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„Bilder haben Macht, und Bilder haben Botschaften.“ Alina Atlantis hat keinen Zweifel, dass ihr Projekt von der „Vision Europa“ zündet. Zehn Wochen nach der feierlichen Enthüllung ihres Bildes geht die Acherner Künstlerin nun den nächsten Schritt an: Sie möchte das von ihr geschaffene 40 Quadratmeter große Monumentalwerk als „Leitbild“ Europas in die Herzen der Menschen auf dem ganzen Kontinent bringen. Ein ehrgeiziges Ziel, das weiß auch Alina Atlantis. Dafür arbeitet sie seit 2005 – „Tag und Nacht“.

Ganz Europa im Blick

Im Zentrum des kurz vor der Europawahl in Achern feierlich enthüllten Bildes stehen die Flaggen und Symbole von 51 Ländern und Regionen, die einen flammenden Kreis um die Göttin Europa mit ihren Flügeln in weiß und schwarz bilden. Alina Atlantis hat die Motive herausdestilliert aus Befragungen, Kommentaren und Kritik: Sie nennt das Bild „den Kern der Vision Europa“.

Erst muss die Farbe trocknen

Nach der großangelegten Aktion zur Premiere in ihrem Atelier im ehemaligen Josefshaus ist für Alina Atlantis nun erst mal warten angesagt. Denn das Bild muss trocknen: „Das dauert ein halbes Jahr.“ Weil das zehn Meter breite und vier Meter hohe Kunstwerk eines Tages auf Reisen durch den ganzen Kontinent gehen soll, ist die Leinwand auf eine vom Gamshurster Zimmermeister Walter Allgeier geschaffene Holzkonstruktion aufgezogen, die sich demontieren und damit transportieren lässt.

500 Jahre Haltbarkeit

Das gilt auch für das Bild selbst: Die Leinwand ist mit 560 Ösen versehen, und Spanngummis geben den nötigen Halt. Die Farben hat Alina Atlantis unter anderem mit Leinöl und Mohnöl selbst hergestellt: „Die hält 500 Jahre.“

Das Bild ist erst der Anfang

Die Farbe ist das Eine, die Botschaft des Bildes das Andere: „Das Bild ist erst der Anfang“, sagt Alina Atlantis. „Jetzt haben wir die Vision sichtbar gemacht“. Natürlich digital und analog: Nachdem nicht zuletzt die rund 9 000 Follower auf Facebook die Entstehung des Bildes mit verfolgen konnten, geht es der Künstlerin jetzt darum, es möglichst vielen Menschen als „Vision“ vorzustellen. „Sie sollen es sehen, erleben und fühlen“. Das in mehrjähriger Arbeit geschaffene Werk soll, so Alina Atlantis, als Plattform für die „kulturelle Dimension Europas“ dienen – „in ihrer ganzen Vielfalt“. Die Künstlerin will den Betrachtern vor Augen führen, „dass jeder Europäer stolz darauf sein kann, hier zu leben.“ Politiker, sagt sie, könnten das nicht mit Leben erfüllen.

Bühnenshow geplant

Doch es geht Alina Atlantis nicht darum, das Bild zusammen mit dem Maskottchen „Sterni“ einfach so auf die Reise durch Europa zu schicken. Ihr Ziel ist vielmehr „eine fulminante Bühnenshow mit Künstlern vom ganzen Kontinent“. Es werde eine Story geben – „wahrscheinlich eine Liebesgeschichte“.

Viel Überzeugungskraft nötig

Eine Inszenierung mit Drehbuch und Choreografie, mit Chören, Orchester und Tanz werde „den Reichtum der Kulturen und die unglaubliche Vielfalt Europas auf die Bühne bringen“. Auch hier wieder ein hochgestecktes Ziel, für das Alina Atlantis, wie sie selbst einräumt, „noch viel Überzeugungsarbeit“ leisten muss.

Ich male keine Bilder – ich erfinde Realität

Dass ein von einer Kleinstadt wie Achern ausgehendes Kunstprojekt dieser Dimension tatsächlich „Überzeugungsarbeit“ braucht, liegt auf der Hand. „Der Traum vom Fliegen war schließlich auch die Vision eines Einzelnen“, sagt Alina Atlantis selbstbewusst und verweist auf ihr künstlerisches Motto: „Ich male keine Bilder – ich erfinde Realität“.

Bild unverkäuflich?

Apropos Realität: Wie ist eigentlich der Wert des monumentalen Bilds von Alina Atlantis’ „Vision Europa“ einzuschätzen? Für die Antwort auf diese Frage muss sie nicht lang überlegen: „Ich würde es selbst für einen Millionenbetrag nicht verkaufen.“

 

Zur Person
Alina Atlantis wurde 1966 als Alina Wollert in Cottbus geboren. Sie wuchs in Mecklenburg und Ost-Berlin auf. Schon früh war es ihr Ziel, Künstlerin zu werden. Sie wurde in das Förderprogramm für Hochbegabte aufgenommen, absolvierte mit 14 Jahren im Haus der Jungen Talente Ost-Berlin die künstlerische Grundausbildung, wurde mit 16 Jahren zum Abendstudium an der Kunsthochschule Berlin zugelassen und bestand im Alter von 17 Jahren die Aufnahmeprüfung zum Malereistudium an der Kunsthochschule in Ost-Berlin; die Zulassung wurde ihr jedoch auf Grund von „Westkontakten“ verweigert. Nach der Öffnung der Mauer studierte sie zunächst Politikwissenschaften an der TU Berlin, danach Freie Kunst an der Universität der Künste in Berlin, anschließend an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle. Seitdem gewann sie etliche Wettbewerbe für Gestaltung und war auch für einige Jahre als Artdirektor in einer renommierten PR-Agentur tätig. 2001 machte sie sich als freischaffende Künstlerin mit einem eigenen Atelier in Achern selbstständig. Schwerpunkt ihres künstlerischen Schaffens sind Bilder aus Öltempera und Ölkreide, die oft großformatig ausfallen. Der vielfach orange-rötliche Hintergrund ist bei Alina Atlantis als Symbol für eine intensive Lebensenergie zu verstehen. Daneben entwickelt und interpretiert sie Leitvisionen für Unternehmen und Institutionen. mm/Quelle: Wikipedia