Neue Regelung: Wer sich als „Anlieger“ fühlt, kann bis auf weiteres mit dem Auto ohne weitere Einschränkungen auf die Hornisgrinde fahren. | Foto: Michael Moos

Viele Wanderer verärgert

Als „Anlieger“ mit dem Auto auf die Hornisgrinde

Anzeige

„Grinde-Hütte – Zufahrt für Gäste und Besucher frei.“ Diese werbende Botschaft auf einem Schild am Mummelsee verstanden an den Weihnachtstagen viele Besucher als Einladung für einen bis dato kaum möglichen Abstecher mit dem Auto auf die Hornisgrinde. Spaziergänger und Wanderer reagierten vor Ort und in den sozialen Medien mit Verwunderung und Entsetzen: „Mit dem Auto hoch fahren? Ich dachte, das soll eine Wanderhütte werden?“, heißt es beispielsweise auf Facebook. Die Gemeinde Seebach kündigte unterdessen die Installierung einer „intelligenten Schranke“ an. Diese soll laut Bürgermeister Reinhard Schmälzle von Sommer an den Weg – gegen Entgelt – nur dann freigeben, solange die rund 45 Parkplätze nicht vollständig besetzt sind.

Großer Ansturm in neuer „Grinde-Hütte“

Fernblick bis zu den Alpengipfeln und ein tiefblauer Himmel: In hellen Scharen lockt das schöne Winterwetter die Menschen zu den Ausflugszielen entlang der Schwarzwaldhochstraße. Besonders im Fokus stand an den Weihnachtsfeiertagen die gerade rechtzeitig eröffnete Grinde-Hütte. Die Pächterfamilie freute sich über einen großen Ansturm von Gästen, von denen die meisten wie gehabt zu Fuß den Weg auf den Hornisgrinderücken angetreten hatten. Viele Autofahrer jedoch fühlten sich tatsächlich als „Anlieger“ – und so war der Parkplatz am Hornisgrindeturm gut gefüllt.

 

Gut gefüllt war am zweiten Weihnachtsfeiertag der Parkplatz am Hornisgrindeturm. Die Zufahrt ist im Gegensatz zur früheren Regelung für „Anlieger frei“. | Foto: Michael Moos

„Einfach unglaublich“

Auf dem Weg nach oben gab es für sie so manche „unfreundliche Kommentare“ – müssen sich doch nun Autos und Fußgänger die vergleichsweise schmale Straße teilen. Ähnlich „deftig“ fallen die Kommentare auf Facebook aus: „Einfach unglaublich“, schreibt ein User. „Da wird ein Nationalpark gegründet und gleichzeitig lässt man Autos zur Hornisgrinde hoch fahren. Der beste Beweis, dass nicht die Natur sondern der Profit im Vordergrund steht. Vorbei sind die ruhigen Zeiten für Wanderer und Mountainbiker auf der Hornisgrinde, da oben wird man künftig nur noch den Massentourismus vorfinden. Einfach nur Schade.“ Ein anderer meint: „Die Hütte ist toll – aber das mit den Autos ist dort völlig daneben.“ Ein weiterer Besucher hat folgenden Vorschlag: „Sinnvoll wäre ein Pendelbus vom Mummelsee zur Grindehütte.“

Künftig gilt Tempo 30

Verantwortlich für die Zufahrt zur höchsten Erhebung des Nordschwarzwalds ist die Straßenverkehrsbehörde beim Landratsamt Ortenaukreis. Deren Leiterin Annette Streif hat die amtliche Beschilderung mit dem Zusatz „Anlieger frei“ angeordnet. Ebenfalls angeordnet, aber noch nicht ausgeschildert ist die zulässige Höchstgeschwindigkeit von Tempo 30. Die Zulassung des Anliegerverkehrs sei, so Annette Streif auf ABB-Anfrage, letztlich auch eine Konsequenz auf die Ausweisung einer begrenzten Zahl von Parkplätzen für die Grinde-Hütte. Allerdings lege die Straßenverkehrsbehörde großen Wert auf die „intelligente Schranke“. Annette Streif: „Die muss dringend kommen. Das ist uns sehr wichtig.“

„Intelligente Schranke“

An das Teilhabegesetz erinnert unterdessen Seebachs Bürgermeister Reinhard Schmälzle. Auch Menschen mit Mobilitätseinschränkungen sollen die Möglichkeit bekommen, die Grinde-Hütte zu besuchen. Geplant sei die Ausweisung von Parkplätzen in Höhe des ehemaligen Wachgebäudes der französischen Streitkräfte. Hier werde dann für Nicht-Behinderte Autofahrer Schluss sein. Weiter hoch dürfe dann nur noch fahren, wer Menschen mit Handicap im Auto hat. Eine zusätzliche Einschränkung werde durch eine Schranke geschaffen, die sich am Mummelsee nur gegen Bezahlung und nur so lange öffnet, wie „oben“ Parkplätze zur Verfügung stehen. Allerdings werde die Schranke erst im Sommer kommenden Jahres zur Verfügung stehen. „Wir wollen kein Chaos“, betont Schmälzle, „sondern eine gute Lösung“.

„Wollen, dass der Betrieb gut läuft“

Ob es vor dem Hintergrund des bereits regen „Verkehrsaufkommens“ auf der Gemeindestraße zur Hornisgrinde sinnvoll ist, noch mit einem „Werbeschild“ am Mummelsee auf die Zufahrtsmöglichkeit zur Grinde-Hütte hinzuweisen, lässt Schmälzle offen: „Dieses Schild ist im Interesse des Betreibers. Und wir wollen, dass der Betrieb gut läuft.“