Papierkörbe aus Zeitung Altpapier
Mutter und Tochter sind ein kreatives Team: Marina Ressel (links) und Ellen Pelich machen aus Altpapier neue Körbe. Dafür haben sie sogar im Ausland Abnehmer gefunden. | Foto: Michaela Gabriel

Papierkörbe als alter Zeitung

Altpapier wird in Sasbach zu kleinen Kunstwerken

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Bei Familie Ressel in Sasbach bleibt die Tonne für Altpapier leer. Der Grund: Marina Ressel und ihre Mutter Ellen Pelich machen aus alten Zeitungen und Prospekten neue Papierkörbe. Sie stoßen damit auf Kunsthandwerker-Märkten und im Internet auf begeisterte Interessenten. Und das Beste daran ist: Das Hobby half Ellen Pelich aus einer Depression und bescherte ihr neue Lebensfreude.

Als es ihr vor Jahren sehr schlecht ging, suchte die 57-jährige Russlanddeutsche nach einer Beschäftigung. Sie entdeckte im Internet, dass man aus einem Material, das sie wie jeder andere auch in Mengen kostenlos ins Haus bekommt, neue Dinge machen kann. Sie fing an, Zeitungsseiten und Prospektpapier aufzurollen und die dünnen Röllchen zu flechten. „Das erste waren kleine Körbe für meine drei Enkelkinder zu Ostern“, erinnert sie sich.

Bestellungen kommen aus aller Welt

Inzwischen hat sie zusammen mir ihrer Tochter Marina die Kunst des Altpapierflechtens so verfeinert, dass Bestellungen aus aller Welt bei ihr eingehen. Sie fertigt aus den Papierröllchen Schalen, Deko-Vasen, Kränze und Einkaufskörbe. Sogar in Apfelform oder in Gestalt eines Hahns kann sie Körbe gestalten. Sie wurden bereits aus Großbritannien und Finnland, aus Mexiko und sogar aus Singapur angefordert. „Kleine Auftragsarbeiten“ seien es, die sie da zu Hause am Wohnzimmertisch erledigt. Was die Abnehmer dafür bezahlen müssen, deckt ihre Arbeitszeit bei Weitem nicht. Mitunter sei das Verschicken teurer als ihr Produkt. Doch das sei für sie in Ordnung. „Wir möchten, dass die Körbe verkäuflich bleiben. Sonst stapeln sie sich bei uns – und wir haben keinen Lagerraum“, erklärt Marina Ressel.

Recycling bleibt Hobby neben Vollzeitjob

Die Mutter eines vierjährigen Sohnes hat einen kleinen Internetshop. Selbst finde sie kaum noch Zeit für das Flechten von Altpapier. Als Medizinisch-Technische Assistentin arbeitet die 30-Jährige seit zwei Jahren wieder in Vollzeit im Klinikum Mittelbaden Balg in Baden-Baden. „Ich liebe meinen Beruf“, sagt sie. Deshalb müsse das Recycling ein Hobby und die Menge an Körben klein bleiben. Jedem Besteller schreibe sie einfach, wie viele Wochen er warten müsse.

Zehn Zeitungen werden zu einem Korb

„Das Drehen des Papiers dauert genauso lange wie das Flechten“, erklärt sie. In einem Papierkorb stecken etwa zehn Zeitungen, rund 1 000 einzeln aufgerollte Stäbchen aus Altpapier und vier Tage Arbeit. Aus Werbeprospekten könne man Stäbchen mit bestimmten Grundfarben machen. Für weißes Material müsse man Zeitungsseiten mit der richtigen Technik aufwickeln. Wenn man besondere Farbeffekte wolle, müsse man die weißen Röllchen einfärben. Dazu verwende sie unter anderm Zwiebelhaut, wie es viele vom Ostereier-färben kennen, Marina Ressel.

Papier-Flechten als eine Art Heilmittel

Nur auf besonderen Wunsch bleiben die Druckzeilen einer Tageszeitung dauerhaft sichtbar. Doch die Körbe können auch so ausfallen, dass man ihnen nicht ansieht, aus welchem Material sie gemacht sind. Am Ende pinseln die beiden kreativen Frauen ihre stabilen Körbe mit Acryllack ein. „Sie sind dann wasserabweisend und sehr haltbar.“ Müllvermeidung, kreative Beschäftigung und Vorbeugung gegen neue Depressionen – für Ellen Pelich ist das Altpapierflechten eine Art Heilmittel. „Der Erfolg macht mich stolz und schenkt mir Glücksmomente“, sagt sie. „Ich habe jetzt keine Zeit mehr für Depressionen“, lacht sie.

Von Michaela Gabriel